Beachtliche Saison, jedoch nicht völlig zufriedenstellend

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(cd). Die Entwicklung der Mannschaft in der abgelaufenen Saison findet Thomas Sobotzik, der Geschäftsführer des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach, beachtlich. Völlig zufrieden ist er angesichts von Platz drei im Abschlussklassement der Südwest-Staffel dennoch nicht. Aber man gehe mit viel Selbstvertrauen in die kommende Runde, sagt er. Anlass dafür gibt es durchaus.

Der OFC zählte nämlich in der abgelaufenen Saison bereits in einigen Bereichen zur absoluten Spitze in seiner Spielklasse, wie die Bilanz des Traditionsklubs in der vierthöchsten deutschen Liga zeigt.

Zuschauer: Hier lag der OFC in den vergangenen Jahren meist einsam ganz vorne. Jedoch waren in der abgelaufenen Runde Zuschauer corona-bedingt, wenn überhaupt, nur arg eingeschränkt erlaubt. Dennoch setzten die Kickers abermals Maßstäbe. Sie belegen in der Rangliste der am besten besuchten Spiele die Plätze eins (3150 Zuschauer gegen Steinbach) und zwei (2200 gegen den FSV Mainz 05 II, zugelassen waren alle rund 3000 Saisonticket-Inhaber).

Serien: Nach einem erneuten Umbruch mit elf Ab- und 15 Zugängen starteten die Kickers unter Trainer Angelo Barletta mit sieben Spielen in Folge ohne Niederlage in die Saison. Auf den ersten Blick ein ordentlicher Auftakt. Der OFC ließ aber bei den Unentschieden gegen den Bahlinger SC (0:0), den TSV Steinbach Haiger (1:1) sowie beim SC Freiburg II (2:2) Punkte liegen. Nach der ersten Saisonniederlage (0:1 in Ulm) blieb der OFC fünfmal in Serie unbesiegt, darunter war allerdings auch das enttäuschende 0:0 in Walldorf, der ersten Partie nach der Pandemiebedingten Unterbrechung. Da zudem die letzten zwei Spiele vor der Winterpause (0:2 gegen Aalen, 0:1 in Balingen) verloren wurden, musste Barletta seinen Platz räumen. Für die neue Saison hat er einen Vertrag beim FSV Frankfurt unterschrieben.

Unter Nachfolger Sreto Ristic blieb der OFC vor und nach der 0:4-Pleite beim TSV Steinbach-Haiger je zehnmal in Serie unbesiegt, scheiterte in dieser Phase aber im Hessenpokal am FC Bayern Alzenau. Auch nach der im Titelrennen vorentscheidenden 0:3-Niederlage in Elversberg zeigten die Kickers Moral: Es folgten im Saisonendspurt 13 Punkte aus fünf Spielen.

Dauerbrenner: Im Liga-Ranking der Akteure mit den meisten Saison-Einsätzen dominieren die Kickers. Den ersten Platz teilen sich Torwart Stephan Flauder und Innenverteidiger Sebastian Zieleniecki, die beide auf das Maximum von 3780 Minuten kommen. Serkan Firat machte ebenfalls alle 42 Saisonspiele mit, wurde jedoch mehrmals ausgewechselt. Lediglich eine Partie verpasste Malte Karbstein wegen einer Gelbsperre.

Vom Stammspieler zum Bankdrücker

Kurzarbeiter: Den Sprung zu den Profis hatte sich Leonidas Tiliudis anders vorgestellt. Nachdem er in seiner ersten Saison verletzungsbedingt gar nicht im Einsatz war, sammelte er in seiner zweiten und zugleich letzten sieben Minuten Spielpraxis (beim 4:0 gegen Stadtallendorf). Bei Maurice Pluntke (13 Minuten) und Abu Bakarr Kargbo (31 Minuten) waren ebenfalls Verletzungen der Grund für die seltene Berücksichtigung. Kurios: Moritz Reinhard spielte in der ersten Partie durch, danach fast gar nicht mehr (insgesamt 108 Minuten). Überhaupt nicht eingesetzt wurden die Ersatztorhüter Dominik Draband (25-mal im Kader), Felix Ferahyan (9) und Angelo Tramontana (8) sowie der auch noch für die U 19 spielberechtigte Vinzent Moreno (6).

Die Defensive ist Trumpf

Defensive: Bei den Gegentoren waren die Kickers einsame Spitze. In 42 Spielen ließen sie lediglich 32 zu, sechs weniger als der in diesem Ranking zweitplatzierte SC Freiburg II, der die Meisterschaft gewann. Insgesamt 21-mal hielt Stephan Flauder, der Schlussmann des OFC, sein Tor sauber. Auch das ist Ligabestwert. Zweiter ist ein Ex-Offenbacher: Daniel Endres (FSV Frankfurt) spielte 15-mal zu null.

Offensive: In den 42 Saisonspielen erzielten die Kickers 80 Treffer (Durchschnitt: 1,9), 18 weniger als der Tabellenzweite SV Elversberg und 15 weniger als Meister SC Freiburg II. Insgesamt liegt der OFC bei den geschossenen Toren lediglich auf Platz fünf. Auch der TSV Steinbach Haiger (84) und der VfB Stuttgart II (82) trafen öfter. Einsam an der Spitze der vereinsinternen Torjägerliste liegt Mathias Fetsch (18). Auf Platz zwei folgt Tunay Deniz (9), der zudem bester Vorlagengeber (16) und damit auch Topscorer der Kickers ist. Ein Quartett traf siebenmal: Serkan Firat (zwölf Vorlagen), Malte Karbstein, Flo Bojaj und Elia Soriano.

Ein fairer Absteiger

Kartensammler: In der Fairplay-Tabelle belegen die Kickers (80 Gelbe Karten, dreimal Gelb-Rot, eine Rote Karte) den sechsten Platz. Angeführt wird dieses Ranking vom FC Bayern Alzenau (65/0/1), der am Ende nur den vorletzten Rang belegte und vorzeitig als Absteiger feststand. Nur ein Team bekam keinen Spieler vom Platz gestellt: der Bahlinger SC. Am unfairsten war Schott Mainz (93/8/5).

Angeführt wird die interne Kartensammler-Rangliste des OFC von Tunay Deniz, der 15-mal Gelb sah und somit dreimal gesperrt war. Das ist der zweifelhafte Liga-Saisonbestwert - gemeinsam mit Quentin Fouley (RW Koblenz). Deniz wurde damit mehr als doppelt so oft verwarnt wie Malte Karbstein und Flo Bojaj, die sich mit je sieben Gelben Karten den zweiten Platz teilen. Die »Ampelkarte« gezeigt bekamen je einmal Davud Tuma, Luigi Campagna und Charles Laprevotte. Rot gab es für Ronny Marcos.

Hervorragende Heimbilanz

Heim-/Auswärtsbilanz: Obwohl der OFC coronabedingt auf die gewohnt zahlreiche Unterstützung der Zuschauer verzichten musste, war das Stadion am Bieberer Berg eine echte Festung. Nur dem VfR Aalen (2:0) gelang es, diese zu erstürmen. Mit 48 Zählern aus 21 Spielen (14 Siege, sechs Unentschieden, eine Niederlage) liegen die Kickers in der Heimtabelle an der Spitze - punktgleich mit dem SC Freiburg II, der auch die identische Tordifferenz (+31) aufweist, aber vier Treffer mehr erzielte. Auf fremden Plätzen war der OFC (39 Punkte) das drittbeste Team hinter der SV Elversberg und dem SC Freiburg II (beide 45).

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