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Jessica Schmeißer (am Ball) sowie ihre Teamkolleginnen Leonie Nowak (2. v. r.) und Johanna Becker (r.) kämpfen mit ihrer HSG Gedern/Nidda um den erneuten Aufstieg in die 2. Handball-Bundesliga der Frauen.

"Festspielparagraph"

Ärger über die Feiertage bei der HSG Gedern/Nidda

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Sportlich läuft es richtig gut für die HSG Gedern/Nidda. Doch nun sorgt eine Niederlage im letzten Spiel des Jahres gegen die TSG Ketsch II für Schlagzeilen. 

Die Vorweihnachtszeit war für die Verantwortlichen der HSG Gedern/Nidda und der TSG Ketsch II sicher alles andere als geruhsam. Der Grund: Die beiden Vereine überzogen sich auf ihren Homepages und in den sozialen Medien gegenseitig mit Vorwürfen, nachdem die Gäste aus dem Rhein-Neckar Kreis am Samstag vor einer Woche einen 33:23-Auswärtssieg bei Zweitligaabsteiger HSG Gedern/Nidda gefeiert hatten. Dabei hatten die "Junior-Bären", so der Spitzname der zweiten Garde aus Ketsch, allerdings den kompletten Erstliga-Kader zum Einsatz gebracht - damit dieser sich für den Jahresendspurt "warmspielen" konnte und gleichzeitig die "Zweite" noch zwei Zähler gegen den Abstieg sammelte.

HSG Gedern/Nidda: Niederlage unterbricht Erfolgsserie von acht Siegien in Folge

Dies nahmen ihnen die Kontrahentinnen aus dem Wetterauer Ostkreis - obwohl rechtlich erlaubt (siehe Kasten) - allerdings übel, denn die hatten einen Sieg gegen das Mittelfeldteam, wenn nicht unbedingt fest eingeplant, so zumindest auf der Rechnung, zumal das Team nach dem 23:25 im ersten Saisonspiel noch etwas gutzumachen hatte. Nach einem durchwachsenen Saisonstart hatte die HSG vor dem Ketsch-Spiel acht Partien in Folge gewonnen und sich damit in die Spitzengruppe gearbeitet, ein Sieg hätte Rang eins bei einem mehr absolvierten Spiel bedeutet - nun ist das Team "nur" Dritter.

"Wir wussten zwar im Vorfeld schon, dass einige Erstligaspielerinnen mitkommen würden, dass dann aber der komplette Kader in Bundesliga-Trikots und samt kompletten Trainer- und Betreuerstab aufläuft, hat uns dann doch etwas überrascht", sagte Martin Schindler, der Vorsitzende der HSG Gedern/Nidda. "Da kann sich natürlich jeder vorstellen, wie die Stimmung in der Halle und zwischen den beiden Teams war."

HSG Gedern/Nidda: TSG Ketsch II beschwert sich über Pfeifkonzert der Niddaer Zuschauer

Bereits zuvor hatte das Spiel schon unter keinem guten Stern gestanden, denn obwohl die Begegnung bereits im Juli verlegt worden war, war das beim DHB offenbar durchgerutscht, denn es waren keine Schiedsrichter angesetzt. Schließlich wurde ein Gespann aus dem Wiesbadener Raum "nachgeordert", sodass die Partie mit rund eineinhalbstündiger Verspätung angepfiffen wurde - und damit die HSG-Planungen hinsichtlich der im Anschluss vorgesehenen Weihnachtsfeier für den Gesamtverein über den Haufen geworfen wurden. "Das war vonseiten des DHB schon der Hammer", sparte Schindler nicht mit Kritik - zumal Klassenleiter Horst Keppler nach Schindlers Aussage bis heute nicht zu erreichen gewesen war. Auf Nachfrage dieser Zeitung verwies er lediglich auf die Spielordnung sowie die Tatsache, dass keiner der beiden Vereine eine Stellungnahme eingereicht hätten.

Noch einmal richtig Fahrt nahm die Debatte dann im Internet auf, als der Gastverein sich im Spielbericht auf seiner Homepage über das massive Pfeifkonzert der HSG-Fans beschwerte. Adrian Fuladdjusch, Trainer und Geschäftsführer der Kurpfalz Bären, ließ sich mit den Worten zitieren: "Es gibt Regeln, und wer sich an Regeln hält, sollte nicht verurteilt werden. Wir haben, wenn andere Vereine diese Regeln gegen uns angewandt haben, Größe gezeigt und es respektvoll akzeptiert." Das wollte die im Jahr 2000 gegründete Spielgemeinschaft des TV Gedern und des TV Nidda nicht auf sich sitzen lassen: "Regeln sind das eine, Moral und Sportsgeist etwas anderes", schreibt der Verein auf seiner Homepage. "Wir fühlen uns um die faire Chance, ein Spiel zu gewinnen, betrogen. Mit nicht unerheblichen Konsequenzen im Aufstiegskampf."

HSG Gedern/Nidda: Bereits im Hinspiel waren sechs Erstligaspielerinnen aufgelafen

Der "Festspielparagraph"

Der Einsatz einer kompletten Bundesliga-Mannschaft in einem Drittligaspiel wird durch Paragraf 55 der Spielordnung des Deutschen Handballbundes (DHB) möglich. Dort heißt es: "Für Vereine mit mehreren Mannschaften in derselben Altersklasse wird das Spielrecht der Spieler in Meisterschaftsspielen des Vereins in der Weise eingeschränkt, dass ein Spieler nach der Teilnahme an zwei aufeinanderfolgenden Spielen der höheren Mannschaft/en für die niedrigere Mannschaft erst wieder teilnahmeberechtigt wird, wenn zwei weitere aufeinanderfolgende Meisterschaftsspiele der höheren Mannschaft/en ohne ihn ausgetragen worden sind bzw. nach der letzten Teilnahme an einem Meisterschaftsspiel der höheren Mannschaft ein Zeitraum von vier Wochen verstrichen ist." Dies war im Falle der Kurpfalz-Bären bzw. der TSG Ketsch II der Fall. Der Grund: die Spielpause aufgrund der Frauen-Weltmeisterschaft. Der DHB hat im Oktober die Regel angepasst, ab dem neuen Jahr beträgt die Frist sechs Wochen.

Bereits im Hinspiel waren sechs Erstligaspielerinnen eingesetzt worden, die allerdings noch unter die U 23-Regeln fallen. Schindler: "Natürlich haben wir das hingenommen." Die Beiträge sorgten vor allem auf Facebook für entsprechende Debatten zwischen den beiden Fanlagern. Nach den Feiertagen fügt Schindler hinzu: "Bei denen hängt in der Halle ein riesiges Banner mit ›Fairplay‹ darauf - und dann so etwas. Das hat mit sportlicher Fairness nichts mehr zu tun gehabt. Zwar ist im Aufstiegskampf noch nichts entschieden, aber wir dürfen uns nach diesem Nackenschlag jetzt keinen Fehltritt mehr erlauben."

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