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»Auf dem Eis gibt’s keine Freunde«

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(mn) Patrick Strauch ist »hei? und natürlich – durch und durch Sportler eben – auch »ganz zuversichlich, dass wir gewinnen werden«. Drei Jahre lang, von 2009 bis zu diesem Sommer, hatte der 32-Jährige das Trikot der Eislöwen Dresden getragen, war dann zusammen mit Harry Lange aus der Sachsen-Metropole in die Wetterau gewechselt.

Nun freut er sich, beim Eishockey-Oberligisten EC Bad Nauheim unter Vertrag stehend, auf das Wiedersehen mit vielen ehemaligen Zweitliga-Teamkollegen im DEB-Pokal-Achtelfinale am Mittwoch (19.30 Uhr, Colonel-Knight-Stadion). »Wir müssen aggressiv auftreten, die Checks zu Ende fahren und unseren Heimvorteil nutzen«, sagt Strauch, der sich mit den Roten Teufeln über eine gelungene Generalprobe in der Meisterschaftsrunde freuen konnte. Am Sonntag gewann die Mannschaft von Frank Carnevale in Duisburg, bei einem der Top-Vier-Klubs der West-Gruppe, mit 5:2.

Natürlich werde im Vorfeld der Partie ein wenig geflachst, sagt Strauch, der noch Kontakte nach Dresden zum einen oder anderen Mitspieler pflegt. »Während der 60 Minuten auf dem Eis gibt’s allerdings keine Freunde.«

In Bad Nauheim wird positiv auf die Pokal-Runden im Vorjahr geblickt. Dem Sieg gegen den Süd-Oberligisten Selb war die Überraschung gegen den Zweitligisten Weißwasser gefolgt, ehe dann im Viertelfinale gegen Bremerhaven die Träume platzen sollten. Damals wie heute im Trikot der Gäste-Mannschaft: Carsten Gosdeck. Der mittlerweile 33-jährige Ex-Teufel hält nach wie vor den Kontakt in die Wetterau und gehörte im Sommer dem Kreis potenzieller Neuzugänge an.

Gosdeck wählte allerdings den Weg von der Nordseeküste in die Sachsen-Metropole, wo Thomas Popiesch die sportlichen Belange lenkt. Gemeinsam hatten beide in Essen gespielt, später wurde Gosdeck in Weißwasser von Popiesch gecoacht.

Die Eislöwen Dresden absolvieren die erste Saisonphase unter erschwerten Bedingungen. Die Heimspielstätte, die EnergieVerbund Arena, steht nach einem Dachschaden aus der letzten Spielzeit erst ab der kommenden Woche zur Verfügung. Die Eislöwen haben in den ersten fünf Meisterschaftswochen nur Auswärtsspiele absolviert. Die Bilanz: ein Sieg und vier Niederlagen; zuletzt unterlagen die Blau-Weißen am Sonntag mit 0:3 beim SC Bietigheim/Bissingen. Leistungsträger sind der Finne Sami Kaartinen, der Kanadier Patrick Jarrett (beide Angreifer) oder auch dessen Landsmann Kellen Briggs (Torwart) sowie Ex-DEL-Spieler Hugo Boisvert, der inzwischen das Ausländerkontingent nicht mehr belastet. Den klangvollsten Namen trägt aber Jan Benda.

Der 40-jährige Weltenbummler kommt unter anderem auf annähernd 100 Länderspiele (neun WM-Teilnahmen, drei Nominierungen Olympischer Spiele), neun Einsätze in der NHL (Washington), spielte in Finnland, seiner Heimat Tschechien und in der KHL, der höchsten russischen Liga.

