46ers-Geschäftsführer Michael Koch macht es in der prekären Situation allen deutlich (links Daniel Rohm, Leiter Medien und Kommunikation) - es geht nur um den Erhalt des Clubs. FOTO: HF

Gießen 46ers

46ers-Geschäftsführer Koch: "Es geht nur um den Club"

Personelle Veränderungen auf höchster Führungsetage, ein Etatminus im mittleren sechsstelligen Bereich - und das alles mitten in der von vielen Problemen begleiteten Corona-Krise. Die Gießen 46ers müssen mehr denn je ihre Kräfte auf allen Ebenen bündeln.

Am Montagmorgen kamen Fakten an das Licht, die Mitglieder des Aufsichtsrats der Gießen 46ers in einem Hintergrundgespräch geladenen Pressevertretern offerierten (AZ berichtete). Dabei war von einem sechsstelligen Etatloch in der Saison 2018/19 und der aktuellen Spielzeit die Rede. Knapp 470 000 Euro sollen es gewesen sein, die aus den letzten beiden Jahren ausgeglichen werden müssen. Aufgrund der Gesellschaftereinlagen drohe keine Finanzkrise be i den Gießen 46ers, so die Aufsichtsratmitglieder.

Zudem wurde bekannt, dass der mittelhessische Basketball-Bundesligist am 30. September dieses Jahres auch von Philipp Reuner Abschied nehmen wird. Der 30-Jährige zeichnet als Geschäftsführer verantwortlich für die Finanzen. Da bereits Geschäftsführer Heiko Schelberg seinen Hut nehmen musste, trennten sich die 46ers in kurzer Zeit von ihrem gleichberechtigten Führungsduo. Michael Koch, der für Schelberg am 1. März 2020 als Nachfolger und zusätzlicher Sportdirektor die Arbeit aufnahm, geht nun allein vorneweg.

Vertriebsleiter und Prokurist Sebastian Jung erklärte sich unterdessen mit Reuner solidarisch und kündigte sein Arbeitsverhältnis beim Basketball-Club von der Lahn. In einer E-Mail an die Gesellschafter erklärte er seinen Schritt, nahm dort Partei für Reuner ein und kritisierte die Reuner-Demission. Jung wollte sich gegenüber dieser Zeitung nicht im Detail äußern. Er sprach aber davon, "dass der Club zurzeit einen unfassbaren Schaden erleidet". Deswegen werde er erst einmal nichts sagen. "Ich muss die Entwicklung der nächsten Tage abwarten", so das Statement des gehenden Prokuristen.

Reuner hält sich nach Anfrage ebenfalls mit einer öffentlichen Stellungnahme zurück - "auch wenn es sicherlich einiges zu besprechen gäbe". Er bittet diesbezüglich um Verständnis. Zur aktuellen Situation teilte er mit: "Durch die nun erfolgte Kommunikation wurde den 46ers geschadet, und es besteht die Gefahr, die Zukunftsthemen in dieser für alle schwierigen Zeit aus den Augen zu verlieren. Wie in den vielen Jahren meiner bisherigen Tätigkeit bei den Gießen 46ers werde ich weiterhin meine Tätigkeiten mit Engagement fortführen. Alles weitere werden die anstehenden Gespräche sicherlich ergeben."

Koch ist in dieser prekären Situation nicht zu beneiden. Der 54-jährige ehemalige Nationalspieler muss in kürzester Zeit als Krisenmanager funktionieren. Am Dienstagnachmittag stand ein Meeting mit den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle an, die durch die personelle Fluktuation - auch Sven Schneider, der Leiter Marketing und Merchandising, hat den Club verlassen -, verunsichert in die Zukunft blicken.

Koch selbst akzeptiert die Situation und den Verlust von Mitarbeitern, die es nun adäquat zu ersetzen gilt. Der Fokus des Lichers ist aber ganz auf den Club gerichtet: "Es geht nicht um einzelne Personen. Es geht um die Gießen 46ers - für die sind wir alle angetreten. Wir sind für den Club verantwortlich. Das muss vorne anstehen, das ist das Wichtigste. Und dafür werden diejenigen, die hier weiter an der Front stehen, hart kämpfen, dass es weiter funktioniert."

Angesprochen darauf, wie stark das aktuelle finanzielle Loch die jetzige und neue Saison beeinflusse, sagte er, dass er darauf nicht eingehen möchte und ihm die CoronaKrise mehr zu schaffen mache. Sie könnte dem Club das Genick brechen. Für ihn ist es für die nächste Saison von enormer Bedeutung, dass die Liga zu einem normalen Zeitpunkt anläuft. "Wenn das nicht passiert, wird es für viele Clubs - in den verschiedenen Sportarten - schwer, das Boot wieder ins Fahrwasser zu bekommen. Wenn wir keine Spiele mit Publikum haben, Sponsoring- und Dauerkarten-einnahmen wegfallen und die ganzen Sachen auf uns einprasseln, dann wird es extrem schwierig."

Ein bisschen Normalität ist dagegen für die noch unter Vertrag stehenden Spieler wie Alen Pjanic, Bjarne Kraushaar, Tim Uhlemann und Brandon Thomas eingekehrt. Sie dürfen seit Montag in Kleingruppen - zwei Mann an einem Korb - in der Osthalle trainieren. Der Stadt liegt vom Club ein Hygienekonzept vor. Unterdessen scheinen die Tage von Center John Bryant in Gießen gezählt zu sein. Der Vertrag von ihm läuft Ende Juni aus. Vor seiner Wohnung wurden die Möbelpacker gesichtet.

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