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Noah Pölitz ist mit 69 Toren der mit Abstand beste Torjäger der Kreisliga B Friedberg, Gruppe 2. Nun sucht er höherklassig nach neuen Herausforderungen.

69 Tore in 30 Spielen

Jung, direkt, torhungrig sucht: B-Liga-Scharfschütze Noah Pölitz will neue Herausforderung

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Viele Tore und Ergebnisse jenseits von normalen Fußballer-Kategorien sind in der Kreisliga B nicht (mehr) ungewöhnlich. Doch die fast 70 Tore, die alleine Noah Pölitz vom SSV Heilsberg in der am Wochenende gerade beendeten Saison erzielt hat, sieht man so trotzdem nicht alle Tage. Genau diese wecken nun allerdings Begehrlichkeiten.

Erste Saison bei den Senioren, 69 Tore in 30 Spielen: Noah Pölitz hat beim SSV Heilsberg das gefeiert, was man wohl einen perfekten Einstand nennt. Doch damit nicht genug: Der gerade einmal 18 Jahre alt Goalgetter, der in der vergangenen Spielzeit auch noch hätte bei den A-Junioren kicken können, in Gino Wirth seinen ärgsten Verfolger in der Torjägerliste als Sturmpartner hat. Woran liegt das? Wieso ist der SSV Heilsberg dennoch trotz all den Treffern nicht unter den ersten beiden Teams in der Fußball-Kreisliga B Friedberg, Gruppe 2, zu finden? Und wie geht es für Pölitz nach der Saison weiter? Wir haben ihn beim Interview zum Saisonausklang gefragt.

Herr Pölitz, in der ersten Saison bei den Senioren gleich mal 69 Tore zu schießen ist enorm. Haben Sie damit gerechnet?

Noah Pölitz:Naja, ich habe mir vor der Saison schon durschnittlich zwei Tore pro Spiel vorgenommen und wollte auch Torschützenkönig werden. Bereits in der vergangenen Saison hatte ich in meinem ersten A-Jugend-Jahr 73 Treffer auf dem Konto. Vor dem letzten Spiel bei der SG Bruchenbrücken/Kaichen II wusste ich, die 70-Tore-Marke zu knacken wird nicht leicht, aber Gino Wirth und ich haben unser Ziel, gemeinsam über 100 Tore zu schießen bereits vorher schon erreicht gehabt.

Fotostrecke: SSV Heilsberg feiert Kantersieg bei Pölitz-Gala gegen SG Bruchenbrücken/Kaichen II

 © Nici Merz
 © Nici Merz
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 © Nici Merz
 © Nici Merz
 © Nici Merz

Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen ihnen als jungem Spieler und einem erfahrenen Goalgetter wie Gino Wirth?

Pölitz:Gino spielt ganz vorn in der Spitze, ich komme eher über die Außenbahn oder agiere hinter ihm als hängende Spitze oder Zehner - meine Lieblingsposition. Ich komme also eher über die Schnelligkeit, bin eher klein und nicht besonders kopfballstark. Gino ist erfahren, er ist ein Strafraumstürmer mit einem Torinstinkt. Wir haben uns auf diese Weise gut ergänzt. Ich mag das Spiel schnell und direkt, weshalb ich ihm nicht nur einmal auch den Ball vorgelegt habe.

Wenn Sie bereits in der Vergangenheit so erfolgreich als Fußballer waren. Wieso spielen Sie dann in Heilsberg in der B-Liga?

Pölitz:Ich hatte zuletzt bei der SG Rosenhöhe Offenbach B-Jugend-Hessenliga gespielt, ehe ich zurück zu meinem Heimatverein nach Heilsberg bin, um mich mehr auf die Schule zu konzentrieren. Dieses Jahr hätte ich eigentlich noch A-Jugend spielen können, aber ich wollte den Schritt zu den Senioren machen. In Heilsberg habe ich zwischen meinem sechsten und meinem zehnten Lebensjahr schon gespielt. Hier fühle ich mich wohl, hier kenne ich mich aus. Es war allerdings klar, dass die B-Liga nicht meinem Niveau entspricht, zumal ich in der Jugend nie unterhalb der Gruppenliga gespielt habe. Aber das war für mich nie ein Problem.

