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2019 passierten Jan Frodeno und Co. noch die Straßen von Petterweil. Dieses Jahr berührt die Radstrecke Altenstadt, Stammheim und Kaichen.

Ironman Frankfurt

Andere Strecke, keine Fans, Probleme bei WM-Start: Darum ist der Ironman Frankfurt in diesem Jahr anders

  • VonTanja Weber
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Die Ironman-EM steigt nach dem Ausfall im Vorjahr am Sonntag wieder in Frankfurt. Die Wetterau ist erneut Teil der Radstrecke. Dennoch ist im Umfeld einiges anders als sonst.

Nun steht für Freunde der Langdistanz im Triathlon endlich wieder die Ironman-EM in Frankfurt an. Keine Änderungen gibt es bei der 3,8 Kilometer langen Schwimmstrecke im Langener Waldsee. Der Startschuss am See fällt ab 6.25 Uhr am Sonntagmorgen mit dem Profifeld der Männer. Ab 6.30 Uhr folgen die Altersklassenathleten. Ab 6.15 Uhr überträgt der HR. Livestreams gibt’s bei hessenschau.de und Youtube bis 15 Uhr.

Unverändert ist auch der Lauf am Main entlang mit der Finishline über den roten Teppich am Römerberg. gleichgeblieben ist auch die Qualifikationsmöglichkeit für die Weltmeisterschaften auf Hawaii, allerdings ist diese Chance mit einem großen Fragezeichen versehen.

Nicht gleich geblieben ist so einiges, was der Pandemie geschuldet ist: Die Profifrauen starten nicht in Frankfurt, sondern kämpfen am Samstag im finnländischen Tahko um den EM-Titel.

Die Radstrecke führt, um Hotspots zu vermeiden, größtenteils an den Städten vorbei. Der Heartbreak Hill in Bad Vilbel wird außen vor gelassen. Friedberg, Karben und Rodheim sind in diesem Jahr nicht dabei, da manche Teile der ursprünglichen Strecke durch Bauarbeiten auf der B3 nicht einsetzbar sind. Die Strecke überquert in Frankfurt den Main über die Alte Brücke. Dann führt sie entgegen dem Uhrzeigersinn nach Osten, auf der B521 an Nidderau vorbei. Lediglich Altenstadt, Stammheim, wo der nördliche Wendepunkt ist, und Kaichen werden in der Wetterau berührt. Zwei Runden sind zu fahren mit insgesamt 1600 Höhenmetern und 184 Kilometern.

»Ich freue mich, wenn der Startschuss am Sonntag fällt und die Athleten bei Sonnenaufgang im See schwimmen«, sagte Frankfurts Sportdezernent Markus Frank am Donnerstag auf der Pressekonferenz. Maurice Clavel (Freiburg), einer der Favoriten, stimmte ein: »Ich freue mich darauf, bei meinem ersten Frankfurt-Start zu performen.«

Musik und jubelnde Sambagruppen werden dieses Mal allerdings auch an der Laufstrecke fehlen. Der Veranstalter gibt vor, Zuschauer sollen von zu Hause aus das Rennen im Fernsehen verfolgen. An den Waldsee und in den Zielbereich dürfen maximal drei Angehörige pro Athlet. Diese müssen sich vorher registrieren, dabei gilt das 3G-Konzept.

»Meine Familie wird in Bad Nauheim bleiben und mein Rennen am TV bzw. im Live-Timing verfolgen«, sagt Henrik Apel (Triathlon Wetterau). »Mir macht es auch nichts aus, dass es keine Zuschauer-Hotspots geben wird, aber für diejenigen, die zum ersten Mal dabei sind, gehen emotionale Erlebnisse verloren.«

Neu ist außerdem: In Frankfurt gibt es in diesem Jahr 100 Slots für die Ironman-WM am 9. Oktober, 25 mehr als zuvor. Angesichts der fast halbierten Starterzahl von 1500 steigen damit die Chancen, nach den Sternen am Triathlonhimmel zu greifen: einer Teilnahme am Ironman Hawaii.

Mehr WM-Plätze - geringere Chancen für Europäer

Allerdings gibt’s dafür nicht nur sportliche Hindernisse für die Qualifizierten aus Europa. »Bis zum 25. August muss man sich entscheiden, ob man den Slot annimmt und damit die 1050 US-Dollar Startgeld zuzüglich Steuern und Gebühren zahlt«, sagt Nadine Schmidt. Die Zollbeamtin aus Butzbach hatte sich im Juli auf Lanzarote mit einem zweiten Platz der W35 direkt für die WM qualifiziert - und den Platz nicht angenommen: Stand heute ist eine Einreise in die USA Pandemie-bedingt aus touristischen Zwecken nicht möglich. Aufgrund einer Proklamation des Präsidenten dürfen ausländische Bürger, außer Daueraufenthaltsberechtigte, nicht in die Staaten einreisen, wenn sie sich unter anderem in den 26 Ländern des Schengen-Raums aufgehalten haben. Dazu gehört auch Deutschland.

»Mir war das zu ungewiss«, bedauert Schmidt. »Ich hätte das Startgeld bezahlt und bei nicht möglicher Einreise keine Chance auf Rückerstattung oder Verschiebung des Startplatzes auf 2022 oder ein anderes Ironman-Rennen gehabt.« Nur 175 US-Dollar können dem Athleten erstattet werden.

»Das direkte EU-Einreiseverbot kann theoretisch mit einem vorherigen 14-tägigen Aufenthalt in Drittländern umgangen werden«, sagt Apel. »Ich denke schon, dass in Frankfurt die Slots weggehen werden. Wenn es keine Athleten aus Ländern des Schengen-Abkommens sind, dann beispielsweise US-Bürger, die extra zum Rennen kommen.«

Möglicherweise werden dann die Weltmeisterschaften eher zu nordamerikanischen Titelkämpfen. Zudem kursieren Gerüchte, dass Touristen, die mit in den USA zugelassenen Impfstoffen geimpft sind, doch einreisen dürfen. Wann das aber sein wird, weiß keiner. Auch das Gerücht einer Ausnahmegenehmigung zur Einreise für Amateursportler kursiert bei Instagram, wird allerdings bisher nicht vom Veranstalter bestätigt.

»Damit verlieren die Weltmeisterschaften in diesem Jahr ihre Wertigkeit als Rennen der Superlative«, sagt Schmidt. »Wenn beispielsweise in der AK 40 die ersten zehn Platzierten aus Europa kommen und den Platz nicht annehmen, somit ein 30. oder 40. Platz vielleicht noch einen der 16 Slots wahrnimmt, was ist das dann noch für eine WM?« Ironman sei eben ein Wirtschaftsunternehmen, dass derzeit die Slots vergibt, um Liquidität zu generieren.

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