Torhüter Daniel Baatz steht mit Regionaligist 1. FC Saarbrücken im Halbfinale des DFB-Pokals. Ob sie die Chance auf den Finaleinzug bekommen, ist aber fraglich. FOTO: DPA
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Torhüter Daniel Baatz steht mit Regionaligist 1. FC Saarbrücken im Halbfinale des DFB-Pokals. Ob sie die Chance auf den Finaleinzug bekommen, ist aber fraglich. FOTO: DPA

"Auf gar keinen Fall einen Abbruch"

  • vonred Redaktion
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(sid). Eine riesige Jubeltraube auf dem Rasen, Ekstase auf den Rängen und ein ganzes Bundesland im Freudentaumel. So lange ist das alles noch gar nicht her mit dem Fußball-Märchen des 1. FC Saarbrücken. Doch nur sechs Wochen nach dem historischen Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf ist der Rausch längst verflogen. Die Coronakrise hat auch den ersten Regionalligisten im Halbfinale des DFB-Pokals knallhart ausgebremst.

"Wir waren in völliger Euphorie. Innerhalb von sieben Tagen ist dann die Unterbrechung gekommen, das hat eine Euphoriebremse mit sich gebracht", sagt Sportdirektor Marcus Mann. Eigentlich sollte das Fußball-Märchen des Tabellenführers der Regionalliga Südwest und Ligakonkurrent von Kickers Offenbach, FSV Frankfurt und FC Gießen in dieser Woche gegen Bayer Leverkusen seinen nächsten Höhepunkt erreichen. Doch die Coronakrise lässt die Spieler um ihr "Spiel des Lebens" zittern.

"Wir wollen auf keinen Fall einen Abbruch", sagt Mann entschlossen: "Wir hoffen und tun alles dafür, dass wir spielen können - egal wie." Trainer Lukas Kwasniok gibt sich optimistisch: "Unterm Strich bin ich überzeugt davon, dass das Pokal-Halbfinale und dann auch das Finale stattfinden werden", sagte der 38-Jährige, um mit einem Augenzwinkern hinzuzufügen: "Wir hoffen auf noch zwei Pokalspiele."

Dieses Unterfangen dürfte noch schwerer als ohnehin werden, muss das Bundesliga-Gründungsmitglied nach dem Verbot von Großveranstaltungen doch auf die Unterstützung seiner Fans verzichten. "Das keine Zuschauer dabei sein werden, ist tragisch", sagte Kwasniok: "Aber wenn wir das Finale erreichen, wird in 30, 40, 50 Jahren kein Mensch mehr über die fehlenden Zuschauer sprechen, sondern über die Tatsache, dass wir das Spiel gewonnen haben und auch nach Berlin fahren durften."

Auf dem Weg ins Finale müssen die Saarländer, die auch Jahn Regensburg, den 1. FC Köln und den Karlsruher SC ausgeschaltet hatten, allerdings mit einem klaren Wettbewerbsnachteil kämpfen. Während Bayer zumindest in Kleingruppen wieder auf dem Platz trainieren kann, fehlt dem FCS noch immer die Genehmigung der saarländischen Behörden. "Jeder, der einmal Fußball gespielt hat, weiß, dass ein Mannschaftstraining oder ein Training auf dem Platz nicht mit einem Lauf im Wald zu vergleichen sind. Es macht nachher einen Unterschied, ob ich drei Wochen auf dem Platz war oder wie Leverkusen schon seit 1. April", erklärt Mann. Doch es droht sogar eine noch größere Hypothek für den Underdog. Er muss wohl ohne jedes Pflichtspiel in das "Highlightspiel" (Kwasniok) gegen Leverkusen starten, schließlich ist ein Abbruch der Regionalliga im Gegensatz zu einem vorzeitigen Ende der Bundesliga wahrscheinlich. Auch der bei sechs Punkten Vorsprung sehr nahe Aufstieg in die 3. Liga steht plötzlich auf wackligen Füßen.

Doch während sportlich sowohl im Pokal als auch in der Liga blanke Unsicherheit herrscht, kann der FCS dank der Pokaleinnahmen von 5,4 Millionen Euro zumindest finanziell noch recht gelassen durch die Coronakrise marschieren. "Kurzfristig haben die Pokaleinnahmen sicher verhindert, dass wir in existenzielle Probleme geraten", sagt Mann: "Wir sind dadurch von einem anderen Niveau in diese Coronakrise hineingeschlittert. Aber auch uns tut das weh. Über kurz oder lang werden wir auch unsere Probleme bekommen." Ein Pokal-Halbfinale als bundesweite Bühne könnte da sicher Abhilfe schaffen.

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