Wenn Sie in der Jugend höherklassig gekickt, war da der Profifußball je Thema?

Pölitz:Natürlich gab es früher immer mal Angebote, auch von Nachwuchsleistungszentren, und der Traum vom Profifußballer war immer mal da. Aber mir war eigentlich schon relativ früh klar, dass daraus nichts wird. Deshalb habe ich mich irgendwann vor allem mehr um die Schule gekümmert. Ich möchte jetzt nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr machen oder gleich anfangen zu studieren, irgendetwas mit Sport am besten. Man muss irgendwann in diesem Punkt einfach realistisch werden.

Bei fast 70 Toren kann man sich am Ende einer Spielzeit sicher nicht mehr an jeden einzelnen Treffer erinnern. Ist Ihnen dennoch ein Tor in Erinnerung geblieben?

Pölitz:Ja, in der Tat. Ich habe gleich im zweiten Saisonspiel ein richtig cooles Tor gegen Kloppenheim gemacht. Wir lagen eigentlich schon mit drei Toren vorn, haben in der 88. Minute aber plötzlich doch noch den Ausgleich bekommen. In der Schlussminute habe ich dann das 4:3 mit einem direkten Freistoß geschossen. Es war ein schönes Tor, das besonders für uns als Mannschaft ein sehr cooles Erlebnis war. Es war mit Blick auf die weitere Saison wichtig, dort drei Punkte zu holen. Leider habe ich es nicht geschafft, die Mannschaft in der Folge zur Meisterschaft oder wenigstens auf den Relegationsplatz zu holen. Das nagt ehrlich gesagt etwas an mir.

War denn der Aufstieg in die Kreisliga A Friedberg je ein Thema in Heilsberg?

Pölitz:Zu Beginn der Saison nicht. Die Mannschaft war in der Runde zuvor gerade so nicht abgestiegen, dann kamen fünf A-Jugendliche dazu und Vieles war neu. Wir wollten oben mitspielen. Dass es für so weit oben reicht, haben wir erst im Laufe der Saison gesehen. Wir hatten früh das Kloppenheim-Spiel, die zu diesem Zeitpunkt ebenfalls einer der Favoriten waren, und haben dann mit einem Unentschieden gegen den späteren Meister Ilbenstadt weitergemacht. Irgendwann wollten wir dann auch aufsteigen. Es ist schade, dass das nicht geklappt hat.

Woran ist der Aufstieg gescheitert?

Pölitz:Wir haben im Rückspiel gegen Rendel im entscheidenden Spiel zu nervös gespielt, uns hat schlicht die Erfahrung gefehlt. Das hat man einfach gemerkt, zumal beim Gegner gleich mehrere erfahrene Leute dabei waren. Wir waren erst nach der Halbzeit richtig im Spiel, haben dann aber eine Rote Karte bekommen und uns zu früh aufgegeben, auch wenn es noch einmal eng wurde.

Werden Sie nach dem Misserfolg in Heilsberg bleiben?

Pölitz:Ich habe jetzt mein Abitur gemacht und möchte noch einmal höherklassig spielen. Das habe ich dem Verein und dem Team frühzeitig mitgeteilt und alle haben dafür auch Verständnis. Ich habe teilweise Angebote aus der Verbandsliga vorliegen, wobei ich mich frage, ob dieser Sprung nicht etwas zu groß ist. Es sieht daher alles danach aus, als wenn ich im Fußballkreis Friedberg bleibe und mich vielleicht in der Kreisoberliga versuche. Das bedeutet aber auch, dass ich den Heilsberg schweren Herzens verlassen muss. Das tut mir leid und macht es für mich nicht leicht, da ich an der Mannschaft sehr hänge, aber andererseits will ich noch andere Erfahrungen sammeln und meine Grenzen austesten. Aber man sieht sich immer zweimal im Leben - und vielleicht passiert das ja schneller als die Jungs und ich jetzt denken.

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