Aufruhr nach Gewalt auf dem Platz

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(fnp/fr/op). Bei einem C-Liga-Spiel des FSV Münster gegen den TV Semd im Kreis Darmstadt-Dieburg hat am Sonntag ein FSV-Fußballer nach einer Gelb-Roten Karte den Schiedsrichter mit einem Faustschlag niedergestreckt. Dieser wurde ohnmächtig und musste mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht werden, die Partie wurde abgebrochen. Die Szene wurde gefilmt und verbreitete sich in Windeseile in den sozialen Netzwerken. "Er wird noch ein paar Tage im Krankenhaus bleiben müssen", sagte der Kreisschiedsrichterobmann des Odenwaldkreises, Thorsten Schenk. "Wir hoffen, dass er keine Folgeschäden davonträgt und die Geschehnisse irgendwann hinter sich lassen kann."

Der Hessische Fußballverband (HFV) reagierte bestürzt. "Wir sind schockiert über diesen neuerlichen Vorfall körperlicher Gewalt gegen unsere Schiedsrichter. Leider reißen die Meldungen von verbaler und körperlicher Gewalt gegen Schiedsrichter in jüngster Zeit nicht ab", erklärte HFV-Präsident Stefan Reuß. "Wir werden diese Auswüchse an Gewalt nicht tolerieren, sondern mit aller Härte und allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln sportgerichtlich dagegen vorgehen."

Gerd Schugard, der Vorsitzende des Verbandsschiedsrichterausschusses in Hessen, macht sich derweil Sorgen um das Schiedsrichterwesen. "Wie sollen wir das nur jungen Leuten schmackhaft machen nach solchen Vorfällen?", fragt er sich. "Solche Vorfälle als Einzelfälle zu sehen, hilft nicht weiter."

In Berlin wurden am vergangenen Wochenende nach der Ankündigung eines Schiedsrichterstreiks alle Spiele abgesagt, nachdem zuvor 53 Übergriffe auf Unparteiische registriert wurden. Im Saarland streikten die Schiedsrichter Mitte September nach einem Übergriff auf einen Kollegen. In Frankfurt legten die Unparteiischen im April vergangenen Jahres die Pfeifen nieder. Einen neuerlichen Streik in Hessen wird es (vorerst) nicht geben, sagte Schugard: "Wir denken nicht an einen Generalstreik. Die Problematik in Berlin hat noch andere Ausmaße. Statistisch gesehen ist die Anzahl der tätlichen Angriffe auf Schiedsrichter bei uns in Hessen sogar rückläufig."

Unterstützung und einen besseren Umgang mit den Schiedsrichtern fordern er und Schenk dennoch: "Viele Floskeln sind nach Angriffen auf Schiedsrichter immer wieder zu hören, davon allein ändert sich aber nichts", sagt Schenk. Er sieht vor allem ein gesellschaftliches Problem. "Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen", sagt er.

Die Polizei hat inzwischen gegen den 28-jährigen Schläger Ermittlungen wegen Körperverletzung aufgenommen. Vor dem Sportgericht droht ihm für eine Tätlichkeit gegen einen Schiedsrichter in einem besonders schweren Fall eine Sperre von bis zu drei Jahren. Der Verein hat inzwischen seine Mannschaft aus dem Spielbetrieb zurückgezogen und den 28-Jährigen aus dem Verein ausgeschlossen. "Mit Hausverbot und allem drum und dran. Wenn wir als Verein eine Geldstrafe bekommen, werden wir uns das von diesem Spieler zurückholen", sagte der Vorsitzende Peter Samoschkoff.

Auch im Kreis Gießen gab es am Wochenende Ärger: Dem Verbandsligisten FC Turabdin/Babylon aus Pohlheim-Holzheim droht eine Spielsperre nach Vorkommnissen gegen den Schiedsrichter infolge der 2:3-Niederlage gegen den SV Bauerbach am Sonntag, wie Klassenleiter Jörg Wolf (Cölbe) bestätigte. Wegen des laufenden Verfahrens gab Wolf keine Details bekannt, sondern sagte lediglich: "Hier könnte eine schwere Nummer auf den Verein zukommen."

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