Wann darf wieder normal Fußball gespielt werden? Die hessischen Vereine und Verbände warten auf das "Go" aus der Politik.
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Wann darf wieder normal Fußball gespielt werden? Die hessischen Vereine und Verbände warten auf das "Go" aus der Politik.

Coronavirus-Krise

Amateurfußball: Schwieriger Kampf zurück ins Spielgeschehen

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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In anderen Bundesländern wird schon wieder wie gewohnt trainiert und sogar gespielt. In Hessen warten die Fußballer noch auf ein Signal aus der Politik. Der Druck auf die Verantwortlichen steigt.

Es ist eine Situation, die man vor allem an den Rändern Hessens kaum einem vermitteln kann: Während hierzulande nur im Modus "Fünf-gegen-fünf" mit Vollkontakt trainiert werden kann, sind die meisten Nachbarbundesländer schon weiter, lassen einen weitgehend normalen Trainingsbetrieb und sogar Freundschaftsspiele unter der Anwesenheit von Zuschauern zu. In der vergangenen Woche hat zudem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in seinem 20-seitigen Konzept "Zurück ins Spiel" Wege aufgezeigt, mit denen - auch dank wissenschaftlicher Expertise - der Re-Start im bundesdeutschen Amateurfußball gelingen soll. Doch die Hürden sind hoch, die Regeln streng. Was steht genau drin und wie reagieren Vereine und Funktionäre vor Ort? Ein Stimmungsbild.

DFB-Hygienekonzept sieht drei Zonen am Sportplatz vor

Die Regeln:Grundsätzlich sollen die aus dem Alltag bekannten Hygieneregeln eingehalten werden: Ein Mindestabstand von 1,5 Meter außerhalb des Feldes - in Spielpausen sogar auch auf dem Platz. Keine Umarmung und kein Händedruck zur Begrüßung. Die Husten- und Nies-Etikette muss ebenfalls beachtet werden. Auf dem Spielfeld soll nicht gespuckt und sich nicht die Nase geputzt werden. Und natürlich: So oft wie möglich Hände waschen und desinfizieren. Die Vereine müssen genügend Möglichkeiten dafür anbieten. Außerdem dürfen nur Spieler an Training oder Partien teilnehmen, die in einem "symptomfreien Gesundheitszustand" sind. Personen mit Symptomen dürfen die Sportanlage erst nicht betreten. Es gilt auch für das Training weiterhin eine strenge Informations- und Dokumentationspflicht für alle Anwesenden.

Die Zonen:Der DFB empfiehlt den Klubs darüber hinaus, den Sportplatz in drei Zonen einzuteilen. Die erste Zone ist das Spielfeld und die Umrandung. Hier dürfen sich nur Spieler, Trainer, Funktionsteams, Schiedsrichter, Sanitäts- und Ordnungsdienst, Hygienebeauftragte sowie Medienvertreter aufhalten. Die zweite Zone ist der Umkleidebereich. Diese dürfen betreten: Spieler, Trainer, Funktionsteams, Schiedsrichter und Hygienebeauftragte. Hier gilt die Abstandsregel oder das Tragen von Mund- und Nasenschutz. Die Aufenthaltsdauer soll auf ein "notwendiges Minimum" beschränkt werden. Die dritte Zone ist der Publikumsbereich. Das ist der frei zugängliche Bereich der Sportstätte. Dieser darf nur über einen oder mehrere offizielle Eingänge betreten werden. Die Besucher müssen namentlich erfasst werden, die Gesamtpersonenzahl stets bekannt sein. Weitere Vorgaben sind: Trennung von Ein- und Ausgängen, markierte Spuren der Wege, Abstandsmarkierungen auf den Rängen und in der Gastronomie.

