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Marco Zinnel (am Ball) und die TG Friedberg befinden sich nach wie vor in der Schwebe zwischen dem Klassenerhalt in der Landesliga Mitte und dem Abstieg in die Bezirksoberliga Gießen.

Kampf um den Klassenerhalt

Abstiegsfrage ungeklärt - TG Friedberg stellt Gnadengesuch beim Handballverband

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Die TG Friedberg will unter allen Umständen in der Handball-Landesliga Mitte bleiben. Doch die Konstellation ist kompliziert. Nun hat der Verein ein Gnadengesuch beim Verband eingereicht.

Handball-Landesligist TG Friedberg hat ein Gnadengesuch beim Hessischen Handballverband (HHV) gestellt. Es geht um den möglichen Abstieg der Friedberger aus der Landesliga Mitte in die Bezirksoberliga Gießen. Nun muss sich das HHV-Präsidium mit dem Schreiben der Wetterauer beschäftigen - wenn bis zum Zeitpunkt der Sitzung nicht ohnehin schon alles entschieden ist.

Worum geht es? Die Friedberger hatten am letzten Spieltag der Saison eine knappe Niederlage gegen die TSF Heuchelheim bezogen und waren auf den zehnten Tabellenplatz abgerutscht. Die spielleitende Stelle hatte den Friedberger allerdings gleich zweimal Rang neun und damit den Klassenerhalt bescheinigt, ehe im dritten Anlauf das Abschlussklassement noch einmal geändert wurde. Der Hintergrund: Aufgrund einer Verkleinerung der 2. Bundesliga werden Vereine von oben nach unten "geschoben". Oberliga-Meister TV Kirchzell durfte nicht direkt in die 3. Liga aufsteigen, die TSG Münster bangt dadurch um den Oberliga-Klassenerhalt, ebenso wie Friedberg in der Landesliga.

TG Friedberg muss sich weiter in Geduld üben - und auf Oberliga-Meister Kirchzell hoffen

Damit heißt es eigentlich Warten für die Friedberger, denn die Aufstiegsspiele zur 3. Liga ziehen sich hin. In sechs Duellen aller zwölf Oberliga-Meister wurden zunächst sechs Aufsteiger ausgespielt. Kirchzell ist nach einem 13:20 und einem 22:22 gegen den TV Hochdorf nicht dabei und spielt nun in einer von zwei Dreiergruppen vier weitere Aufsteiger aus. Am Samstag geht es gegen den HSC Bad Neustadt, die an Himmelfahrt wiederum den MTV Rheinwacht Dinslaken empfangen, ehe Kirchzell am 1. Juni nach Nordrhein-Westfalen reist. Die beiden Erstplatzierten der Gruppe steigen auf, die Drittplatzierten beider Gruppen spielen ebenfalls noch einmal eine Rangfolge aus, falls ein Team die Lizenz für die dritthöchste deutsche Spielklasse nicht bekommen sollte. "Das kann sich im schlimmsten Fall bis nach Pfingsten ziehen", sagt "Uli" Kaffenberger, der Abteilungsleiter der Friedberger. "Es wäre daher für uns hilfreich, wenn Kirchzell bereits das erste Spiel am Samstag gewinnt."

Aber: Die hessischen Vereine haben einen entscheidenden Nachteil im Wettbewerb. Alle anderen Verbände spielen mit Harz, in Hessen ist das verboten. Dies habe man, erklärt Kaffenberger, in den beiden Spielen der Kirchzeller gegen Hochdorf deutlich gesehen. Aus diesem Grund sei über eine Wiedereinführung bereits bei der Vereinsvertretersitzung des Bezirks am vergangenen kontrovers diskutiert worden. "Das ist nur noch in Hessen so, weil die Hallenbetreiber das nicht wollen. Aber woanders kommen sie ja auch damit zurecht, zumal wir mittlerweile mit synthetischem, wasserlöslichem Harz statt mit Baumharz gespielt wird", sagt Kaffenberger. "Man hat bei Kirchzell deutlich gesehen, dass da eine Unsicherheit da war. Selbstverständlichkeiten im Angriff haben nicht funktioniert."

Gnadengesuch als letzten Ausweg - und gegen die Untätigkeit

Um in der Zwischenzeit wenigstens etwas zu tun, hat der Verein aus der Wetterauer Kreisstadt nach Durchsicht der Spielordnung ein zweiseitiges Schreiben an den Verband aufgesetzt, das der WZ vorliegt. Der Inhalt: Die Friedberger berufen sich auf Paragraf 63, das sogenannte Gnadenrecht, und hoffen, dass sie aufgrund der speziellen Situation in der Landesliga bleiben können. Die Argumentation fußt einerseits auf das Chaos durch die unklare Auslegung der Spielordnung samt Abschlusstabelle sowie andererseits auf den Wettbewerbsnachteil des hessischen Oberliga-Meisters in den Aufstiegsspielen. "Ich verspreche mir nicht allzu viel davon, aber wenigstens haben wir nicht tatenlos zugesehen", sagt Kaffenberger. Er hat inzwischen eine Eingangsbestätigung des Schreibens vom HHV mit der Notiz, dass die nächste Präsidiumssitzung am 4. Juni stattfindet. "Im Idealfall ist Kirchzell dann aufgestiegen und das Thema ist vom Tisch."

Unterdessen hätten immerhin alle Spieler zugesagt, auch in der kommenden Saison das Trikot der Friedberger überzustreifen. Einzig Niklas Musch zieht es zur HSG Hanau II. "Wie das am Ende aussieht, wenn wir tatsächlich doch nur Bezirksoberliga spielen sollten, bleibt abzuwarten", sagt Kaffenberger ein. "Nichtsdestotrotz sind wir auch in den Gesprächen mit zwei Neuzugängen weit vorangeschritten. Wir sind, egal in welcher Liga, gut aufgestellt." Trotzdem würden Kaffenberger und Co. nach dem Aufstieg vom vergangenen Jahr gerne ein zweites Jahr in der zweithöchsten hessischen Spielklasse verbringen, zumal der Oberliga-Meister dann auch wieder direkt aufsteigen darf.

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