»Wir wollen in die zweite Liga, und eine solche Mannschaft wird uns zeigen, wo wir stehen. Das ist eine Herausforderung und bereitet sicher mehr Spaß als ein 10:1 gegen einen Drittligisten«, sagt RT-Trainer Frank Carnevale. Taktisch bleibt er – wie auch nicht anders zu erwarten – seiner Linie treu. »Wir spielen unser Spiel, unseren Stil. Der Gegner soll sich nach uns richten«, sagt der Coach, setzt auf hohe Laufbereitschaft, Enthusiasmus und Engagement und ist damit bei Strauch genau an der richtigen Adresse: »Er ist mein Krieger«, hatte der Trainer seine Verpflichtung aus Dresden kürzlich im WZ-Gespräch bezeichnet. »Die Verteidigung ist in meinen Augen die Schwachstelle. Wir müssen Druck ausüben und eben auch mal eines dieser dreckigen Tore schießen«, sagt Strauch, der die Roten Teufel auf einem guten Weg sieht. »Wir sind noch steigerungsfähig. Der Kader ist top zusammengestellt. Ich bin guter Dinge für die weitere Saison«, sagt er.

Ein Comeback von Mathias Baldys (er hat in der Vorwoche das Training wieder aufgenommen) erscheint zur morgigen Partie denkbar, pausieren muss möglicherweise Verteidiger Mike Schreiber, der sich schon in Duisburg grippekrank durch die Partie gequält hatte. Unterstützung erwarten die Roten Teufel (mal wieder) aus Mannheim. Die Differenzen, die durch Carnevale-Äußerungen entstanden waren, seien ausgeräumt, sagt RT-Geschäftsführer Andreas Ortwein. Schon in Duisburg hätten zwei Förderlizenzspieler die Roten Teufel verstärken sollen, doch während der eine (Lennart Palausch) krankheitsbedingt am Morgen absagen musste, war der andere (Dominik Tiffels) aufgrund einer Sperre vom DNL-Spiel am Samstag nicht spielberechtigt. »Mannheim und wir sind nach wie vor an einer fruchtbaren Zusammenarbeit interessiert«, sagt Ortwein, der – sofern keine krankheitsbedingten Ausfälle dazwischenkommen – mit zwei Akteuren aus der Kurpfalz rechnet.

Gerechnet und spekuliert wurde seitens der Roten Teufel bereits am Freitag: Wie lange könne und wolle man auf die Gäste aus Ratingen warten, die entgegen aller Verkehrsnachrichen in die Vollsperrung auf der A45 gefahren waren. 75 Minuten nach dem eigentlichen Eröffnungsbully ist die Partie abgesagt worden, da die Sperrung noch immer nicht aufgehoben war. Gegen 1 Uhr nachts sind die Ice Aliens schließlich wieder an ihrer Eishalle vorgefahren. Die reinen Ausgaben angesichts des Spielausfalls (Eis-, Schiedsrichter- und Personalkosten sowie VIP-Bewirtung) belaufen sich für die Roten Teufel auf rund 2500 Euro.

Am Freitagnachmittag war die Meldung vom ersten Trainerwechsel der Saison durchgesickert. In Neuwied haben sich die Bären und Bernd Arnold »einvernehmlich«, wie es so schön heißt, getrennt. Zwei der ersten vier Spiele, nämlich gegen Frankfurt und Bad Nauheim, hatte der Aufsteiger zweistellig verloren. Nach WZ-Informationen liegen die Gründe für die Trennung aber nicht (nur) in den sportlichen Resultaten. Unter Co-Trainer Arno Lörsch sollte sich die Pleiten-Serie fortsetzen. Einem 4:16 in Essen war am Sonntag ein 3:11 gegen Königsborn gefolgt.

DEB-Pokal, Achtelfinale, Mittwoch: Bad Nauheim - Dresden, Weißwasser - Bietigheim/Bissingen, Duisburg - Peiting, Schweinfurt - Rosenheim (alle 19.30 Uhr), Ravensburg - Heilbronn, Deggendorf - Schwenningen, Riessersee - Kaufbeuren (alle 20 Uhr).

Dienstag, 6. November: Landshut - Bremerhaven (20 Uhr).

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