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Akzeptierte Quälerei - Rote Teufel im Sommertraining

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(mn) Mittagszeit. Die Temperaturen draußen klettern auf 30 Grad. Drinnen, im Kursraum vom Fitness-Studio San-Fit in Bad Nauheim, dröhnt die Musik (»No easy way out« aus Rocky IV). Matthias Ott lässt hier die Profis vom DEL 2-Klub EC Bad Nauheim im wahrsten Sinne des Wortes nach seiner Pfeife tanzen.

»Dennis, den Rücken gerade!«, »Mehr Tempo, Jungs«, »Auf geht’s: Eine Runde noch.« Bis zu vier Mal wöchentlich bereitet der 32-jährige Fitness-Coach die Roten Teufel auf das erste Eistraining am 18. August in Duisburg vor. »Er quält uns ganz ordentlich. Aber wir schaffen die Basis, um uns auf dem Eis verstärkt auf System, Technik und Scheibenführung konzentrieren zu können«, sagt Alexander Baum, der dienstälteste Spieler im Team.

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»Die Jungs ziehen voll mit. Das eigentlich so verhasste Trockentraining findet mehr und mehr Akzeptanz. Ich denke, gerade als Aufsteiger ist es umso bedeutender, die Grundlagen im Sommer zu schaffen«, sagt Ott, der den Eishockey-Klub aus der Wetterau nun im dritten Jahr betreut. »Die Spieler erkennen, dass sich die Quälerei lohnt und sind aktuell in einer super Verfassung.«

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Einen Zirkel mit zwölf Stationen hat Ott aufgebaut. Neun Spieler kommen an diesem Mittag, Gäste aus anderen Klubs sind bei diesen freiwilligen Einheiten willkommen. RT-Eigengewächs Jan Barta (Moskitos Essen) ist regelmäßig dabei, Marius Pöpel, dessen Abschied aus der Wetterau sich abzeichnet (Zweitliga-Anfragen liegen vor) trainiert mit, und auch Eddy Rinke nutzt die Stippvisite bei seinem letztjährigen Klub, um sich auf die Saison beim DEL-Klub Ingolstadt vorzubereiten. Sollte sich der Deutsch-Lette bei den Panthern als einer von aktuell 14 Stürmern nicht durchsetzen können, scheint per Förderlizenz auch eine Rückkehr in die Wetterau denkbar, zumal der 21-Jährige das Ü23-Kontingent nicht belastet.

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Erstmals im Training: Dennis Reimer. Der 20-jährige Stürmer will sich nach seiner ersten Profi-Saison bei den Hannover Indians nun als Stammspieler in der 2. Bundesliga etablieren. »Ich will natürlich eine größere Rolle spielen und mehr punkten als zuletzt bei den Indians. Ich denke, aus meinem ersten Profi-Jahr habe ich viel gelernt.

« Bislang hat sich der 1,96 Meter große Stürmer mit seinen bulligen 104 Kilogramm individuell nach den Sommerplänen aus dem Vorjahr vorbereitet. »Das hier«, sagt er, »ist wesentlich athletischer. Hier in der Gruppe ist doch viel mehr Zug drin.« In den kommenden Tagen zieht’s Reimer noch nach Garmisch-Partenkirchen ins Camp, Anfang August - so ist’s geplant - kommt der gebürtige Herforder dann wieder nach Bad Nauheim.

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Schon 20 Minuten vor dem Beginn des Zirkeltrainings sind die meisten Spieler im Studio, machen sich auf dem Laufband oder dem Fahrrad warm. Tim May ist einer der ersten, ihm folgen später noch Alexander Baum, Thomas Ower, Daniel Oppolzer und Dennis Schulz, der nominell als Junioren-Torwart über die Stationen Berlin, Rosenheim, Frankfurt, Hannover und Herford zu seinem Heimatverein zurückgekehrt ist und als dritter Keeper natürlich auf eine Bewährungschance im Zweitliga-Kader hofft. Daniel Heinrizi, der als Sportlicher Leiter und Assistenz-Coach auch gerne mal eine Einheit zur Verbesserung der persönlichen Fitness nutzt, muss passen. Eine Arthroskopie zwingt ihn zu einigen Tagen Pause.

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Ott setzt auf das »funktionelle Krafttraining« und »Intervalle«. 30 Sekunden Belastung, zehn Sekunden Pause. Fünf Durchgänge in drei Runden werden an diesem Tag absolviert. Mit geringeren Belastungen verkürzen sich später auch die Pausenzeiten. Ausdauer, Kraft, Technik, Stickhandling und eine Spaß-Einheit mit Fußball, Paintball oder ähnlichem - Ott bringt Abwechslung in den Trainingsalltag, legt großen Wert auf Stabilität und Kräftigung - vor allem im Rumpfbereich. »Gerade beim Eishockey muss das Gesamtbild von oben bis unten stimmig sein: kurzer Antritt, kräftige Muskulatur, um Checks einzustecken oder auszuteilen.«

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Der Erfolg des Drills zeichnet sich unter den verschwitzten Shirts schnell ab. Alleine Daniel Oppolzer hat acht Kilogramm Körpergewicht verloren, wirkt topfit. Das gemeinsame Ziel, die DEL 2 aufzumischen, treibt die Roten Teufel an. »Ich bin schon sehr überrascht, wen wir alles neu verpflichten konnten. Ich denke, wenn wir uns als Mannschaft schnell zusammenfinden, dann ist einiges drin«, glaubt Alex Baum.

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