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DEL 2-Chef Rudorisch: Konsequent nach oben orientieren

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Rene Rudorisch hat am 1. September 2014 die Geschäftsführung der Deutschen Eishockey-Liga 2 übernommen und folgt damit auf Detlev Kornett, der die zweite Profi-Liga in ihrer ersten Saison betreut hatte.

Der 35-jährige Rudorisch hatte sich als Geschäftsführer der Eispiraten Crimmitschau in der Szene einen guten Namen gemacht und im letzten Sommer maßgeblich die Gründung der DEL 2 vorangetrieben. Zum Saisonstart hat WZ-Redakteur Michael Nickolaus mit Rudorisch gesprochen.

Rene Rudorisch, Sie haben Crimmitschau nach mehr als einem Jahrzehnt im Dienste der Eispiraten verlassen und sind jetzt als DEL2-Geschäftsführer für die Liga tätig. Welche Erwartungen und Hoffnungen verbinden Sie mit diesem Schritt?

Rene Rudorisch: Ausschlaggebend waren die letzten drei Jahre, in denen ich mich intensiv bei verschiedenen Themen für die Liga eingesetzt habe. Der letzte Sommer mit der Umstellung auf die DEL2, der Abnabelung vom DEB und der Orientierung hin zur DEL war sehr spannend und intensiv. Mir war es – parallel zu den Eispiraten – wichtig, die Liga insgesamt weiter zu entwickeln, um auch die Klubs an der Basis entsprechend zu unterstützen. Irgendwann kam die Anfrage von Klubvertretern aus der Liga, und ich habe die Möglichkeiten überdacht, intensiver und federführend tätig zu werden.

Im Hinblick auf Crimmitschau fiel die Entscheidung schwer, aber mit der Perspektive, mich selbst verwirklichen zu können, auch wieder leicht.

Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?

Rudorisch: Grundsätzlich geht es darum, die Liga nach dem zerstrittenen Sommer 2013 zu einen, um als DEL2 das notwendige professionelle Bild abgeben zu können. Ich möchte die Präsentation nach außen weiter entwickeln, zudem müssen wir die wirtschaftliche Stabilität gewährleisten. Probleme, wie sie im letzten Lizenzierungverfahren aufgetaucht sind, wollen wir gemeinsam angehen, darauf aufbauen und natürlich – das ist das große Ziel vor Augen – den Schulterschluss mit der DEL vervollständigen. Die Sportart, die so emotional sein kann wie keine andere, braucht den Auf- und Abstieg. Das ist für Sponsoren und Fans der höchste Wert, und da müssen wir unsere Hausaufgaben machen.

Welche Hausaufgaben sind das?

Rudorisch: Veränderungen an der Qualität an den Standorten. Wir müssen uns überlegen, welche Standards wir in den Stadien erreichen wollen. Jeder Standort kann an verschiedenen kleinen Punkten nachbessern. Die Präsentation nach außen ist wichtig, und Diskussionen müssen intern geführt werden, um auch wieder Vertrauen bei Sponsoren zu finden. Ligavermarktung und Eigenständigkeit sind Grundziele. Dazu brauchen wir ein Produkt, das gewisse Qualität verspricht. Die DEL lebt uns das vor. Auch wir müssen unser Potenzial zeigen und abrufen.

Mit der Annäherung nach oben vergrößert sich zugleich die Hürde für Drittligisten. Wird das Problem nicht nur verlagert?

Rudorisch: Im Sport gilt grundsätzlich das Leistungsprinzip, dies kann nur optimal entwickelt werden, wenn man sich konsequent nach oben orientiert. Das heißt natürlich im Umkehrschluss nicht, dass der Unterbau nicht auch entwickelt werden muss. Aber das muss in vielen kleinen Schritten passieren. Genau wie dies im Verhältnis zwischen DEL und DEL2 geschieht. Unser Ansinnen ist Auf- und Abstieg zwischen der DEL2 und der Oberliga.

Und ich halte auch nichts von extremen Zugangsbeschränkungen, um Oberliga-Klubs im Falle des Aufstiegs das Leben schwer zu machen. Die Richtlinien sind für Oberligisten erfüllbar, wenn ich mir das sportliche und wirtschaftliche Potenzial anschaue. Wir brauchen Verlässlichkeit, und das beginnt damit, dass ein sportlicher Aufsteiger auch aufsteigt und nicht nach zwei Monaten sagt: Eigentlich kann ich das nicht. Wir brauchen erfüllbare Regularien, die dafür sorgen, dass die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch ist, dass der Oberligist aufsteigt. Die zweite Liga wird sich da nicht verschließen. Im Gegenteil: Wir sind in den Diskussionen weit offen. Doch auch im Hinblick des Absteigers brauchen wir eine verlässliche Oberliga. Die Situation ist noch schwierig. Nord- und Süd-Gruppe werden vom DEB geführt, West- und Ost-Gruppe vom Landesverband. Wir brauchen Einheitlichkeit in der dritten Liga und müssen trotz unterschiedlicher Voraussetzungen zurück zum Modell Oberliga Nord und Süd mit jeweils zwölf Mannschaften. Nur so werden wir das Potenzial haben, Auf- und Abstieg solide zu entwickeln

Wie sehen die Annäherungen in Richtung DEL aus?

