Melinda Goczo aus Budapest steuert das entscheidende Remis zum Sieg der Schachfreunde Friedberg bei.	(pv)
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Melinda Goczo aus Budapest steuert das entscheidende Remis zum Sieg der Schachfreunde Friedberg bei. (pv)

Mit Analysesoftware zum Titel?

(kun) Sieg, Niederlage und zwei Eklats: In Deizisau haben die Schachfreunde Friedberg in der Frauen-Bundesliga den dritten Tabellenplatz verteidigen können. Mit 3,5:2,5 wurde Gastgeber Deizisau bezwungen.

Beim 2:4 gegen den Serienmeister aus Baden-Baden gab es für die Friedbergerinnen dagegen nichts zu holen. »Wir gehen zufrieden in die Sommerpause«, sagt Vorstandsmitglied Martin Herwig-Päutz.

Überschattet wurde das Saisonfinale von gleich zwei Eklats: Bei der parallel laufenden Begegnung zwischen dem alten Deutschen Meister OSG Baden-Baden und dem erwarteten neuen Meister SC Bad Königshofen lief auf dem Laptop des Bad Königshofener Mannschaftsführers nicht nur die im Internet angebotene Liveübertragung aller Partien mit, sondern auch eine auf dem Computer installierte Analysesoftware.

»Die Nutzung eines solchen Programms ist natürlich strengstens verboten. Offenbar hatte der Bad Königshofener Mannschaftsführer, der wegen des völligen Desinteresses des Deutschen Schachbundes für ordentliche Spielbedingungen zu sorgen auch noch Leiter der Frauen-Bundesligen ist, dieses Programm gar nicht selbst angeschaltet, sondern wohl einer der Betreuer. Ebenfalls ist nicht erwiesen, ob eine Spielerin in irgendeiner Form davon profitiert hat. Hier müssen nun erst einmal die schriftlichen Zeugenaussagen gesammelt werden. Trotz allem ist dies ein Verstoß gegen die Turnierordnung und könnte statt dem 3,5:2,5 für Bad Königshofen durchaus am Grünen Tisch ein 6:0 für Baden-Baden zur Folge haben.

Ein solcher Protest, der noch an Ort und Stelle vom Baden-Badener Mannschaftsführer angekündigt wurde, dauert Wochen, wenn nicht sogar Monate. Bis dahin vermuten wir jetzt erst einmal Bad Königshofen als neuen Deutschen Meister«, beurteilt Herwig-Päutz mit Unverständnis die Ereignisse rund um das Saisonfinale.

Aus sportlicher Sicht konnten Deimante Daulyte und Lili Toth für Friedberg gegen die gastgebenden Schwaben punkten, während Melanie Ohme, Elena Levushkina und Melinda Goczo jeweils Unentschieden zum Sieg der Kreisstädterinnen beisteuerten. »Melinda hat ihre Partie nicht ausgereizt, obwohl sie sicher auch noch zu gewinnen war, sicherte dann aber mit ihrem Remis mannschaftsdienlich den zum Sieg benötigten halben Punkt«, zeigte sich Herwig-Päutz alles in allem zufrieden mit der Leistung seines Schützlings.

Am Sonntag trafen die Friedbergerinnen dann auf Serienmeister OSG Baden-Baden. Melanie Ohme, zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Nachtzug in Richtung ihres Studienortes in Holland unterwegs, wurde durch die Mannschaftsführerin des Friedberger Regionalliga-Teams, Franziska Prüfert, ersetzt. Zwar konnte man den amtierenden Deutschen Meister Baden-Baden damit überraschen, am Ende hieß es aber dennoch 4:2 für Baden-Baden. Die beiden Friedberger Punkte verbuchte Deimante Daulyte gegen die litauische Nationalmannschaftskollegin Viktorija Cmilyte, während Melinda Goczo und Lyubka Genova in ihren Partien remisierten. »Der zweite große Skandal aus meiner Sicht ist, dass es seit Jahren nicht einmal Medaillen für die zweit- und drittplatzierten Teams gibt. Nicht einmal ein Verbandsvertreter ist zum Spielort Deizisau gereist, um die Pokalübergabe durchzuführen. Das ist eine unglaublich große Enttäuschung«, richtete Herwig-Päutz deutliche Kritik in Richtung des Schachverbands.

Ein wahres Drama spielte sich derweil am Tabellenende ab. Deutschlands größter Schachverein, der Hamburger SK, kämpfte bereits die gesamte Saison über mit Problemen, die ihn trotz ihrer drei Nationalspielerinnen Michna, Hoolt und Fuchs unnötig in den Abstiegsstrudel brachten. Sportlich waren die Hansestädter nach einer 2:4-Niederlage gegen Rodewisch bereits abgestiegen, wenn nicht zeitgleich der Reisepartner Lehrte mit 3,5:2,5 überraschend gegen Leipzig gewonnen hätte. Für die Teams aus Leipzig, Lehrte und Mainz bedeutete dies den Abstieg in der 2. Bundesliga.

Der Endstand (Match- / Brettpunkte)

1. Bad Königshofen 22 53

2. OSG Baden-Baden 20 47,5

3. SF Friedberg 15 34

4. Rodewischer SM 14 40,5

5. USV Halle 13 35,5

6. SK Großlehna 11 34,5

7. Mühlheim Nord 9 32

8. SF Deizisau 9 30,5

9. Hamburger SK 8 33

10. Leipzig 7 24,5

11. SK Lehrte 4 14

12. TSV Mainz 0 17

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