05. August 2010, 15:34 Uhr

»Cool« getanzt am Himmel

Martina »Tine« Kirchberg freut sich immer noch diebisch, wenn sie an die staunenden Gesichter der »Alten Meister« des Segelkunstflugs denkt. Hatte doch ihr Schützling diese bei den Deutschen Meisterschaften in Brandenburg im wahrsten Sinn des Wortes alt aussehen lassen. David Friedrich aus Ober-Mörlen wurde auf Anhieb Zweiter in der sogenannten Advanced Klasse.
05. August 2010, 15:34 Uhr
Martina Kirchberg und David Friedrich. (pv)

Im Vergleich zu der darüber angesiedelten Unlimited Klasse werden dort nicht ganz so spektakuläre Figuren geflogen. Loopings und Rollen, bei dem einem schon beim Zuschauen ganz flau wird, zählen im Wettbewerbs-Segelflug wohlgemerkt zu den einfacheren Übungen.

Das erstaunlichste an David Friedrichs Erfolg war die Dramaturgie: »Zum Schluss hin wird der Druck immer größer«, resümiert er trocken. Das Wörtchen »cool« beschreibt aber wohl am besten seinen Umgang mit dieser Belastung. Als der Druck am größten war - am letzten Tag der Meisterschaft nämlich - erflog er den Tagessieg und rückte vom dritten auf den zweiten Platz vor.

Eine Meisterschaft besteht aus Pflicht- und Kürelementen und dauert eine gute Woche. Das Beste bzw. Komplizierteste kommt dabei zum Schluss: eine Kür, deren Elemente zwar bekannt sind, ihre Reihenfolge jedoch erst kurz vor dem Start den Fliegern mitgeteilt wird.

Bescheiden wie er ist, lobt der erst 20 Jahre alte Vizemeister zunächst seine Trainerin: »Sie gibt ihr Wissen weiter und freut sich, wenn es bei mir gut läuft - da gibt es keine Spur von Konkurrenz.« Die ehemalige Deutsche Meisterin und zweifache WM-Teilnehmerin Tine Kirchberg flog übrigens »ganz nebenbei« nach zehnjähriger, familiär bedingter Pause bei den Meisterschaften mit und wurde gleich wieder Neunte in der Unlimited Kategorie.

Der aus der Werft eines polnischen Flugzeugbauers stammende Swift gilt als Formel-1-Renner und ist auch nicht ganz billig. Erfreulicherweise jedoch lässt sich ein Swift (zu Deutsch: Schwalbe) jederzeit wieder zum Einstandspreis verkaufen. Die Wertstabilität ergibt sich auch daraus, dass nur etwa drei Dutzend der Hochleistungsflieger jemals gebaut wurden.

In Renntempo hat auch David Friedrich seine Fliegerkarriere gestaltet. Los ging es mit 14 als Flugschüler im heimischen Aero-Club Bad Nauheim, mit 17 machte er seine Segelfluglizenz, 50 Flugstunden später hielt er seine Kunstflugberechtigung in Händen. Jetzt mit 20 ist er Deutscher Vizemeister. Der junge Mann mag es eben »kurz und knackig«. Darum fand er auch mehr Spaß am minutenkurzen Kunstflug als am mehrstündigen Streckensegelflug. Und als nächstes? »Erst einmal geht es für neun Monate mit dem Programm Work and Travel nach Australien und dann wohl studieren.« Ein guter Job bietet die besten Voraussetzungen, den Sport betreiben zu können. Die Kunst des Segelfliegens ist nämlich eine brotlose. Statt in den Urlaub zu fahren, stecken viele ihr Erspartes in Training und Wettbewerbsteilnahme. Ein Jahr Training kostet den Sportler etwa 2000 Euro, eine WM-Teilnahme verursacht Kosten von 3000 Euro und mehr. In der Luft lautet Davids Ziel natürlich, nach dem Vorbild seiner Trainerin, in die Unlimited-Klasse aufzusteigen. Die Sorge, in Downunder seine Qualitäten als Segelflieger zu verlieren, hat der Pilot nicht: »Kunstflug ist zum großen Teil eine Sache des Kopfes.«

Wie Formel-1- oder Bobfahrer fliegen Trainer und Pilot zuvor das Programm mit geschlossenen Augen am Boden durch. Erst einmal in der Luft, kann der Trainer nur noch wenig eingreifen. Schließlich dauert ein Flug gerade einmal vier Minuten. Mehr als ein »Flügel waagerecht« oder »Linie halten« lässt sich da nicht rüberbringen.

Wer Segelkunstflug »Unlimited« live sehen möchte, muss dafür nicht bis zur nächsten Deutschen Meisterschaft warten. Am Tag der offenen Tür des Vereins auf dem Flugplatz in Ober-Mörlen, der am 14. und 15. August stattfindet, zeigt Tine Kirchberg Segelkunstflug als faszinierenden Tanz am Himmel. Christian Dahlhaus

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