DFB: Individuelle Lösungen nach den Gegebenheiten vor Ort kreieren

Hilfestellung:Hilfe gibt es etwa vom Hessischen Fußball-Verband (HFV): Der schenkt allen Klubs ein "Es-geht-wieder-los-Paket", u. a. mit Handdesinfektionsspender inklusive 500 ml Desinfektionsmittel sowie Plakaten mit Hygieneempfehlungen. Auch für den Fall von steigenden Infektionszahlen in einer Region sieht das DFB-Papier einen Drei-Stufenplan vor, mit denen einzelne oder alle Maßnahmen entsprechend verschärft werden können, um das Ansteckungsrisiko beim Fußball weiter gering zu halten. Auf DFB.de gibt es außerdem Trainingstipps für Senioren- und Jugendmannschaften aller Alters- und Leistungsklassen - für Trainer und Spieler.

Individuelle Lösungen:Dem DFB ist nach eigenen Angaben bewusst, dass Vereine aufgrund der unterschiedlichen Sportstätten in manchen Punkten in Abstimmung mit den lokalen Behörden individuelle Lösungen finden müssen, empfiehlt sogar die Konzepte genehmigen zu lassen - und stellt auch eine entsprechende Vorlage zur Verfügung. Zu den wichtigsten Punkten gehören die Organisation des Ein- und Ausgangsbereichs, der Wegeführung und Zuschauerplatzierung, der Gastronomie, der Reinigungsvorgänge, der Teambesprechung vor dem Spiel und die der Umkleide- und Dusch-Abläufen.

Skepsis bei Vereinen und dem Wetterauer Kreisfußballwart

Die Reaktionen I:Auch wenn sich Jens Paetzold, Sportlicher Leiter und Trainer von Kreisoberligist FC Ober-Rosbach "freut, dass es endlich wieder losgeht", ist er auch skeptisch, was die hohen Auflagen in puncto Hygiene angehen: "Mir ist noch nicht klar, wie wir das alles bewerkstelligen sollen und können. Das ist alles in allem eine riesige Aufgabe, die da auf uns zukommt. Zudem sind für mich viele Fragen noch offen", sagt er. Er fühle sich hier auch ein Stück weit von den Verbänden alleine gelassen und müsse sich andererseits auch auf die Eigenverantwortung von Spielern, Betreuern und auch Zuschauern verlassen. Das Fazit bislang: "Ich bin noch sehr skeptisch." Eine eigens für diese Thematik anberaumte Vorstandssitzung soll nun mehr Klarheit bringen.

Die Reaktionen II:Friedbergs Kreisfußballwart Thorsten Bastian (Rockenberg) hat zwar Verständnis für den Verdruss über den "Flickenteppich" in Fußballdeutschland, aber "das ist eben das föderale System". Er stellt klar: Bis 16. August gelten weiterhin die Bestimmungen, mit maximal zehn Personen Fußball spielen zu dürfen - im Training, Freundschaftsspiele o.ä. sind ausgeschlossen: "Das war und ist eine politische Entscheidung", sagt er. In Sachen DFB-Konzept ist er mit Blick auf seine Amateure zwiegespalten: "Das wird sicherlich den einen oder anderen kleinen Verein in Sachen Manpower an seine Grenzen bringen, aber es ist andererseits die Grundvoraussetzung, dass überhaupt wieder Fußball gespielt werden kann."

Hessischer Fußballverband appelliert mit Rundschreiben an seine Mitglieder

Der Druck:Gießens Kreisfußballwart Henry Mohr kann es offenbar gar nicht erwarten, bis es wieder losgeht. Am Freitagvormittag verschickte er eine E-Mail, in der es u.a heißt: "Neben Hessen kann in Bayern, Hamburg und Schleswig-Holstein noch kein Fußball gespielt werden. Alle anderen Bundesländer lassen den Trainings- und Spielbetrieb wieder zu. An Corona-Neuinfektionen kann es nicht liegen. Die sind weiterhin sehr niedrig. Es fällt uns daher immer schwerer eine Erklärung abzugeben." Diese Mail geht auf HFV-Präsident Stefan Reuß zurück, der in der vergangenen Woche das Thema auch schon an die Landesregierung herangetreten habe - bislang allerdings ohne Ergebnis. In dem Schreiben werden alle Fußballer aufgefordert, auf politische Entscheidungsträger einzuwirken - "im Sinne unseres gemeinsamen Anliegens ›Zurück auf den Platz‹".

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