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Das Ballack-Aus - was denken die Wetterauer Fußball-Experten?

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(mi/mw/ub/sto) Die Meldung am Montagmorgen hat die Fußball-Fans geschockt. Bei der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft muss die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nicht nur auf den verletzten Torhüter René Adler verzichten, sondern jetzt auch noch auf ihren Spielführer und »Leader« Michael Ballack, der mit einem Innenbandriss am rechten Sprunggelenk passen muss. Die WZ-Sportredaktion hat sich bei den »Friedberger« Fußball-Experten umgehört, was dieser schwere Verlust für die deutschen WM- Perspektiven bedeuten könnte.

Hans Wrage (SSV Heilsberg): »Nach dem Ausfall von Simon Rolfes ist der Ausfall von Michael Ballack mit Sicherheit ein harter Schlag für den defensiven Mittelfeldbereich der Nationalmannschaft. Ob man einen anderen Spieler mit den vorgesehenen Aufgaben von Ballack betreuen oder das System umstellen wird, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Momentan bin ich ganz froh, nicht Nationaltrainer zu sein. Im übrigen denke ich, im Kader für Südafrika sind genügend gute Fußballer, um dies zu kompensieren. Denn aus der Not eine Tugend zu machen, ist bei den Großen wie bei uns Kleinen auch eine Chance. Mit einer neuen Taktik, die sowohl in mehr Offensive als auch einer kompakteren Defensive sich ausdrücken kann, kann man unberechenbarer für die Gegner sein.«

»Frings - ausgeschlossen«

Klaus Nährig (Blau-Gelb Friedberg): »Dies ist eine Schwächung für die gesamte Mannschaft. Dennoch sollte man bedenken, dass unsere Nationalmannschaft auch ohne Michael Ballack gute Spiele abgeliefert hat. Eine Mannschaft lebt nicht nur von einem Spieler, auch wenn es der Spielführer ist. Jogi Löw wird mit Sicherheit eine Lösung finden, damit das Leistungsniveau der Truppe nicht gemindert wird.

An eine Systemänderung glaube ich nicht. Eher erwarte ich eine Nachnominierung, wobei ich Torsten Frings ausschließe. Jogi Löw hat in der Vergangenheit schon immer mit Überraschungen aufgewartet, die sich unter dem Strich als richtig erwiesen haben.«

»Pure Absicht«

Benjamin Bindewald (dauerverletzter Spielertrainer des SV Steinfurth): »Als ich die Situation gesehen habe, musste ich sofort an meine Knieverletzung denken, die mich so lange zum Pausieren zwingt. Ich habe das Spiel gesehen und glaube, das Foul an Ballack war pure Absicht von Kevin-Prince Boateng. Für die deutsche Nationalmannschaft ist das ganz bitter, dass sie ihr Aushängeschild verloren hat. Die Chancen sind aber nicht geringer geworden, denn es gibt immer Jüngere, die auf dem Sprung sind und neue Impulse setzen können.«

»War mir nie sympathisch«

Egon Antmansky (Aufstiegstrainer Traiser FC): »Für mich ist das kein großer Verlust, zumal mir Ballack nie sehr sympathisch war. Ich glaube, dass er auch von seiner Leistung her überbewertet wird, sonst wäre er ja Stammspieler beim FC Chelsea. Ich denke, dass jetzt Kroos oder Müller auf dieser Position spielen, und defensiv ist die Nationalmannschaft sowieso stark genug.«

Rainer Dreut (Kreisfußballwart): »Bei allem Pech für Michael Ballack, aber als Profi muss man mit Verletzungen dieser Art immer rechnen. Wer ihn ersetzen könnte, vermag ich nicht zu beurteilen. Dafür haben wir einen Bundestrainer. Es sollte jedoch ein jüngerer Spieler mit Perspektive sein. Davon abgesehen: Fußball ist ein Mannschaftssport. Ob mit oder ohne Michael Ballack: Als Favorit auf den WM-Titel sehe ich unsere Mannschaft ohnehin nicht«.

Andreas Pfaff (Trainer FV Bad Vilbel): »Dass Kevin-Prince Boateng, der Ballack foulte, quasi ungestraft davon gekommen ist, kann ich nicht nachvollziehen, und ich möchte auch nicht in Boatengs Haut stecken. Ihm droht das reinste Spießrutenlaufen. Für die Nationalmannschaft ist Michael Ballacks Pech natürlich ein Riesenverlust. Bremens Özil oder Bastian Schweinsteiger, der mit Bayern München eine überragende Saison gespielt hat, müssen jetzt im Mittelfeld mehr Verantwortung übernehmen«.

Peter Rübenach (Team-Betreuer KSV Klein-Karben): »Stuttgarts Khedira und Bastian Schweinsteiger sind nach Ballacks Ausfall auf der Position sechs für mich die sinnvollsten Alternativen. Dass ohne den Kapitän die deutschen Chancen auf eine erfolgreiche WM sinken, ist für mich allerdings ebenso klar. Ballack war teamintern absoluter Führungsspieler. Ihn ohne Substanzverlust zu ersetzen, ist kaum möglich«.

Oliver Hoffmann (Trainer SV Gronau): »Jeder Spieler ist ersetzbar, auch Michael Ballack. Und ehrlich gesagt: Ein Ballack-Fan bin ich gewiss nicht. Mit seiner Art, Fußball zu spielen, konnte ich mich nie anfreunden. Die kollektive Stärke der deutschen Mannschaft sollte eigentlich keinen Schaden nehmen. Weil sie gezwungen sind, mehr Verantwortung zu tragen, könnte Michael Ballacks Fehlen für die jungen Spieler vielleicht sogar von Vorteil sein«.

»Schweinsteiger und Khedira - das klappt«

Thorsten Brennemann (Trainer VfB Friedberg): »Qualitativ gesehen ist es natürlich ein Verlust. Aber es darf nicht als Alibi gelten, falls es bei der WM nicht rund läuft. Bastian Schweinsteiger ist dann mehr gefordert, zusammen mit Khedira im Mittelfeld kann das super klappen. Schweini hat einen guten Reifeprozess hingelegt, und Khedira gehört die Zukunft. Ballacks Ausfall kann also kompensiert werden. Jedoch nicht durch Frings - seine Zeit ist vorbei. Das Foul von Boateng war meiner Meinung nach eine klare Rote Karte.«

»Seine Erfahrung wird fehlen«

Kai Möller (Spielertrainer TSG Ober-Wöllstadt): »Ballacks Erfahrung wird natürlich bei der WM fehlen, er kann junge Leute führen. Es ist aber kein großer Nachteil. Jetzt müssen eben Jüngere ran - ich finde es sowieso gut, dass Löw viele junge Spieler nominiert hat. Schweinsteiger und Khedira als Doppel-Sechs - damit kann Deutschland international bestehen. Für Ballack ist es natürlich schade, weil es wahrscheinlich seine letzte WM gewesen wäre.«

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