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Mit alter Marke zu neuer Euphorie

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(mn) Frankfurt Galaxy. Eine einst erfolgreiche Sport-Marke in der Rhein-Main-Region. World League-Titel und Waldstadion. Die sommerliche Massenbewegung der 90er und 2000er Jahre ist Geschichte. Die Gegenwart heißt German Football-League 2. Am Sonntag bestreiten die »Men in purple« das erste Saison-Heimspiel.

Von den »unendlichen Möglichkeiten«, die das Produkt Football biete, ist die Rede. Von »Innovation, Unterhaltung, Rasen-Schach und Leidenschaft«. Die Begeisterung sprudelt in diesen Tagen vor dem Heimspiel gegen Nürnberg (15 Uhr) nur so aus Matthias Mämpel heraus. Der 29-Jährige, für seine unternehmerischen Verdienste kürzlich mit dem Hessischen Gründerpreis ausgezeichnet, »lebt und atmet« den amerikanischen Nationalsport mit dem für den Laien so komplexen Regelwerk. Er, der General Manager des Zweitligisten, hatte den sogenannten Urknall der Galaxy, also das erste Spiel 1991, live gesehen, zählte zu den durchschnittlich 30 000 Zuschauern, die die Heimspiele im Stadtwald als Party initiieren und wurde mit dem Football-Virus infiziert. Die Fäden wurden in dieser Zeit in Nordamerika gezogen. Die World League of American Football, die später als National Football League (NFL) Europe firmierte, war eine Ausbildungsliga der großen NFL, die ihren Talenten Spielpraxis verschaffte. Ehemalige Fußball-Profis wie Manfred Burgsmüller (Düsseldorf) oder Axel Kruse (Berlin) sorgten einst für Farbtupfer als Kicker im Kader.

Und heute? Wie viel Galaxy steckt denn heute noch im Standort Frankfurt? Oder dient die Marke einzig als Türöffner auf der Suche nach Unterstützern? »Wir wissen um die Erwartungshaltung, den dieser Name mit sich bringt, und wir wollen Spirit und Kurs aus der Vergangenheit weiterführen. Wir können uns nicht mit der Galaxy von einst vergleichen, aber wir können im Rahmen unserer Möglichkeiten ein gutes Angebot unterbreiten und unser Produkt auch für Sponsoren attraktiv gestalten«, sagt Männel. Im Vorjahr hatte er den Vorstand des Zweitligisten Frankfurt Universe überzeugt, ihm das Projekt Galaxy anzuvertrauen und den Spielbetrieb des Zweitligisten auszugliedern. »Wir wollen uns zu einer Top-Drei-Mannschaft in Europa entwickeln«, sagt er visionär, stemmt einen 1,2 Millionen-Etat und kalkuliert mit 5000 Zuschauern am Bornheimer Hang, im Stadion des Fußball-Zweitligisten FSV Frankfurt, wo die Galaxy ab dieser Saison die Heimspiele austrägt. Ein Meilenstein in der Entwicklung sei dies, sagt Mämpel. In Ginnheim und Rüsselsheim, wo Universe bislang zu Hause war, hatten in der Spitze 1500 Zuschauer die Spiele ihrer Mannschaft verfolgt. Die neue Heimspielstätte biete wieder ganz andere Möglichkeiten, gerade bezüglich der Power-Party, geradezu untrennbar mit Football im allgemeinen und der Galaxy im speziellen verbunden.

Drei Stunden vor Spielbeginn lockt die Galaxy mit einem Vorprogramm, mit Live-Musik, Bühnenprogramm, Barbeque und einer Pyroshow. »Wir wollen Unterhaltung schaffen, Fans und Werbepartner mit innovationen Ideen überraschen und begeistern«, sagt Mämpel, der mit dem früheren Eishockey-Nationalspieler Michael Bresagk einen ehemaligen Profisportler im Bereich Sponsoring und Organisation in das Projekt eingebunden hat und Erfolg nicht alleine im sportlichen Abschneiden messen will. »Sport ist nicht planbar. Wir wollen Beständigkeit schaffen, unsere Fans über alle sieben Heimspiele begeistern und nicht zur zum Auftakt zu uns holen.«

Mit Markus Grahn (fünffacher German Bowl-, zweifacher Eurobowl- und 2006 World-Bowl-Champion) wurde einer der renomiertesten deutschen Trainer verpflichtet, dem ein Kader mit etlichen europäischen Auswahlspieler unterstellt wurde. Drei - teils deutliche - Siege aus den ersten drei Saisonspielen unterstreichen die Zielsetzung. »Wir wollen uns in jedem Spiel verbessern und mehr herausholen. Im Training kann man üben, das wirkliche Timing kommt jedoch erst über die Spielpraxis«, sagt Grahn, dessen Mannschaft ungewöhnliche 230 Yards pro Partie über das attraktive Passspiel zurückgelegen konnte.

Ingolstadt und Kirchdorf werden als Mitfavoriten auf den Titel genannt.

Die These, dass der Klub sportlich mit Kanonen auf Spatzen schieße, um in seinem dritten Zweitliga-Jahr und der ersten Saison als Galaxy seine Ziele zu realisieren, wischt Grahn vom Tisch. »Im Sport passieren immer wieder Dinge, die sich nicht kontrollieren lassen. Der Gegner kommt nicht nur zur Power-Party zu uns, sondern will gewinnen«, mahnt der Coach davor, die Konkurrenz zu unterschätzen. Der Zweitliga-Meister muss am Ende zudem in einer Relegation mit einem Erstligisten um den letzten Start in der German Football League kämpfen. Zuletzt war der Zweitligist chancenlos. »Das zeigt den Niveau-Unterschied. Darauf müssen wir vorbereitet sein«, sagt Mämpel, der relativiert. »Der Aufstieg ist in diesem Jahr noch kein Muss.« Das ehrgeizige Projekt Frankfurt Galaxy würde er aber gewiss pushen.

Tickets gibt ab 13 Euro (Stehplatz) beziehungsweise 17 Euro (Sitzplatz) unter www.galaxy-frankfurt.de oder an der Tageskasse.

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