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Der Spielbetrieb im Amateurfußball ruht. In einer Online-Seminar-Reihe bereitet der hessische Verband seine Klubs derzeit auf einen Restart vor.

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Amateurfussball: So soll der Restart gelingen

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Tag X! Der Hessische Fußball-Verband will seine Klubs angesichts der Herausforderungen auf einen Restart der Saison 2020/21 vorbereiten; auch wenn ein Zeitpunkt aktuell nicht abzusehen ist.

Das Online-Seminar »Trotz Corona sicher durch die kalte Jahreszeit« soll helfen, Pandemie-Gefahren rund um den Spielbetrieb zu erkennen, individuelle Konzepte zu erstellen und die Akzeptanz von Hygienekonzepten zu fördern. Wir haben am digitalen Kurs des Fußballkreises Büdingen unter der Leitung von Vereinsserviceassistent Ulrich Trumpfheller teilgenommen. Die größte Gefahr - das wurde während des zweistündigen Workshops deutlich - lauert neben dem Spielfeld.

Im Kreis Friedberg wird der Workshop nicht angeboten. Nach Auskunft des stellvertretenden Kreisfußballwarts Lars Osadnik habe man die Klubs gebeten, aufgrund freier Kapazitäten, die Angebote der Nachbarkreise wahrzunehmen.

Die Anfahrt

Das Thema Anfahrt zum Training und Spiel sei vor allem im Jugendbereich ein wichtiges. »Fahrgemeinschaften sind problematisch«, sagt Ulrich Trumpfheller. »Ich muss mir die Frage stellen: Begebe ich mich in das Risiko, drei Leute mitzunehmen?« Das muss natürlich zunächst die Verordnungslage erlauben. Wenn dann doch eine oder mehrere Personen, die nicht aus dem eigenen Haushalt stammen, mitgenommen werden, »sind Masken ein absolutes Muss. Und es muss gelüftet werden, was bei fünf Grad problematisch sein kann.« Lüften solle man diagonal. Also entweder vorne links und hinten rechts die Fenster öffnen oder umgekehrt.

Wichtig sei die Desinfektion der Hände beim Betreten des Sportplatzes. »Bei niedrigen Temperaturen hält sich das Virus beispielsweise auf Türklinken bis zu sechs Stunden.«

Die Kabine

Hotspot Kabine? So lautet die Überschrift. Die klare Antwort von Ullrich Trumpfheller: »Natürlich ist die Kabine ein möglicher Hotspot.« Mit seinen Ratschlägen beginnt er aber bereits vor den Umkleideräumen. So sollte es auf dem Sportplatz im Idealfall einen abgegrenzten Bereich für Spieler und Trainer geben. Diesen dürfen keine Begleitpersonen betreten, denn sie haben einen eigenen Bereich, in dem sie sich je nach Verordnungslage in Kleingruppen, aber mit Mund-Nasenschutz aufhalten dürfen. So soll eine Vermischung von Aktiven und Zuschauern vermieden werden.

Die Spieler sollten idealerweise an einer Art Counter von einem Vereinsverantwortlichen empfangen werden. Dort soll der Name in eine Liste eingetragen und dem Akteur ein Platz in der Kabine zugewiesen werden. Die Spieler sollten beim Training oder den Partien immer denselben Platz - und damit dieselben Sitznachbarn - haben. Wenn es zwei Kabinen für ein Team gibt, sollte hier die Besetzung stets beibehalten und nicht gemischt werden.

»In der Kabine ist das regelmäßige Lüften ein Muss«, sagt Trumpfheller. Als HFV-Service-Assistent hätte er im vergangenen Jahr schon Vereine beraten, die Kabinen ohne Fenster hatten. »Die können dann nicht genutzt werden.« Es müssen andere Lösungen gefunden werden. »Es gibt keine Denkverbote«, sagt der Seminarleiter. In einem dieser Fälle hätte es einen Lagerraum mit Fenstern gegeben. So wurden kurzerhand die Funktionen der beiden Räume getauscht.

Die Spieler müssen bis zum Betreten des Platzes den Mund-Nasenschutz tragen. Gespräche und Aufenthaltsdauer in der Kabine sollen auf ein Minimum beschränkt werden. »Die Gespräche über Privates oder das letzte Spiel müssen nicht in der Kabine geführt werden. Hier soll sich nur umgezogen werden«, sagt Trumpfheller. Es soll auch geprüft werden, ob die Teambesprechung vor dem Spiel in einem größeren Raum oder draußen stattfinden kann.

In den Umkleideräumen soll konsequent der Abstand von 1,5 Meter eingehalten werden - im besten Fall sollen die Sitzplätze markiert sein. »Wir wollen ja nicht jedem Spieler einen Zollstock geben«, sagt Trumpfheller schmunzelnd. In den Duschen gebe es gesonderte Regelungen. Hier muss auf den Abstand und besonders auf das Desinfizieren der Duschköpfe geachtet werden.

