Der Saisonstart in der DEL 2 in zwei Monaten ist derzeit noch unsicher. Gleiches gilt für die Frage, ob und wie viele Zuschauer in die Stadien dürfen. Derzeit ist das Bad Nauheimer Colonel-Knight-Stadion für Publikum noch gesperrt. FOTO: CHUC
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Der Saisonstart in der DEL 2 in zwei Monaten ist derzeit noch unsicher. Gleiches gilt für die Frage, ob und wie viele Zuschauer in die Stadien dürfen. Derzeit ist das Bad Nauheimer Colonel-Knight-Stadion für Publikum noch gesperrt. FOTO: CHUC

Alle Klarheiten beseitigt

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Das Profi-Eishockey in Deutschland ist mehr denn je ein Flickenteppich. Während manche Teams schon Testspiele austragen, hat anderswo noch kein Eistraining stattgefunden. Der Saisonstart ist ebenso ungewiss wie die Zukunft der Oberligisten.

Der EHC München hat am Sonntag in Bern ein Testspiel bestritten und es gewonnen, 5:3. Er ist somit der einzige deutsche Club, der aufs Eis gegangen ist, um einen Wettkampf zu bestreiten. Dabei ist der Eishockeykalender gut gefüllt. Die russische KHL hat die Punktspielrunde aufgenommen, finnische, schwedische, dänische, norwegische, österreichische und Schweizer Vereine sind - mit entsprechenden Hygienekonzepten - in der Vorbereitung. Deutschland dagegen: ein Flickenteppich.

Während die Münchner einen Kalender mit Tests gegen den Red-Bull-Markenbruder Salzburg festzurren, haben andere unter den 13 DEL-Konkurrenten des EHC noch nicht einmal mit Eistraining begonnen. Weil der Saisonstart auf 13. November verlegt wurde, sind die Spieler zur Kurzarbeit angemeldet. 90 Prozent Kurzarbeit etwa (ein beliebtes Modell) bedeuten, dass die Cracks nur drei Wochenstunden trainieren dürften.

Beim heimischen Zweitligisten EC Bad Nauheim wird seit Freitag wieder auf Eis trainiert, allerdings auf "freiwilliger Basis", wie es aufgrund der verschiedenen Vertragskonstrukte und -modelle heißt.

Die Unsicherheit ist spürbar, das Eishockey, von Zuschauereinnahmen abhängig, wartet auf Zeichen aus der Politik, was wann möglich sein wird. Man braucht mindestens sechs Wochen Vorlauf, um anzufangen.

Es muss trainiert, die ausländischen Spieler müssen ins Land gebracht werden. Manche ohne Quarantäne (Kanadier), andere mit (US-Amerikaner). DEL-Chef Gernot Tripcke reklamierte, dass der Sport hinter dem Fußball übersehen werde. Sein Beispiel ist: Düsseldorf denke über Großkonzerte mit Zuschauern nach; zu Fans im Sport vernehme man nichts.

Verzweifelt zu Wort melden sich die Vereine aus den Oberligen Süd und Nord. Staatshilfen soll es nur für die beiden höchsten Ligen der Teamsportarten geben, die Oberligen sind die dritten. Aber in einem gemeinsamen Appell verweisen die 25 Vereine aus Deutschland und die Tilburg Trappers aus den Niederlanden, die in der Gruppe Nord mitspielen, unter dem Motto "Hört uns oder verliert uns" auf ihre Lage. "26 Eishockey-Drittligisten stehen vor dem Aus und damit ca. 1400 Mitarbeiter der Vereine vor einer ungewissen beruflichen Zukunft. Ebenso wird der Nachwuchssport mit über 6000 Kindern ein Ende finden, wenn die Interessen und Nöte des Sports politisch weiterhin nicht hinreichend berücksichtigt werden", heißt es. 25 Millionen Euro Gesamtumsatz machen die Clubs.

Mitte Oktober wollen die Oberligen anfangen, die DEL 2 hat sich von Anfang Oktober auf 6. November korrigiert. Sie hat wiederum andere Regelungen als die DEL. Während in der höchsten Liga die Spielerverträge die Bereitschaft zu einer Gehaltsstundung von bis zu 25 Prozent haben müssen, gilt in der zweiten Liga, dass nach Beginn der Corona-Krise abgeschlossene Verträge aufschiebende Wirkung haben. "Sie laufen also erst einen Monat vor Saisonbeginn an", so der Tölzer Franz-David Fritzmeier, der die ambitionierten Frankfurter Löwen managt. Er hat acht solcher Fälle im Kader. "Diese Spieler haben im August und September Geld verloren", sagt er.

Spielerverlust droht

Dem Eishockey droht ein Verlust an Spielern. Spielerberater Klaus Hille prüft für seine Klienten die Option, in andere Ligen zu wechseln. Der Straubinger Torhüter Jeff Zatkoff löste seinen Vertrag auf. Ihm ist die Lage zu unsicher, er sucht einen Managementjob in Nordamerika. Einen Weg, zu spielen, muss die DEL aber finden - sonst müsste sie Regressansprüche ihres Namenssponsors Penny und des TV-Partners Telekom erfüllen.

Allgemein herrscht Unbehagen über den Stillstand. Fritzmeier: "In anderen Ländern hat Eishockey einen höheren kulturellen Wert als bei uns. Sie ziehen davon."

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