20. Juli 2010, 15:50 Uhr

Der Deutsche Meister will jetzt Profi werden

Blauer Himmel, Sonnenschein, 36 Grad - Schwimmbad-Wetter für jeden Jugendlichen. Für fast jeden. Julian Dudda hat statt der Badesachen die die Trainingstasche gepackt und sitzt im Auto, während Klassenkameraden und Freunde sich die Zeit längst am See vertreiben. 22 Kilometer sind’s von Wöllstadt nach Frankfurt an den Riederwald - fünfmal wöchentlich wird der 17-Jährige von seinem Vater Dirk gefahren
20. Juli 2010, 15:50 Uhr
Deutscher U17-Meister mit Eintracht Frankfurt: Julian Dudda aus Wöllstadt darf vom Profi-Fußball träumen. (Foto: Storch)

»Ja, man muss auf vieles verzichten und macht sich schon mal seine Gedanken, ob man vielleicht etwas verpasst. Wenn Du aber am Ende die Trophäe in den Händen hältst, dann weißt Du, wofür Du das alles getan hast.« Ende Juni ist der Innenverteidiger mit Eintracht Frankfurt Deutscher U17-Meister geworden – eine Nominierung in den DFB-Nachwuchs-Kader und ein Profi-Vertrag sind die nächsten ehrgeizigen Ziele des gebürtigen Bad Nauheimers.

Die Veranlagung, einmal in der Bundesliga Fuß fassen zu können, wird dem Wetterauer Bub durchaus nachgesagt. Im Eintracht-Nachwuchs zählt Julian Dudda zum Stammpersonal und wurde im Mai 2009 für das U 16-Länderspiel gegen Frankreich auf Abruf nominiert. Von den Ex-Profis Alexander Schur (zuletzt sein U17-Trainer) und Armin Kraaz (Stellvertrender Leiter des Eintracht-Leistungszentrums) bekommt der 88 Kilogramm schwere und mit 1,93 Meter hoch aufgeschossene Abwehrspieler ein positives Feedback, auch DFB-Sportdirektor Matthias Sammer hat den Hessenauswahlspieler bereits beobachtet. Trotz des Lobes gibt sich der Wöllstädter beim Besuch in der WZ-Sportredaktion bodenständig. »Es ist ein verdammt weiter Weg in das Profi-Geschäft. Das weiß ich, und deshalb werde ich auch sicher nicht abheben«,sagt er.

Dudda erlernte das Fußball-ABC in Wöllstadt und spielte sich in Echzell und Wölfersheim in die Kreisauswahl unter den Coaches Norbert Maas, Michael Götz und Thomas Dechant - damals noch als »Zehner« und auf der Mittelstürmer-Position. Während eines Turniers wurde er als 13-Jähriger von Eintracht-Nachwuchscoach Samat El Messaoudi angesprochen, und über den Umweg FSV Frankfurt (U 14) führte sein Weg nur ein Jahr später zum Bundesliga-Klub vom Main, wo er Zweikampfverhalten, Stellungsspiel und taktische Intelligenz als individuelle Stärken in der Innenverteidigung optimal einsetzen kann. »Ich muss sicher noch etwas spritziger werden; vielleicht auch etwas lauter, um meine Nebenleute besser zu führen«, weiß Dudda, der im Vergleich zu vielen seiner Alterskameraden reif und erwachsen wirkt und in seiner persönlichen Entwicklung ganz gewiss von den Gepflogenheiten im Bundesliga-Nachwuchs profitiert.

Spätestens im B-Junioren-Alter ist der Eintracht-Adler auf der Brust Privileg und Bürde zugleich. Wer von der Karriere träumt, muss zu Einschnitten bereit sein. »Die echten Talente haben verstanden, worum es geht. Da kann man tagtäglich auf dem Trainingsplatz beobachten«, hat Vater Dirk Dudda, Schlossermeister im Familienbetrieb, im Laufe der Zeit festgestellt. Alkohol ist quasi tabu, nächtliche Partys finden meist ohne den jungen Wöllstädter statt.

