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Pauline Bruns gilt als eines der größten Talente im deutschen Tennis. In der laufenden Medenspielrunde schlägt sie für die U 18 des TC Rot-Weiß Bad Nauheim auf.

Ein abgeklärtes Talent

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Pauline Bruns ist ein außergewöhnliches Tennis-Talent. Vergleichsweise spät hat sie begonnen, vergleichsweise schnell es in die nationale Spitze geschafft. In der laufenden Saison schlägt sie für die U 18 des TC Rot-Weiß Bad Nauheim in der Hessenliga auf. Das Besondere: Sie ist erst 13 Jahre alt.

Entspannt und munter sitzt Pauline Bruns im Verpflegungsraum auf der Tennisanlage im Bad Nauheimer Kurpark. Ihr Einzel hat sie kurz zuvor für die Hessenliga-U 18 des TC Rot-Weiß souverän 6:3, 6:1 gewonnen. Wie so häufig. Knapp fünf Stunden zuvor, um 7.15 Uhr, machte sie sich in Gilserberg im Schwalm-Eder-Kreis auf den Weg in die Wetterau. Für Pauline ist das Normalität. Am Wochenende tourt sie entweder für Punktspiele durch Hessen, oder ist auf Turnieren in ganz Europa unterwegs. Dabei ist sie erst 13 Jahre alt.

Pauline ist ein außergewöhnliches Talent. Sie ist amtierende deutsche U 13-Meisterin, den Titel gewann sie an ihrem 13. Geburtstag. Als Vertreterin des Deutschen Tennis-Bundes durfte sie bei einem Einladungsturnier in Paris aufschlagen, "direkt unter dem Eifelturm. Steffi Graf und Andre Agassi waren da", erzählt sie. Mit der U 14-Nationalmannschaft erreichte sie im Januar bei den Hallen-Europameisterschaften in Kiew Platz drei. Einen Anteil daran hat auch die Tennisschule "Davids Tennis World" in Bad Nauheim. Dort absolvierte Pauline im vergangenen Jahr eine ihrer vier Einheiten pro Woche und spielt in der laufenden Medenspielrunde, zusätzlich zu den Verbandsliga-Damen des Kasseler TC, für die hochklassigste Nachwuchsmannschaft der Wetterau.

David Hirst, Leiter der Tennisschule, kennt Pauline mittlerweile genau. Sein Sohn Jake, einer der Tennislehrer der Schule und Fußballprofi bei Regionalligist Kickers Offenbach, hat Pauline entdeckt und zum Training nach Bad Nauheim geholt. "Sie fightet um jeden Ball. Sie hat die Mentalität, die du brauchst, um auf diesem Niveau erfolgreich zu sein", sagt David Hirst.

Zum Tennis kam Pauline aus eigenem Antrieb. "Wir haben sie alles ausprobieren lassen. Es hat sich schnell herauskristalisiert, dass sie sich gegen Reiten und Leichtathletik und für Tennis entscheidet", sagt Mama Dagmar. Ebenso schnell war ihr und Papa Jörg bewusst, dass ihre Tochter ein besonderes Talent für das Spiel mit der Filzkugel hat. "Sie hat im Vergleich als Siebenjährige spät angefangen, aber trotz nur einer Trainingsstunde pro Woche schnell vorne mitgespielt", erzählt Paulines Mutter.

Pauline wirkt für ihr Alter extrem abgeklärt und sehr erwachsen. Das liegt einerseits an ihrer Körpergröße, 1,81 Meter ist sie bereits groß. Aber auch daran, dass sie schon als Neunjährige mit dem Tennis-Verband auf Turnieren unterwegs war - ohne Eltern als Begleitung. Das prägt. Zudem ist ihr Tagesablauf voll auf Tennis ausgerichtet. Weil sie schon so groß ist, macht sie nach dem Aufstehen Übungen für die Beinarbeit und den Aufschlag. "Wenn sie das nicht machen würde, bekäme sie körperliche Probleme. Aber: Sie macht jeden Tag ihre Übungen und hat sich super entwickelt", sagt Hirst.

An zwei Tagen in der Woche trainiert Pauline in Kassel, zudem je einen Tag an den Stützpunkten des Deutschen Tennis-Bundes in Kamen und des Hessischen Tennis-Verbands in Offenbach. Sie besucht in Kassel zwar eine sportorientierte Schule, die ihr viele Freiräume gestattet, aber den Unterrichtsstoff muss sie zwischen Tennisplatz und Autobahn trotzdem nachholen.

Ihre Stärke auf dem Platz beschreibt Pauline mit einem Beispiel. Sie erzählt von einem Match im Februar bei einem ITF-Jugendturnier im bayerischen Cadolzburg. Im Erstrundenduell mit einer Französin liegt sie im dritten Satz 1:5 und 0:40 in Rückstand. "Ich habe aber einfach weiter draufgehauen und das Match mit 7:5 im dritten Satz gewonnen." Das spricht für sich, auch wenn sie anfügt: "Das Ergebnis ist für mich eher nebensächlich. Entweder es läuft, oder es läuft nicht." Die unbekümmerte Sichtweise, gepaart mit ihren "sehr guten Nerven", wie Hirst betont, und ihrem Paradeschlag "Rückhand longline aus vollem Lauf" sind ihr Trumpf.

Passend dazu ist ihre Lieblingsspielerin Naomi Osaka, amtierende US-Open-Siegerin. "Sie spielt genau mein Tennis. Sie spielt immer aggressiv, auch wenn sie hinten liegt." Getroffen hat sie ihr Idol noch nicht. Doch wer weiß, die Japanerin ist erst 21 Jahre alt. Gut möglich, dass sich beide in einigen Jahren auf der Profi-Tour der WTA gegenüberstehen. Allein bei dem Gedanken muss die 13-Jährige breit grinsen. Natürlich sei es das große Ziel, in ein paar Jahren im großen Tennis-Zirkus mitzumischen, sagt Pauline. Alles andere würde den immensen Aufwand auch nicht rechtfertigen. Aber, das wissen Pauline und ihre Eltern auch ganz genau, bis dahin ist es noch ein langer Weg, Luftschlösser bauen ist nicht ihr Ding.

Zumal die Pflicht ruft. Die nächste Aufgabe führt die Nummer 219 der deutschen Senioren-Rangliste am Samstag wieder nach Bad Nauheim. In der U 18-Hessenliga geht es gegen den TC Schwalbach. Am Sonntag ist sie für die Verbandsliga-Damen des Kasseler TC in Buchschlag im Einsatz. Zwei Wochen später steht vom 4. bis 8. Juni die deutsche U 14-Meisterschaft in Ludwigshafen an. Pauline ist an Nummer zwei gesetzt. "So wie vor einem Jahr bei der U 13", sagt sie, und grinst.

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