Rudorisch: DEL und DEL2 haben in Neuss seit Anfang August einen gemeinsamen Sitz. Dort haben wir den administrativen Bereich zusammengeführt und kooperieren in Sachen Spielbetrieb und Kommunikation sehr eng miteinander. Im sportlichen Bereich hat nun jeder DEL2-Klub einen DEL-Klub als Kooperationspartner mit dem Ziel, über diesen Weg, jungen Nachwuchs-Profis mehr Eiszeit zu verschaffen. Darüber hinaus gibt es viele Themen, zu denen wir uns in der Zukunft positionieren werden: Das Thema Videobeweis beispielsweise beschäftigt uns sicher schon drei, vier Jahre innerhalb der Liga. Dazu kommt der Ausbau der Medienpräsenz. Schaffen wir es, Servus TV auch für die DEL2 zu begeistern? Hierfür müssen wir einerseits die Grundlagen schaffen, uns Schritt für Schritt zu verbessern. Um die Klubs jedoch bei allen notwendigen Umsetzungen nicht übermäßig zu strapazieren, müssen wir verstärkt um Unterstützung beim Aufbau der Liga werben. Das geht über eine Eigenvermarktung, der wir verstärkte Priorität zuordnen werden.

Ihr Ex-Klub Crimmitschau zählt beim Thema Sprade TV, das Live-Übertragungen von Heimspielen im Internet anbietet, zu den Vorreitern. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Rudorisch: Das Thema funktioniert zu 100 Prozent, davon bin ich überzeugt, und das habe ich den Klubs auch mit auf den Weg gegeben. Wir hatten anfangs auch Bedenken, dass dieses Angebot auch Zuschauer aus dem Stadion ziehen könnte; gerade bei uns im offenen Stadion bei vielleicht minus 15 Grad im Januar. Natürlich gibt es eine geringe Schnittmenge. Ich sehe Sprade TV aber als sehr positiv, gerade für die Fans der auswärtigen Mannschaft. Man kann ohne Reisekosten für überschaubares Geld seinen Klub verfolgen. Eine Analyse hat gezeigt, dass 70 bis 75 Prozent unserer Internet-Zuschauer Auswärtsfans sind. Wenn man dann die Kosten und die steigenden Zuschauerzahlen auf der Plattform in die Kalkulation einbezieht, muss man feststellen, dass keiner der bisherigen Sprade TV-Standorte ein Minus zu tragen hatte. Im Gegenteil, das Thema hat sich nach dem ersten Monat zu 100 Prozent gerechnet. Bremerhaven ist da ein absolut positiver Fall, und selbst in unserer »schlechten« Saison in Crimmitschau ist Geld in den Etat eingeflossen.

Vielleicht findet man auch einen Weg, die Bewegtbilder auf anderen Plattformen wie Servus TV im Rahmen der DEL-Übertragungen anzubieten. Wir sind erst am Anfang. Die Bilder liegen beispielsweise auch jederzeit abrufbar für jeden Trainer bereit. Da kann man vielleicht auch Schiedsrichter und Medien einbinden. Das Thema steht und fällt mit der Überzeugung. Die Klubs sollen sich damit beschäftigen, ich sehe das aber noch nicht als verpflichtend an.

Im Juni wurde Uwe Harnos an der DEB-Spitze durch Franz Reindl abgelöst. Welche Hoffnungen knüpfen Sie an das neue Präsidium?

Rudorisch: Die Erwartungen sind hoch, aber man darf jetzt nicht den Fehler machen, zu schnell Druck aufzubauen. Franz Reindl hat sehr positive Ziele und sich konzeptionell deutlich mehr Gedanken gemacht als seine Vorgänger. Man ist gewillt, die Probleme offen und ehrlich anzusprechen, und alle Entscheidungsträger einzubinden, um Lösungen zu erarbeiten, die im Verständnis dann auch von allen mit getragen werden. Das ist viele Jahre vernachlässigt worden. Der Präsidiumswechsel zeigt den Vertrauensverlust, der entstanden war.