Seit vier Jahren schon chauffiert Vater Dudda seinen einzigen Sprößling statt nach Echzell und Wölfersheim, wo seinerzeit Talente aus dem Kreis Friedberg zusammengeführt werden sollten und auch Julian spielte, nach Frankfurt. Die nahezu täglichen Fahrten empfinde er aber als »Spaß und nicht als Belastung.« Man lerne immer wieder neue, interessante Menschen kennen - und außerdem stamme man aus einer fußballverrücken Familie.

Großcousin Thomas Drescher, früher KSV Klein-Karben und heute beim Regionalligisten Eintracht Trier unter Vertrag stehend, kommt auf 18 Bundesliga-Einsätze für den 1. FC Kaiserslautern, und Jakob Drescher aus Groß-Karben, der Bruder seines Großvaters, spielte in den 60er Jahren gar mit den jungen Franz Beckenbauer und Gerd Müller zusammen für den FC Bayern München.

»Wenn Du es schaffen willst, musst Du alles andere aufgeben«, weiß Julian Dudda, der von Ex-Profi Thomas Sobotzik beraten wird, und hat seinen Tag entsprechend organisiert. Nach der Schule - der Single strebt nach dem Realschulabschluss das Fachabitur an - und dem Mittagessen chattet der Teenager meist am PC mit Freunden und Gegenspielern aus der gesamten Republik, am späten Nachmittag geht’s ins Training, und abends gegen 20.30 Uhr ist der Esstisch erneut von Mutter Andrea gedeckt. »Viel Freizeit bleibt nicht«, sagt Dudda, der sich als Fan des Eishockey-Oberligisten EC Bad Nauheim bekennt und quasi kein Heimspiel auslässt - »selbst wenn ich erst zum zweiten Drittel komme«.

Das Beispiel Sonny Kittel - der bisherige U17-Teamkollege aus Gießen hat einen Profi-Vertrag unterzeichnet - zeige ihm aber, »wie schnell plötzlich alles gehen kann«, sei Ansporn, »vielleicht im nächsten Jahr selbst dabei sein zu können - Michael Skibbe ist bekanntlich ein Trainer, der auf den Nachwuchs baut«, glaubt Dudda an seine Chance, zumal in Frankfurt nach dem Titelgewinn heroisch von der »Goldenen Generation« gesprochen wurde, die da heranwachse.

Allerdings müsse man von Spiel zu Spiel denken, seine beste Leistung abrufen und auch mit Rückschlägen umgehen können. Dudda weiß, wovon er spricht. Eine Verletzung während der entscheidenden Phase der sprtlichen Entwicklung könnte den Traum zerstören. Schon einmal musste er nach einem Meniskusriss fast sechs Monate pausieren und den Anschluss zu den Teamkollegen erst wieder finden. »Das ist Vergangenheit und ausgeheilt«, sagt Dudda, der mit seinem Teamkollegen für den jüngsten Titelgewinn vom Klub mit einer Abschlussfahrt nach Mallorca belohnt worden war. Julian Dudda hat das Training inzwischen wieder aufgenommen. Unter Slaven Skeledzic lebt der 17-Jährige nun in der U19-Mannschaft weiter seinen Traum, während andere Alterskameraden auf der Schwimmbadwiese liegen.

Michael Nickolaus

Julian Dudda nach dem ersten Bundesligaspiel im Eintracht-Trikot 

Julian Dudda: Aufbruch in der Endzeit-Stimmung

Schlagworte in diesem Artikel

  • 1. FC Kaiserslautern
  • Blauer Himmel
  • Deutsche Meister
  • EC Bad Nauheim
  • Eintracht Frankfurt
  • Eintracht Trier
  • FC Bayern München
  • FSV Frankfurt
  • Franz Beckenbauer
  • Gerd Müller
  • Julian Dudda
  • Matthias Sammer
  • Michael Skibbe
  • Sonny Kittel
  • Thomas Dechant
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.