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Abstieg nach Pleiten, Pech und Pannen

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Klein-Karben, Günter-Reutzel-Sportfeld, Samstag um 16.55 Uhr: Der Unparteiische Karsten Pfeiffer (Frankfurt) hatte soeben die Hessenliga-Partie zwischen dem gastgebenden KSV und dem Tabellenzweiten aus Waldgirmes (2:0) abgepfiffen. Voller Hoffnung wartete man nun auf das Endresultat der Begegnung zwischen der TSG Wörsdorf und der nur einen Zähler mehr auf dem Konto aufweisenden Mannschaft des OSC Vellmar, die zur Pause noch 0:2 im Hintertreffen lag. Der Stachel der Enttäuschung saß bei den Klein-Karbener Spielern, Verantwortlichen und Anhängern sehr tief, als man vom 3:2-Sieg der Nordhessen erfuhr, womit der Abstieg des KSV Klein-Karben in die Verbandsliga Süd zur Gewissheit wurde. Nach Abschluss der 13. Saison muss das mittlerweile dienstälteste Mitglied das hessische Fußball-Oberhaus verlassen.

Im Vereinsheim herrschte noch lange nach Spielende eine fast gespenstische Ruhe. In den Gesichtern waren Frust und Niedergeschlagenheit ablesen, was keineswegs verwunderte, zumal man angesichts der zahlreichen Abgänge und der finanziellen Probleme vor einer ungewissen Zukunft in der Verbandsliga steht. Da nutzte es auch rein gar nichts mehr, dass sich die Schützlinge von Thomas Dechant im Wonnemonat Mai mit fünf Erfolgen von ihrer Zuckerseite präsentiert hatten. Letztendlich ausschlaggebend für den Niedergang war die schwache Vorrunde sowie die vier Heimpleiten gegen Kickers Offenbach, Rot-Weiß-Frankfurt, VfB Marburg und RSV Würges von Ende März bis Mitte April.

Auch gegen den Vizemeister der Hessenliga ließ die Dechant-Elf von Beginn an keinerlei Zweifel aufkommen, dass sie ihre letzte Chance auf den Klassenerhalt beim Schopfe packen und den Platz unbedingt als Sieger verlassen wollte. In allen Belangen stellten die Gastgeber am Samstag das bessere Team, was auch der symphatische Gäste-Coach Thorsten Krick neidlos anerkannte. »Ich habe heute eine sehr starke Klein-Karbener Mannschaft gesehen, die wir zu keiner Zeit in Bedrängnis bringen konnten.«

Für dieses Lob konnte sich der KSV am Samstag aber nur wenig kaufen. Die erste gute Möglichkeit ergab sich für die Dechant-Schützlinge in der 16. Minute, als der erneut überragende Selim Aljusevic seinen Kollegen Salih Yasaroglu auf die Reise schickte, letzterer aber am herausstürzenden SC-Keeper Tommy Ried scheiterte. Wesentlich besser machte es Salih Yasaroglu nach gut einer halben Stunde Spielzeit, indem er einen sehenswerten Diagonal-Pass des Karbener Laufwunders Christopher Wilz aus acht Metern zur Führung unter die Latte hämmerte.

Wer von den Gäten nun eine erhebliche Steigerung erwartete, wurde enttäuscht. Selbst dem äußerst lautstarken Waldgirmeser Anhang gelang es nicht, ihr sonst so spiel-und lauffreudiges Team auf Touren zu bringen und zu einer dem Tabellenplatz angemessenen Leistung anzustacheln. So blieb der KSV Klein-Karben auch nach dem Seitenwechsel die klar tonangebende Mannschaft. Zum herausragenden Klein-Karbener Akteur im zweiten Durchgang avancierte Torjäger Andreas Baufeldt, dessen Formkurve stetig anstieg, seitdem sein Wechsel zum Aufsteiger Eintracht Wetzlar feststand. In der 61. Minute überlief er die gesamte Waldgirmeser Abwehr, um das Leder anschließend zu Selim Aljusevic zurückzupasssen, der wiederum kläglich vergab.

