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Fokussiert: Nico Kurz aus Nidderau feiert am Mittwoch sein Debüt bei der Darts-Weltmeisterschaft in London. FOTO: DPA

Darts-WM aus London

So bereitet sich Nico Kurz aus Nidderau auf sein WM-Debüt vor

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Nico Kurz aus Nidderau debütiert bei der Darts-WM in London. Der 22-Jährige erzählz vom Kneipenbesuch in Beienheim, Anspannung und dem Leben als Amateur unter Profis.

Zigarettenrauch liegt in der Luft, das ein oder andere Hochprozentige hat auch schon den Weg über die Theke gefunden. Beim E-Dart ist das erlaubt. Es ist Freitagabend vor einer Woche, im Beienheimer "Raabennest" ist Spieltag in der privat organisierten "Bärenliga". Der DC Wetterau empfängt den DC Hölle aus Bruchköbel. Mittendrin steht Nico Kurz aus Nidderau. Das ist beim Blick auf seine Familienhistorie keine Überraschung. Vater Holger Kurz und Mutter Sabine Lisch waren beide deutsche E-Dart-Meister und WM-Teilnehmer, Nico ist selbst zweifacher deutcher Meister und Europameister von 2017. Trotzdem ist es irgendwie ein bizarres Bild. Schließlich ist der 22-jährige Höllenspieler nur zwölf Tage vom bislang größten Match seiner Karriere entfernt. Kurz hat sich erstmals für die Weltmeisterschaft der Professional Darts Corporation (PDC) im Steeldarts in London qualifiziert, am kommenden Mittwoch (20 Uhr/live auf Sport1) steht sein Erstrundenmatch gegen den 47-jährigen Engländer James Wilson auf dem Plan.

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Es prallen also zwei Welten aufeinander. Hier die Freizeitliga am Automaten in der Kneipe, dort die West Hall des Alexandra Palace in London, die heilige Darts-Halle, vor Millionen TV-Zuschauern. Der Nidderauer pendelt momentan noch zwischen den Welten. Kurz ist kein Profi, er arbeitet als Industriemechaniker bei den Stadtwerken in Hanau. Überhaupt steht er erst seit fünf Jahren ambitioniert mit den Pfeilen vor dem Board. Vorher "hatte ich nur Fußball im Kopf", sagt Kurz, der zwar noch beim B-Ligisten FC Karben II in der Mannschaftsliste steht, derzeit aber logischerweise die Pfeile dem Kicken vorzieht.

In dieser Woche war er von der Arbeit freigestellt und trainierte bis zu sieben Stunden am Tag. Seine Stippvisite beim E-Darts in Beienheim vor einer Woche hat seine Vorbereitung nicht beeinträchtigt: "Im Gegenteil, das ist für mich ein Ausgleich zu allem anderen", sagt Kurz. Der Medienrummel um seine Person ist ihm unangenehm, daraus macht er keinen Hehl. Am Montag fliegt Kurz mit seiner Freundin und zwei Kumpels nach London, spätestens dann liegt sein Fokus voll auf dem Erstrundenmatch.

Mit den Fans im Rücken

Überhaupt wirkt er für sein junges Alter recht abgeklärt und scheint seine Nerven im Griff zu haben. "Die Anspannung hält sich noch in Grenzen. Das wird wohl erst kommen, wenn ich in den ›Ally Pally‹ einlaufe", sagt Kurz. Auch das wird eine Premiere für ihn, bislang kennt der Nidderauer die Partystimmung bei der WM nur aus dem Fernseher. Am Mittwoch steht er dort im Rampenlicht. Sein Gegner, James Wilson, ist mit 147 000 Pfund gewonnenem Preisgeld in diesem Jahr die Nummer 36 der "Order of Merit", der Darts-Weltrangliste. Kurz steht mit 1000 Pfund auf dem geteilten Rang 183. "Ich spiele gegen einen erfahrenen Spieler. Ich muss mein Spiel abrufen, dann schauen wir mal, was möglich ist", sagt Kurz. Eigentlich kann er als Newcomer nur gewinnen, seine Außenseiterrolle sieht der Nidderauer aber nicht als Vorteil: "Wilson ist es gewohnt, auf großen Bühnen zu spielen. Ich muss schauen, dass ich mich nicht zu sehr ablenken lasse", sagt Kurz.

Ein Faktor könnten auch die Fans spielen. Im vergangenen Jahr ging rund ein Viertel der Tickets an Anhänger aus Deutschland. Die Abendsession am Mittwoch, die Kurz eröffnet, ist ausverkauft. Da als letzte Partie des Abends jene von Gabriel Clemens, neben Kurz und Max Hopp der dritte Deutsche, angesetzt ist, dürfte der Heimvorteil von Wilson nicht allzu groß ausfallen.

Und Kurz kann Überraschungen. Sein Erfolg bei der Super League Darts Germany, über den er sich für die WM qualifizierte, kam ebenso unerwartet wie sein Sieg über den zweimaligen Weltmeister Gary Anderson (Schottland) bei den German Darts Masters. In der zweiten Runde bei der WM würde nicht nur "Rockstar" Joe Cullen (30) warten, sondern auch ein üppiges Preisgeld. 7500 Pfund hat er schon sicher, für das Erreichen der zweiten Runde kämen weitere 15 000 Pfund dazu. Und vielleicht ein Spitzname. Der fehlt ihm noch, um endgültig in der Darts-Elite anzukommen.

Nico Kurz im Porträt

Alter:

22 Jahre

Wohnort:

Nidderau

Geburtsort:

Hanau

Darts:

EVO Handmade Darts 20 g

Wurfhand:

rechts

Einlaufmusik:

"Life is life" von Opus

Erfolge:

Steeldarts: Sieger Super League Germany 2019. – E-Darts: Europameister 2017, deutscher Meister 2015 und 2017

2,9 Millionen Pfund Preisgeld

Seit dem gestrigen Freitag läuft die Weltmeisterschaft der PDC im legendären Alexandra Palace in London. Trotz anderer Ankündigungen ist man auch in diesem Jahr in der rund 3000 Zuschauer fassenden West Hall des Komplexes geblieben. Ein Umzug in die Great Hall wurde verworfen. Die 96 Teilnehmer spielen um das Rekord-Preisgeld in Höhe von 2,9 Millionen Pfund. Der Sieger des Finales am 1. Januar streicht 500 000 Pfund ein. Ein Neun-Darter wird mit 25 000 Pfund prämiert.

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