Franz Reindl ist ein Eishockey-Verrückter und Fachmann zugleich, aber auch er kann keine Berge versetzen. Das können wir nur gemeinsam, in dem wir Vertrauen schenken und Konzepte entwickeln, für die jeder seinen Teil beiträgt.

Stichwort Kassel Huskies: Wie Bad Nauheim im Vorjahr haben sich nun die Nordhessen nach dem Aufstieg mit einer neuen Spielbetriebs-GmbH um eine DEL2-Lizenz beworben. Die GmbH, die den Oberliga-Spielbetrieb organisiert hat, ist hingegen insolvent. Die Leidtragenden sind die Wölfe Freiburg, die die Qualifikation verpasst haben. Hätte diese Lücke nach den Erfahrungen mit Bad Nauheim nicht längst geschlossen werden müssen?

Rudorisch: Ich kann nur aus Sicht der DEL2 sprechen – und da gibt es keine Lücke. Das Thema ist in der Oberliga passiert und für uns so nicht regulierbar. Das Problem fußt auf den Durchführungsbestimmungen der jeweiligen dritten Liga. Die West-Gruppe ist nicht DEB-geführt. Und genau hier ist diese Lücke noch nicht geschlossen. Wenn ein Klub Insolvenz anmeldet, müsste er eigentlich aus dem laufenden Spielbetrieb genommen werden und dürfte entsprechend kein Aufstiegsrecht bekommen.

Wir wiederum bekommen – rein formell betrachtet – von der Oberliga den ausgespielten Aufsteiger (in diesem Falle der Verein EJ Kassel) gemeldet, und der darf sich bei uns bewerben. Die Eisjugend Kassel, der Stammverein, war demnach Aufsteiger und hat über einen neuen Kooperationsvertrag mit einer neuen GmbH am Ende lediglich den Spielbetrieb wieder ausgegliedert, was für die reine Lizenzierung im Bereich der ESBG keine Bedeutung hat. Was im Normalfall nicht funktioniert, ist, dass eine Mannschaft Insolvenz beantragt, weiterspielt und am Ende das Aufstiegsrecht wahrnimmt. Das muss für die Zukunft im Sinne des Sports definitiv verhindert werden. Bei den künftig DEB-geführten dritten Ligen wird das so sein. Auch in punkto Verlässlichkeit ist es wichtig, dass die LEV-geführten Oberligen erkennen, dass es so nicht geht, dass wir eine gewisse Einheitlichkeit und Transparenz nach außen auch brauchen. Deshalb müssen wir die dritten Ligen zusammenlegen und unter dem Dach des DEB führen.

Moralisch ist das aber nicht in Ordnung?

Rudorisch: Vielleicht sehe ich das ja falsch: Aber für mich ist das keine Frage der Moral, sondern eine danach, wie es möglich ist, einen möglichst reibungsfreien Spielbetrieb über alle Ligen hinweg pragmatisch zu organisieren

Mit anderen Worten: In der Oberliga Süd als DEB-geführten Liga wäre dieser Weg nicht gangbar gewesen?

Rudorisch: Wir mussten uns mit der Situation auseinandersetzen, wie sie war. Hätte, wenn und aber ist jetzt nicht mehr zielführend. Wir müssen jetzt die Grundlagen dafür legen, dass so etwas eben nicht mehr vorkommen kann.

Rückblickend: Was hat sich im ersten Jahr durch die Umstellung von ESBG auf DEL2 verändert?

Rudorisch: Das ist mit der Nähe zur DEL eher eine emotionale Bewertung. Für die Berichterstattung, für die Akzeptanz der Liga in der Öffentlichkeit ist der Name DEL 2 sicher von Vorteil. DEL, DEB, ESBG, LEV sind als eigenständige Konstrukte aufgrund der Vielzahl schwierig darzustellen. Wenn man auf andere Sportarten schaut, war der Schritt dringend notwendig. Mit DEL und DEL 2 hat man – davon bin ich überzeugt – eine relativ hohe Präsenz.

Natürlich suggeriert man mit diesem Namen, dass es sich um zwei Profi-Ligen handelt, man suggeriert das Interesse, mittelfristig eine Verzahnung herbeizuführen. Und diese soll nun in spätestens vier Jahren geregelt stattfinden. Es entstehen Potenziale für die Zukunft. Vom Gefühl her denke ich, dass Sponsoren und Fans das Thema wohlwollend aufgegriffen haben. Dass im Sponsoring-Bereich dadurch nicht automatisch Millionen fließen, ist aber auch klar. Da geht’s um mehr als nur den Namen und ein schönes Logo. Da geht’s um eine Qualität, die wir anbieten, gerade in der Außenpräsenz. Da sind wir ganz gut aufgestellt, aber da ist mit der Annäherung an die DEL auch noch mehr möglich.

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