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Mit absolutem Siegeswillen in die deutsche Spitze

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(sfä) Auch wenn es nicht regnet, hat es in gewisser Weise etwas mit einem Gewitter zutun, wenn Norbert Moufang seinen Opel Kadett C Coupe im Rallyesport bewegt.

Wobei sich der Begriff »bewegen« bei Moufang in einer eigenen Welt abzuspielen scheint. Wenn der Niddaer seinen rund 250 PS starken Hecktriebler am Limit bewegt, bekommen die Zuschauer an den Strecken im wahrsten Sinne ein Donnergrollen zu hören. Norbert Moufang und Opel Kadett ist, vergleichbar mit Boris Becker im Tennis, untrennbar miteinander verbunden.

Der gelernte Maschinenbaumeister vom MSC Horlofftal - dem Motorsportclub mit Sitz in Hungen-Villingen - vertraut mit seinem Opel Kadett C Coupe seit 25 Jahren auf die Marke aus Rüsselsheim mit dem Blitz im Kühler als Emblem. Der 53-Jährige war und ist eine feste Größe besonders, aber nicht nur, im hessischen Rallyesport. Moufang war Ende der 90er-Jahre in der deutschen Rallye-Challenge, der damaligen zweiten Liga hinter der deutschen Rallyemeisterschaft, mit vier Titeln äußerst erfolgreich.

Sein bevorzugtes Terrain ist aber nach wie vor die heimische Rallye 200 Szene, wo er den inoffiziellen Titel als »heimlicher Herrscher« der verbesserten Zweiliterwertung verdienen würde. So müsste man ihn eigentlich nicht nach der Anzahl der gefahrenen Rallyes fragen, sondern wie oft er bei der jeweiligen Veranstaltung schon gewonnen hat. Die Starts, wie auch die Klassen-, Gruppen- und Gesamtsiege bewegen sich im mittleren dreistelligen Bereich, was seine ansehnliche Pokalsammlung beweist. Doch nur ein kleiner Teil davon ist in seinem Büro in Nidda-Harb zu sehen. Neben der peniblen Vorbereitung seines Kadetts in Alleinregie ist die Erfahrung ein weiterer Schlüssel zum Erfolg. Moufang kennt die heimischen Strecken wie kaum ein anderer, was sich auch an den gefahrenen Zeiten auf den Wertungsprüfungen (WP) zeigt. Er fährt von Beginn an konstant schnell und ließ damit in der Vergangenheit den Mitstreitern kaum eine Chance.

Wie bei vielen anderen Aktiven auch begann alles recht harmlos mit einigen Besuchen bei Rallyes Anfang der 80er-Jahre. Dabei hinterließen insbesondere der zweifache deutsche RallyeMeister Rainhard Hainbach aus Schotten und Eberhard Kromm aus Ranstadt bei ihm einen nachhaltigen Eindruck. »Wie schnell Eberhard mit seinem 1300er Ford Escort unterwegs war und dabei praktisch jedem Schlagloch ausgewichen ist, war schon sehenswert.« In diesem Zusammenhang sieht Moufang auch mehr Kromm und Hainbach als seine Vorbilder, als etwa den Finnen Ari Vatanen oder Walter Röhrl, die beide zu Weltmeisterehren kamen. Das sei doch eine andere Welt, meint er.

Der junge Niddaer wurde jedenfalls vom Rallyevirus erfasst und fuhr mit dem eigenen Opel Kadett C Coupe die ersten Rallyes mit Michael Kreuter aus Wetzlar, der heute als Organisator des Mittelhessen-Cup Oldtimer betreut. Bis auf Hermann Gahr (Battenberg), mit dem er einige Jahre fuhr, war der Niddaer überwiegend mit Frauen auf dem »heißen Sitz« erfolgfreich. Neben Michaela Frenzel (Rotenburg an der Fulda) navigierte ihn auch seine damalige Frau Susanna. Aktuell assisitiert ihm seine aus Haiger stammende Lebensgefährtin Regine Graf.

Der ältere der beiden Moufang-Brüder hat in seiner Laufbahn in der nationalen Rallyeszene alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Die deutsche Rallye-Meisterschaft (DRM) war und ist für ihn kein realistisches Thema, aber in der zweiten Rallyeliga hatte er mit seinem rund 250 PS starken Opel Kadett zahllose Erfolgserlebnisse, zum Beispiel Gesamtsiege im Rallye- Central-Cup sowie den Nachfolgern Rallye-Trophäe und Rallye-Challenge. In den Spitzenzeiten der 90er-Jahre fuhr er 25 bis 30 Rallyes pro Saison. Unter seinen etlichen Gesamtsiegen hebt er einen Erfolg bei Wartburg-Rallye in Eisenach besonders hervor. »Da konnte ich mich im Regen gegen die vermeintlich stärkeren Allradler durchsetzen.«

Mit geschätzten 60 000 DM pro Jahr aus der eigenen Kasse hatte der Erfolg allerdings auch seinen Preis. »Ich habe immer einen absoluten Siegeswillen«, sagt Moufang über sich selbst. Fahrerisch sieht er keinen Unterschied zwischen sich und den Topleuten in der DRM. Teilweise war er sogar schneller als die Elite. »Da waren einige, wie die deutschen Meister Armin Kremer und Matthias Kahle, mit Werksunterstützung unterwegs. Ich war auf mich alleine gestellt«, sagt er ohne jegliche Emotion.

Für ihn war das, vom sportlichen Gedanken abgesehen, mehr Spaß und Ausgleich zum beruflichen Alltag, bei dem in der Moufangschen Produktionshalle ein Acht-Stunden-Tag mehr Traum als Wirklichkeit ist. Doch nächtelange Schraubarbeiten am Kadett, um diesen möglichst schnell wieder fit zu machen, gehören der Vergangenheit an. Mit über 50 Jahren nimmt es auch ein Moufang gelassener.

Auf Asphalt fühle er sich generell wohl, wobei er die heimische Limes-Rallye als fünffacher Sieger zu seinen Lieblings-Rallyes zählt. Hier feierte er im August diesen Jahres nach etwa 18 Monaten Zwangspause ein beeindruckendes Comeback als Vorwagen außer Wertung. Ein Motorschaden bei der Hessen-Rallye Vogelsberg 2007 und die Belange des eigenen Betriebes ließen ihm damals keine Zeit für den Rallyesport. Nach inoffizieller Zeitmessung hätte es bei der »Limes« dennoch für ein Platz auf dem Siegerpodest gereicht. Die eigentliche Herausforderung besteht für ihn heute noch bei allen Umständen vorne zu sein, auch gegen Allradler, ob bei Regen, Dunkelheit, oder am Tag. Er ist einer für alle Gegebenheiten und setzt auch 2009 auf seinen Opel Kadett, den er aus dem Effeff kennt.

Außerdem werden im nächsten Jahr weiter sein Bruder Markus im BMW M3 und dessen Sohn Maurice in der HJS Diesel Rallye Masters fahren. Der Name Moufang wird somit auch in naher Zukunft der deutschen Rallyeszene erhalten bleiben.

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