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Zwei Spielabbrüche nach tätlichen Angriffen auf Schiedsrichter gab es in der vergangenen Saison im Sportkreis Friedberg, eine weitere Attacke ereignete sich nach dem Schlusspfiff. (Symbolfoto: dpa)

DFB-Studie

Angriffe auf Fußballschiedsrichter nehmen weiter zu - drei Fälle im Kreis Friedberg in der vergangenen Saison

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Die Gewalt gegen Schiedsrichter - egal ob verbal oder körperlich - nimmt auf deutschen Fußballplätzen weiter zu - auch im Fußballkreis Friedberg. Nun fordert der Kreisschiedsrichterobmann ein härteres Vorgehen.

Die zunehmenden Klagen von Schiedsrichtern über verbale und körperliche Angriffe spiegeln sich nun auch in Zahlen wider. In der abgelaufenen Saison kam es zu 2906 Angriffen auf Unparteiische im Amateurfußball, teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Dienstag in Frankfurt mit. In der Spielzeit davor waren es 2866 bei 50 000 mehr ausgetragenen Spielen. Bei insgesamt rund 1,5 Millionen Spielen in der vergangenen Runde - alle Zahlen beziehen sich auf Spiele von der Regionalliga abwärts, auch bei Frauen und in der Jugend - mussten laut der Statistik also 0,05 Prozent der Spiele abgebrochen werden.

Drei Fälle von Attacken gegen Schiedsrichter in der vergangenen Saison

Im Fußballkreis Friedberg gab es in der vergangenen Saison drei dokumentierte Fälle im regulären Spielbetrieb. Einmal in der Kreisliga B, Gruppe 1, bei der Partie FSG Wisselsheim gegen Blau-Weiß Espa. Der Schiedsrichter der Partie zeigte einem Spieler die Gelb-Rote Karte, daraufhin wurde er von diesem attackiert. Die Folge: Der Unparteiische brach die Partie ab, der Täter bekam eine Sperre über fünf Spiele.

In derselben Klasse wurde die Partie zwischen dem SV Hoch-Weisel II und der TSG Wölfersheim ebenfalls vom Schiedsrichter abgebrochen, nachdem ein Wölfersheimer offenbar absichtlich den Schiedsrichter aus kurzer Distanz abgeschossen hatte. Die Strafe für den Übeltäter: 14 Spiele Sperre.

Das soll gemeldet werden

Als Gewalthandlung werden Vorkommnisse gemeldet, bei denen ein Beschuldigter einen Geschädigten körperlich angreift – beispielsweise durch Schlagen, Treten oder Spucken. Auch Versuche sind zu melden. Eine Diskriminierung liegt vor, wenn die Menschenwürde einer Person oder Gruppe verletzt wird. Dieser Fall liegt vor, wenn eine Person oder Gruppe durch eine herabwürdigende Äußerung, Geste oder Handlung in Bezug auf die Hautfarbe, Sprache, Herkunft, Religion, sexuelle Identität, das Geschlecht oder Alter in der Würde verletzt wird. (Quelle: dfb.de)

Der jüngste Fall ereignete sich im C-Liga-Spiel zwischen der SG Kloppenheim/Rendel II und der SG Rodheim II. Dass der 13-jährige Referee angegriffen wurde, zählt offiziell nicht in diese Statistik, da sich die Attacke nach Abpfiff ereignete und das Spiel nicht abgebrochen wurde. Fälle wie dieser, aber auch die "schwammige Erfassung", wie Kreisschiedsrichterobmann René Filges sagt, lassen die Statistik besser aussehen, als sie wirklich ist. "Es kommt immer darauf an, was ein Schiedsrichter als Beleidigung oder Diskriminierung empfindet und ob er es im Spielbericht vermerkt", sagt Filges. Die Hemmschwelle sei in den vergangenen Jahren niedriger geworden, auch was die Toleranz bei Schiedsrichtern angeht, die dann eben im Bericht bei der Frage nach tätlichen Angriffen oder Diskriminierungen "Nein" ankreuzen würden. Laut DFB handele es sich bei den meisten nicht-gemeldeten Spielen um Paarungen im Bambini- bzw. Juniorenbereich.

Auch ohne einen Spielabbruch gibt es immer wieder Attacken gegen Unparteiische

Pro Jahr schätzt Filges die Zahl von Angriffen gegenüber Schiedsrichtern aus dem Fußballkreis Friedberg, die auch in anderen Kreisen eingesetzt werden, auf fünf bis zehn Fälle - nicht immer verbunden mit einem Spielabbruch. Die Entwicklung ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, da sind sich alle Beteiligten einig. Dennoch fehlt Filges eine abschreckende Wirkung, um den Trend zu stoppen: "Wer Schiedsrichter attackiert, gehört nicht auf den Sportplatz und sollte auch keinen Fußball mehr spielen dürfen. Da wünsche ich mir, dass die Verbände und Vereine durchgreifen und diese Spieler rausschmeißen", sagt er.

Laut der eigenen Mitteilung führt der DFB aktuell "eine bundesweite Umfrage der Schiedsrichterobleute durch, um besser zu verstehen, wie man Schiedsrichter gerade in den unteren Klassen noch besser schützen kann. "Schließlich sollen die Unparteiischen motiviert werden, ihrem Hobby treu zu bleiben und gleichzeitig Nachwuchs für die Schiedsrichterei begeistert werden. Denn bei einer Freizeitaktivität der Gefahr ausgesetzt zu sein, tätlich angegriffen zu werden, ist keine Werbung für den Job. Bei Filges ist die Umfrage des DFB allerdings noch nicht angekommen.

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