Die endgültige Entscheidung leitete Baufeldt (70.) mit einer genau getimten Rechtsflanke zu seinem Sturmpartner Salih Yasaroglu ein. Letzterer brauchte dann nur noch abzustauben, um den hochverdienten 2:0-Endstand perfekt zu machen. Der Schlusspfiff ließ auf Seiten des KSV nur kurzer Jubel aufkommen, ehe die Negativ-Nachrichten von den Sportplätzen in Fernwald und Wörsdorf die Klein-Karbener Fußball-Gemeinde in tiefe Depression stürzte.

»Leider sind wir heute abgestiegen. Es macht mich sehr traurig, dass es so gekommen ist. Trotzdem möchte ich meinen Spielern ein großes Kompliment machen, dass sie sich in der Schlussphase der Saison noch zusammengerauft haben. Auch heute präsentierte sich meine Mannschaft wieder von ihrer besten Seite. Insgesamt haben wir aber viel zu spät damit begonnen, die notwendigen Zähler zum Klassenerhalt einzufahren«, meinte der niedergeschlagen wirkende Trainer Thomas Dechant in seiner für ihn wohl letzten Pressekonferenz.

Insgesamt ging für den KSV ein Spieljahr mit einem denkbar schlechten Ausgang und voller Pleiten, Pech und Pannen zu Ende. Angefangen von der Trainerkrise (Entlassung Atze Rompel, Rücktritt von Peter Rübenach und Angel de la Rosa), über die Finanzkrise (Streit mit dem Hauptverein wegen ausstehender Geldforderungen) bis hin zur Vorstandskrise (erst im dritten Anlauf konnte ein neuer Abteilungs-Vorstand präsentiert werden), es ging in der abgelaufenen Saison teilweise drunter und drüber im Verein. »Man kann nur hoffen, dass es den Verantwortlichen gelingt, für die Verbandsliga ein konkurrenzfähiges Team auf die Beine zu stellen« sprach Pressekonferenzleiter Axel Jörg dem treuen Klein-Karbener Fan-Club aus der Seele.

Neben den bereits bekannten Abgängen von Robert Cue, Christian Männel (beide FV Bad Vilbel), Patrick Kraus, Maik Vetter (beide FSV Frankfurt U 23), Andreas Baufeldt (Eintracht Wetzlar), Hicham Abdesadki (Rot-Weiß Darmstadt), Pascal Bretschneider (TSG Usingen) und Oliver Howard (wahrscheinlich Waldhof Mannschaft) wird mit Spielmacher Selim Alujsevic (zum SC Waldgirmes) ein weiterer wichtiger Akteur das Günter-Reutzel-Sportfeld verlassen.

Auch in der Trainerfrage gibt es seitens des Vereins noch keine Entscheidung. Peter Rübenach und Wolfgang Beck, die vom Vorstand beauftragt wurden, eine neue Klein-Karbener Mannschaft für die Spielrunde 2010/2011 auf die Beine zu stellen, dürften sich angesichts der finanziellen Probleme des Vereins jedenfalls alles andere als leicht tun, um ihr schwieriges Vorhaben in die Tat umzusetzen.

KSV Klein-Karben: Cue (ab 91. Jörg) - Razai, Strenkert, Kunisch, Filmon Ghebrezghi - Bretschneider, Kahsai Ghebrezghi, Aljusevic (ab 90. Howard), Wilz (ab 83. Bayrak) - Baufeldt, Salih Yasaroglu.

SC Waldgirmes: Ried - Kaguah, Neubert (ab 86. Agirman), Kuche - Frenz, Schappert (ab 82. Burk), Szymanski, Schmitt, Weinecker - Michel, Langholz.

Tore: 1:0 (33.) Salih Yasaroglu, 2:0 (70.) Salih Yasaroglu. - Schiedsrichter: Karsten Pfeiffer (Frankfurt). - Zuschauer: 250. Bernd Hofmann

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