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4500 Fans enttäuscht

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(mn) Entscheidung vertagt: Der EC Bad Nauheim hat gegen den VER Selb den ersten Matchball im Playoff-Halbfinale der Eishockey-Oberliga vergeben. Mit 3:5 (1:3, 1:2, 1:0) verloren die Roten Teufel vor 4500 Zuschauern im Colonel-Knight-Knight-Stadion gegen die Oberfranken, die die Best-of-Five-Serie zum 2:2 ausgleichen konnten.

Über die Final-Teilnahme entscheidet nun Spiel fünf am Sonntag (18 Uhr) in Selb.

Am Nachmittag hatte ein Schreiben von Wolfgang Sorge bereits die Vorfreude auf die Partie getrübt: Der Präsident des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen hat in einer Rundmail an seine Klubs eindringlich vor einer Bewerbung am Spielbetrieb der ESBG und den Konsequenzen gewarnt (unter anderem Ausschluss der Nachwuchsmannschaften sowie eine 50 000-Euro-Vertragsstrafe) Der Deutsche Eishockey-Bund bekräftigte anschließend ebenfalls seine zuletzt immer wieder geäußerte Haltung: »Die ESBG hat die vertraglichen Vereinbarungen mit dem DEB und den Landeseissportverbänden gekündigt und diese Kündigung auch nicht zurückgenommen. Da dieser Vertrag Grundlage für die Aufstiegsregelungen gemäß der Durchführungsbestimmungen ist, entfallen alle Voraussetzungen für einen Aufstieg von der Oberliga in die 2. Bundesliga«, heißt es in einer Pressemitteilung.

»Da der Deutsche Eishockey-Bund als Dachverband sehr an einer Lösung im Sinne des Eishockeysports interessiert ist, die insbesondere eine Durchgängigkeit nach unten zur Oberliga und nach oben zur Deutschen Eishockey Liga zum Ziel haben muss, wird in den nächsten Wochen eine verbindliche Lösung vorgestellt, welche die erwähnten Ziele einbezieht«, teilte der DEB weiter mit.

Am Abend drehte sich dann zunächst alles um die Frage, ob die Roten Teufel nach zwei zuletzt beeindruckenden Leistungen die richtige Einstellung zu diesem ersten Matchball finden würden. Die Anfangsphase stimmte das Publikum noch hoffnungsvoll, letztlich leisteten sich die Roten Teufel aber zu viele Nachlässigkeiten, blieben Leistungsträger blass, wurden Chancen leichtfertig verschenkt, da reagierte das Publikum am Ende des möglicherweise letzten Heimspiels der Saison gar mit Pfiffen. Während die VER-Top-Reihe um Kyle Piwowarczyk drei Treffer erzielen konnte, blieb RT-Kapitän Chris Stanley mit seinen Nebenleuten torlos. Zu großzügig ging Bad Nauheim mit den zahlreichen Powerplay-Situationen in der ersten Spielhälfte um, ließ den Druck auf Marko Suvelo vermissen.

Wer weiß, welchen Verlauf die Partie genommen hätte, wenn Sven Schlicht und Daniel Oppolzer ihre beiden klaren Möglichkeiten in der ersten Minute der Partie genutzt hätten? Selb hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal die blaue Linie des gegnerischen Drittels gekreuzt. Auf der anderen Seite erzielte Sebastian Lehmann mit der ersten echten Möglichkeit im Powerplay das 1:0 der Wölfe (7./Rebound nach Schuss an die Maske von Thomas Ower). Sekunden später erhöhte Kyle Piwowarczyk für die Oberfranken aus dem Gewühl (8.). Die Roten Teufel fanden die richtige Antwort (Michel Maaßen fälschte einen Schuss von Josiah Anderson ab/9.), doch stellte Herbert Geisberger prompt den alten Abstand wieder her, als Jan-Niklas Pietsch im eigenen Drittel zu halbherzig klären wollte (12.). Bad Nauheim stand anschließend angesichts von drei VER-Strafen nahezu fünf Minuten permanent in Überzahl (teils mit zwei Spielern mehr) auf dem Eis, fand allerdings keine Lücke.

Den zweiten Abschnitt eröffnete VER-Bad-Boy Nikolaus Meier mit einem Check gegen den Kopf von Michel Maaßen. Meier, der nach seiner letzten Matchstrafe gerade einmal zwei Spiele bestritten hatten, bekam hierfür eine Matchstrafe (21.), Maaßen konnte Mitte der Partie wieder in das Geschehen eingreifen. Zwar nutzte Bad Nauheim durch Brad Miller die fünfminütige Überzahl zu einem Treffer (24.), doch wirkten die Roten Teufel zunehmend nervös, spürten die Ungeduld des Publikums und die eigenen Erwartungen als Ballast auf den Schultern. Der erste Pass war oft ungenau, offensiv fehlte der Zug zum Tor. Verzettelten sich die Gastgeber im Duell Eins-gegen-eins, konnten die Leistungsträger keine Akzente setzen. Zwar wirkten die Wölfe schon in dieser Phase müde, nutzten aber durch Geisberger (36./nach Fehler von Mike Schreiber) und Dennis Schiener (40.) zwei ihrer wenigen Möglichkeiten, um den Vorsprung auszubauen.

Bad Nauheim gelang zwar gleich zu Beginn des Schlussabschnitts der Ausgleich durch Sven Schlicht (erneut hatte Anderson aufgelegt), von einer wirklichen Aufholjagd konnte man anschließend allerdings nicht sprechen. Zu ängstlich, zu verschnörkelt wirkte das Spiel der Gastgeber.

EC Bad Nauheim: Ower – Miller, Ketter, Baum, Schreiber, Pietsch, Pöpel – Schlicht, Lange, Striepeke, Rinke, Stanley, Oppolzer, Maaßen, Huhn, Kujala, Baldys, Anderson.

VER Selb: Suvelo – Roos, Meier, Jeschke, Schwadewaldt, Tim Schneider, Ronny Schneider – Neumann, Heilman, Schiener, Piwowarczyk, Geisberger, Mudryk, Lehmann, Hördler, Fischer.

Tore: 0:1 (7.) Lehmann (Fischer, Piwowarczyk – 5-4), 0:2 (8.) Piwowarczyk (Mudryk, Geisberger), 1:2 (9.) Maaßen (Anderson), 1:3 (12.) Geisberger (Mudryk), 2:3 (24.) Miller (Lange), 2:4 (36.) Geisberger (Mudryk), 2:5 (40.) Schiener (Lehmann), 3:5 (41.) Schlicht (Anderson).

Strafminuten: Bad Nauheim 14, Selb 16 plus Matchstrafe (Meier).

Zuschauer: 4500.

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