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Mit Besen und Schleifmaschine nach Peiting

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(mn) Sand in der Kabine des EC Peiting, Streit um die Schlittschuh-Schleifmaschine, ein Boykott der Pressekonferenz von Coach Leos Sulak, Pöbeleien und Beleidigungen gegen einen bayrischen Radio-Journalisten im VIP-Raum im Colonel-Knight-Stadion und zwei Spieldauer-Disziplinarstrafen, die aus Sicht des jeweils Betroffenen natürlich keine waren und in schauspielerischen Leistungen des Gegners begründet seien:

Spätestens jetzt, da nach dem dritten Viertelfinal-Spiel der Best-of-five-Serie und einer 2:1-Führung des EC Bad Nauheim die Entscheidung über den Halbfinal-Einzug naht, ist die Atmosphäre zwischen den Roten Teufeln und dem Finalisten der letzten beiden Jahre playoff-typisch vergiftet.

»Die haben Sand in unserer Kabine verstreut. Das macht man nicht. Und dann hat man uns keine Möglichkeit gegeben, unsere Schlittschuhe zu schleifen«, wetterte Sulak, der der Pressekonferenz fern blieb. »Sonst hätte ich vielleicht etwas gesagt, das ich später bereut hätte.« Der Ton mache die Musik konterte unterdessen RT-Geschäftsführer Andreas Ortwein. Man habe angeboten, in der Kabine kurzerhand für Ordnung zu sorgen (»Wie da Sand reingekommen sein soll, weiß ich nicht«), dann jedoch nichts mehr von den Gästen gehört. Diese hätten sich später vielmehr ungefragt die Schleifmaschine genutzt und obendrein verstellt. Der Journalist, der angesichts der Peitinger Vorwürfe öffentlich um eine Stellungnahme gebeten hatte, musste sich im Anschluss von einen VIP-Gast Bedrohungen anhören. Vielleicht hatten nach 3:15 Brutto-Spielzeit, 80 Netto-Minuten, einem ganz engen Match und einem noch viel mehr nervenaufreibenden Penaltyschießen am Dienstagabend auch schlicht die Nerven blank gelegen.

Einen konnte die Dramaturgie der Partie offenbar nicht beeindrucken: Lanny Gare. Der Kanadier schoss zwei der vier Penaltys und verwandelte beide; im ersten Anlauf gar frech wie noch vor zwei Wochen gegen Duisburg; und dies, obwohl beim Anlaufen die Scheibe versprungen war. Tobias Schwab war im ersten Anlauf gescheitert, dann hatte Kyle Piwowarczyk getroffen. Und schließlich durfte Lanny Gare die Chancen drei und vier wahrnehmen. Fred Carroll, der RT-Coach, verriet, dass er eigentlich Verteidiger Alexander Baum als vierten Schützen vorgesehen hatte, schließlich einem Bauchgefühl folgte und den Kapitän vom Zettel strich. »Wenn wir diesmal auch das bessere Ende hatten: Ich denke, in den Playoffs sollte die Entscheidung ausgespielt werden - und wenn es bis 3 Uhr morgens dauert«, sagt Carroll.

Ein Patzer von Markus Keller hatte der Partie 70 Sekunden vor Schluss eine völlig neue Richtung gegeben. Ein Schlenzer, fast von der Mittellinie, war vor dem RT-Tor auf- und zum Entsetzen der mehr als 1800 Zuschauer über die Linie gesprungen.

Könnte ein solches Missgeschick alle Titel-Träume platzen lassen? Wenige Minuten zuvor noch hatte der 21-Jährige zwei Konter entschärft - und auch im weiteren Verlauf der Partie hat Keller, wohl eher ein Mann für die brenzligen Situation, der sich immer mal zu einem Lapsus hinreißen lässt, seinen Patzer mehrfach wieder gut gemacht.

Bad Nauheim hat nun zwei Matchbälle (am Freitag um 19.30 Uhr in Peiting und ggf. in einem fünften Spiel am Sonntag um 19 Uhr zuhause) und definitiv ein drittes Playoff-Heimspiel und damit eine sicher willkommene zusätzliche Einnahme.

Im Falle eines Weiterkommens ist der Halbfinal-Gegner vom Ausgang der Serie Dortmund - Klostersee abhängig. Gewinnen die Westfalen, die am Dienstag zuhause den 1:2-Anschluss in der Serie geschafft haben, würde Bad Nauheim am 8. April zuerst in Bad Tölz antreten müssen, setzt sich der Außenseiter aus Grafing gegen den West-Meister durch, dann hätten die Roten Teufel Heimrecht gegen Riessersee.

»Das interessiert mich alles noch gar nicht. Wir wollen das Ding am Freitag über die Bühne bringen«, sagt Carroll. Zwei Besen und die eigene Schleifmaschine werde man mit nach Peiting nehmen. Man weiß nie, was einen in den Playoffs erwartet.

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