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Anna Wehrheim: Neue Heimat, alte Freunde

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Anna Wehrheim zählt zu den größten Eiskunstlauf-Talenten in Deutschland. Die deutschen Nachwuchsmeisterin aus Rosbach bereitet sich nun auf den Wechsel zu den Senioren vor.

Sie wohnen seit Anfang Februar in Mannheim und trainierem am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar. Wie ist Ihre Zeit dort bislang verlaufen?

Anna Wehrheim: Es war zunächst ungewohnt, dass ich fast durchgehend auf dem Eis stehen konnte und nur im Mai pausieren musste. Außerdem läuft das Training ganz anders als früher ab. Anders als in den vergangenen Jahren war ich in diesem Jahr in keinem Trainingslager, sondern habe mein komplettes Training vor Ort absolviert. Ich habe viel im athletischen Bereich gearbeitet und mit meinem Trainer einige neue Schritte einstudiert. Er war in diesem Jahr für einen Monat in Los Angeles und hat seine Erfahrungen in das tägliche Training einfließen lassen. Das war richtig cool! Ärgerlich war, dass ich Anfang Juli eine mehrwöchige Pause einlegen musste, weil ich mir einen Riss im Hüftmuskel zugezogen hatte. Mit meinen Leistungen in diesem Jahr bin ich sehr zufrieden. Beim Westfalenpokal in Dortmund und beim Eisemann-Pokal in Stuttgart habe ich gewonnen, und beim Großen Berliner Bär bin ich auf Platz zwei gelandet. Leider sind mir nach einem sehr guten Kurzprogramm in der Kür Fehler passiert, die nicht hätten sein müssen.

Inwiefern hat sich Ihr Training seit dem Umzug verändert?

Wehrheim: Ich trainiere in Mannheim wesentlich öfter und intensiver als in Bad Nauheim. Früher kam ich pro Woche auf sechs Einheiten zu je einer Stunde. Heute habe ich täglich zwei Stunden Eis- und oft zusätzlich Balletttraining. Hinzu kommen Einheiten im athletischen Bereich. Nach dem Training bin ich häufig so müde, dass ich sofort schlafen könnte, muss dann aber noch Schulaufgaben machen. Da ich nur zwei Minuten von der Halle entfernt wohne, bin ich zumindest schnell im Training. Es fällt mir manchmal echt schwer, alles unter einen Hut zu bekommen. Denn neben dem Training und Schulaufgaben stehen auch Dinge wie Einkaufen, Wäsche waschen und vieles mehr auf dem Programm. Als ich noch zu Hause gewohnt habe, wurden mir viele Sachen abgenommen. Heute bin ich häufig komplett auf mich allein gestellt, bekomme aber Unterstützung von meiner Großmutter und meinen Eltern, die mich am Wochenende oft in Mannheim besuchen.

In welchen Bereichen haben Sie sich als Eiskunstläuferin weiterentwickelt?

Wehrheim: Ich bin wesentlich stabiler als vor einem Jahr und kann nun meine Pirouetten viel schneller drehen. Außerdem hat sich mein Ausdruck beim Laufen verbessert, und ich bin fitter geworden.

Wie viel Freizeit haben Sie, und was machen Sie dann?

Wehrheim: Eigentlich habe ich nur an Sonntagen Zeit für andere Dinge. Allzu viel mache ich dann aber nicht. Meistens bin ich zu Hause, kümmere mich um die Hausarbeit oder lerne für die Schule. Letzten Sonntag war ich mit meinen Trainingspartnern auf dem Weihnachtsmarkt. Das war wichtig, um mal auf andere Gedanken zu kommen.

Wie wohl fühlen Sie sich in Mannheim?

Wehrheim: So gut kenne ich die Stadt noch nicht, da ich die meiste Zeit in der Eishalle bin. Es gefällt mir sehr gut, dass man in der Stadt in kurzer Zeit fast überall hinkommen kann. In meinem Trainingsteam wurde ich sehr herzlich aufgenommen, und auch in der Schule gibt es keinerlei Probleme. Mittlerweile habe ich sogar eine Klassenkameradin, mit der ich zusammen trainiere. In der Schule ist es im Vergleich zu früher (Wehrheim besuchte bis Ende Januar die Sankt-Lioba-Schule in Bad Nauheim, Anm. d. Red.) eher anonym, da man so schnell natürlich keinen neuen Freundeskreis aufbauen kann. Ich bin auch deshalb sehr froh, dass der Kontakt zu meinen alten Freunden nicht abgebrochen ist. Erst am vergangenen Wochenende war ich auf einer Geburtstagsfeier in Rosbach. Ich versuche, alle drei Wochen nach Hause zu fahren.

Welche Ziele haben Sie sich für das kommende Jahr gesetzt?

Wehrheim: Ich habe mir keine konkreten Ziele gesetzt, sondern möchte bei allen Wettkämpfen bestmöglich abschneiden. Zu den Höhepunkten werden wieder die deutschen Meisterschaften im Januar zählen, bei denen ich fehlerfrei laufen will. Wenn mir das gelingen sollte, dann bin ich schon zufrieden. Ansonsten geht es für mich im kommenden Jahr vor allem darum, meine Sprünge weiter zu stabilisieren. Im Hinblick auf den Wechsel in den Seniorenbereich in zwei Jahren ist das sehr wichtig. Denn die Kür dauert bei den Senioren länger und wird außerdem härter bewertet.

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