In jeder Kabine sollte es zudem einen Spieler geben, der auf die Einhaltung der Regeln achtet. Schließlich gebe es Momente, in denen die Mannschaft auch mal ohne Trainer unter sich ist.

Auf dem Platz

Bei den Übungseinheiten biete es sich an, neben dem Feld Schilder mit einlaminierten Zahlen im Abstand von mindestens 1,5 Metern auszulegen. Diese entsprechen den Rückennummern der Spieler. Die Akteure sollen hier beispielsweise ihre Trinkflaschen ablegen. Außerdem dient dieser Bereich als Depot für Mund-/Nasenschutz des jeweiligen Akteurs. Wichtig für das Training: Die Leibchen sollten nicht getauscht werden. Wenn ein infizierter Spieler dabei ist, könnte es beim Austausch zu einer weiteren Ansteckung kommen. Eine Frage, die häufig auftrete, sei die, ob ein Spieler von einem Trainer oder Betreuer bei einer Verletzung behandelt werden darf. »Natürlich müssen und dürfen Spieler behandelt werden«, sagt Trumpfheller: »Allerdings sollten Betreuer eine Maske aufsetzen.«

Im Spiel sei die Gefahr einer Infektion gering. Bei der nicht mutierten Version des Virus wird davon ausgegangen, dass dafür der Kontakt zweier Personen unter 1,5 Meter Abstand 15 Minuten benötigen muss. Studien hätten ergeben, dass zwei Spieler sich in diesem Abstand in einem Spiel höchstens acht Minuten begegnen.

Die Gefahr sei dafür neben dem Platz größer. »Die meisten Verstöße gibt es auf der Ersatzbank«, sagt Trumpfheller. Hier käme es häufig vor, dass Spieler ohne Maske und im zu engen Abstand zusammensäßen. Und das länger als 15 Minuten. Ein weiteres Problem sei die Halbzeitpause. Hier befürchtet Trumpfheller, dass in der kalten Jahreszeit meist die Kabine aufgesucht wird. Besser wäre es, das nicht zu tun. Hierfür gibt er Ratschläge: Vor dem Spiel mit dem Schiedsrichter und Gegner sprechen, ob die Halbzeit auf zehn Minuten verkürzt wird. Diese Zeit könnten die Spieler draußen verbringen, ohne abzukühlen. Ansonsten die Pause im geschützten Bereich verbringen. Wenn es doch in die Kabine geht, »sollte bei Spielern darauf geachtet werden, dass sie nicht direkt nach einem Vollsprint hechelnd hineingehen«, sagt Trumpfheller. Sein Tipp: »Kurz draußen bleiben, bis der Puls unten ist und man nicht keuchend die Aerosole noch mehr verteilt.« Natürlich gilt in der Kabine Masken- und Abstands-Pflicht.

Die dritte Halbzeit

Gerade nach dem Spiel, bei der sogenannten dritten Halbzeit im Sportlerheim, müssen laut Ulrich Trumpfheller viele Dinge beachtet werden. Je nach Verordnungslage kann es irgendwann wieder möglich sein, dass die Spieler und Zuschauer nach den Partien sich in geschlossenen Räumen auf dem Sportplatz wieder treffen dürfen »Das macht das Vereinsleben und den Fußball aus, ist aber auch eine große Gefahr.«

Wichtig sei es diese Räumen, häufig zu lüften, Masken bis zu den Sitzplätzen zu tragen - wie in der Gastronomie üblich - und Abstände einzuhalten. Daher rät der HFV, dass es in den Klubhäusern nur Sitzplätze geben soll. So kann die zulässige Personenzahl beser kontrolliert werden. »Ich kann noch so viele Bereiche auf dem Boden kennzeichnen. Eine Einhaltung wird sich zunehmend schwerer durchsetzen lassen.«

Das Sportrecht

Sportrechtliche Sanktionen bei Nicht-Einhaltung der Hygiene-Vorschriften seien - das sagt Seminarleiter Ulrich Trumpfheller - durch den Verband aktuell nicht möglich. So habe eine Gast-Mannschaft derzeit noch keine Möglichkeit, ein Spiel zu verweigern. »Da müsste man ja die Sportgerichtsbarkeit unmittelbar vor Ort haben, um die Gegebenheiten prüfen zu können. Momentan bleibt nur die Möglichkeit, Missstände an den Schiedsrichter und den Klassenleiter zu melden. Vielleicht lässt sich eine Passus in die Spielordnung einbauen.«

Thematisiert wurde auch der Umgang mit Zuschauern, die eine Einhaltung von Abstands- und Masken-Vorschriften verweigern. »Nicht nur im Klub, sondern in jeder Mannschaft sollte es einen Hygiene-Beauftragte geben, der auf Mitspieler und Fans Einfluss nehmen kann. In letzter Konsequenz bleibt die Möglichkeit, das Hausrecht durchzusetzen«, sagt Trumpfheller. MKO/MN

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