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Ein selten gewordenes Bild auf den Schulhöfen hierzulande: Kinder, die sich an der frischen Luft und mithilfe von einfachen Spielen bewegen. Genau an diesem Punkt möchten die »Präventionsprofis« ansetzen. SYMBOLFOTO: IMAGO

Die „PräventionsProfis“

Bewegung auf dem Pausenhof: Trainerin startet Kursprogramm gegen coronabedingten Bewegungsmangel bei Kindern

  • Philipp Keßler
    VonPhilipp Keßler
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Die Coronakrise hat eine ungesunde Mischung aus Bewegungsmangel, zu viel Zeit an technischen Geräten im Sitzen und möglichem Übergewicht bei Kindern drastisch verschärft. Jonna Jensen, selbstständige Trainerin, und ihr Team wollen in den Sommerferien etwas dagegen tun.

Die Coronavirus-Pandemie trifft auch und im Besonderen Kinder - das ist nicht erst seit gestern bekannt. Und egal, wie gut oder schlecht das Homeschooling funktioniert, der Fokus liegt vor allem auf den Hauptfächern Deutsch oder Mathe - Sportunterricht bleibt bei vielen auf der Strecke. Auch Angebote in den Vereinen sind stark gedrosselt. Für Jonna Jensen sind das alarmierende Zustände. Die Diplom-Sportwissenschaftlerin ist selbstständige Trainerin, arbeitet normalerweise vor allem im Bereich Personal Training und Betriebssport, will aber nun mit ihrem Team ab den Sommerferien ein neues Angebot aus der Taufe heben - mit Blick auf Kinder von acht bis zwölf Jahren.

Acht Schwerpunkte gegen den coronabedingten Bewegungsmangel bei Kindern

Die »PräventionsProfis« wollen in Zusammenarbeit mit Schulen in den Landkreisen Lahn-Dill, Gießen, Wetterau und Hochtaunus Kinder in Bewegung bringen - mit einem fünftägigen Kurs à 1,5 Stunden, der bis zu 100 Prozent von den Krankenkassen bezahlt wird. »Normalerweise arbeiten wir viel mit individuellem Training, aber mit den Präventionskursen haben wir uns jetzt nicht nur breiter aufgestellt, sondern auf diese Weise bekommen wir auch die Unterstützung der Krankenkassen, auch wenn die im Gegenzug ein klares Konzept verlangen«, erklärt Jensen.

Sie und ihr Team haben sich acht Schwerpunkte gesetzt: Spielerische Übungen mit Bällen, also werfen, fangen, prellen, Staffelspiele als spielerische Form des Intervalltrainings, Gleichgewichts- und Koordinationsübungen, Spring- sowie Laufübungen, Kraft-Ausdauer-Training mit einer Art Biathlon, Ganzkörperkräftigung für eine bessere Rumpfstabilität sowie kooperative Spiele, bei der auch soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit erlernt werden, stehen auf dem Plan. »Wir wollen den Kindern auf diese Weise zeigen, was man alles machen kann, ihnen aber auch erklären, warum diese Formen der Bewegung gut für sie sind«, sagt Jensen. »Ich weiß nicht, ob das jedem Kind bereits alles bekannt ist.« Ihr geht es vor allem um die Rückkehr zur Bewegung im Alltag, etwa in Form der Straßenspielkultur - zum Beispiel mit Klassikern wie Gummitwist.

Jonna Jensen Sportwissenschaftlerin

Schulen sollen die Vermittlerrolle übernehmen

Die Schulen sollen im Zuge der Kooperation lediglich die Rolle des Vermittlers und Gastgebers einnehmen. Sie streuen das Angebot unter ihrer - dank Coronakrise und Homeschooling inzwischen vernetzten - Schüler- und Elternschaft, die sich wiederum direkt auf der Website der »PräventionsProfis« (www.praeventionsprofis.com) für den Kurs an ihrer jeweiligen Schule anmelden können. Nach dem erfolgreichen Absolvieren des Kurses gibt es eine Teilnahmebestätigung, mit der man von der Krankenkasse sein vorgelegtes Geld zurückbekommt. »Ich würde jedem empfehlen, das vorher mit seiner Krankenkasse abzusprechen, denn hier gibt es Unterschiede, ab wie viel Prozent der Teilnahme und bis zu welchem Prozentsatz die Kosten für einen solchen Präventionskurs übernommen werden«, sagt Jensen.

Auch für sie bedeutet das neue Geschäftsmodell erhöhten organisatorischen Aufwand, denn die Kurse und die Trainer müssen von der Zentralen Prüfstelle für Prävention vorab genehmigt werden. »Es ist schon ein riesiger bürokratischer Aufwand«, sagt Jensen. »Aber gerade in der jetzigen Situation kommen wir kaum anders an die Kinder heran.« Vier Vollzeit- und drei Teilzeit-Trainer stehen für die Ferien in den Startlöchern, jeder Trainer könnte bis zu drei Kurse à acht bis 15 Kindern pro Tag abhalten, sodass aktuell 40 Schulen in der Region abgedeckt würden. Aktuell sind Jensen und Co. daher vor allem auf der Suche nach Schulen (Kontakt: jonna@praeventionsprofis.com).

Zusätzliche Plattform für Vereine der Region

Zusätzlich will sie die Sportvereine der jeweiligen Umgebung mit ins Boot holen, ist die ehemalige Erstliga-Handballerin doch aktuell selbst als Trainerin der Damenmannschaft der TSG Leihgestern auch noch an der Basis unterwegs. Der Plan: Nach vier Tagen Präventionskurs sollen die Vereine am fünften Tag die Möglichkeit erhalten, sich mit einem kleinen Programm bei den Kindern vorzustellen - um neue Mitglieder zu gewinnen und die Erfolge aus dem Kurs somit zu verstetigen. »Vielleicht können wir auf diese Weise ja den einen oder die andere langfristig für Sport begeistern«, sagt Jensen. »Je nach dem, wie viele Vereine sich melden, bieten wir selbst auch noch etwas Programm an.«

Ein großer Vorteil: Die Zusage für die Förderung vonseiten der Krankenkassen gilt auch, wenn die Kurse aufgrund der dann herrschenden Corona-Lage nicht durchgeführt werden dürfen. Sie würden dann in den virtuellen Raum verlegt, auch wenn »es in Präsenz deutlich schöner wäre«.

Auch Angebote für Erwachsene und Betriebe

Erfahrung hat Jensen damit bereits gesammelt, muss sie doch aufgrund der Corona-Krise viele der Betriebssport-Angebote ihrer Firma »Betriebliche Gesundheitsförderung Mittelhessen« ebenfalls online durchführen. Durch die Beschäftigung mit Präventionskursen hat sie auch dafür längst weitere Angebote im Kopf - von Rückenschule über Beckenbodengymnastik bis zum Faszientraining oder Nordic Walking für Erwachsene hat sie schon jetzt in diesem Bereich einiges im Programm. »Wir können mit unseren Team schon jetzt sehr viele Themen abdecken«, sagt Jensen.

Einer von Jensens Grundgedanken dabei: »Wir müssen die Menschen dazu bringen, dass sie auch autark Sport machen können, weil sie verstanden haben, warum es gut für sie ist. Präventionskurse können - sowohl für Kinder als auch für Erwachsene - der Einstieg sein, um dauerhaft Sport zu machen und sich gesundheitsbewusst zu bewegen.« Und damit kann man ja bekanntlich nicht früh genug anfangen.

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