11. Oktober 2018, 07:00 Uhr

Handball-Derby

Wetterauer Landesliga-Derby: Ein Duell auf Augenhöhe - nicht nur der Teams

Derby-Zeit in der Handball- Landesliga – und nicht nur das. Das Duellzwischen der TG Friedberg und dem TV Petterweil ist auch eines zweier Leistungsträger, die man in dieser Liga nicht erwarten würde.
11. Oktober 2018, 07:00 Uhr
Aljoscha Schmidt (am Ball) hat seine Karriere im Profi-Handball bereits hinter sich, seit dieser Saison ist er als spielender Co-Trainer bei Landesliga-Aufsteiger TG Friedberg aktiv. Am Freitagabend trifft er in seinem ersten Wetterauer Derby auf den TV Petterweil. (Foto: Nici Merz)

Am Freitagabend kommt es in der Handball-Landesliga um 20.30 Uhr in der Friedberger Sporthalle am Seebach zum ersten Wetterau-Derby der Saison zwischen der gastgebenden TG Friedberg und dem Nachbarn TV Petterweil . Sicherlich gab es solche Derbys auch in der Vergangenheit, dass es aber auch gleichzeitig das Spitzenspiel des Wochenendes darstellt, ist neu – zumal die Friedberger als Aufsteiger sogleich die Tabellenführung übernommen haben. Auch wenn es für beide Mannschaften erst das fünfte Spiel in der noch jungen Saison ist, erstaunt es schon, dass sich die beiden heimischen Mannschaften derzeit unter den Top-Drei der Tabelle einer überregionalen Liga befinden. Für die nach Spitzenhandball lechzenden Wetterauer Handballfans ist es Wasser auf die Mühlen ihrer Sehnsüchte.

Obwohl Trainer allerorten nicht müde werden, auf die mannschaftliche Geschlossenheit ihrer Teams hinzuweisen, sind es in großen Spielen oftmals große Einzelspieler die den Unterschied ausmachen. Wir stellen deshalb von beiden Teams jeweils einen Akteur vor, der in der Lage ist, in diese entscheidende Rolle zu schlüpfen.

Handball-Landesliga: Das Duell Aljoscha Schmidt versus Florian Wassberg

Youngster Florian Wassberg vom TV Petterweil war schon mit der A-Jugend der HSG Wetzlar deutscher Meister, ehe er zu seinem Heimatverein zurückgekehrt ist. (Foto: Nici Merz)
Youngster Florian Wassberg vom TV Petterweil war schon mit der A-Jugend der HSG Wetzlar de...

Aufseiten der Gastgeber steht mit dem 34-jährigen Aljoscha Schmidt ein langjähriger Bundesligaspieler seit Saisonbeginn im Blickpunkt. Der Dutenhofener hat den größten Teil seiner Karriere bei GWD Minden gespielt und dort wegen einer schweren Schulterverletzung das Kapitel Bundesligahandball beendet. Die Verantwortlichen der TG Friedberg hatten ihn an sich auf der Suche nach einem sportlichen Leiter kontaktiert. In Gesprächen hat sich schließlich heraus kristallisiert, dass Schmidt aber auch noch Lust verspürt, selbst zu spielen. Beide Seiten kamen überein, dass Schmidt als spielender »Co« von Trainer Sven Daxer bei der Turngemeinde einsteigt. Im Gegensatz zu seiner Zeit in der Bundesliga, in der Schmidt auf die Linksaußenposition spezialisiert war, wird der Neuzugang bei den Kreisstädtern im Rückraum eingesetzt. Mit seiner großen Erfahrung ist er speziell in kritischen Situationen immer ein Faktor. Er bringt die nötige Ruhe ins Spiel und sorgt dafür, dass die Mannschaft geduldig bleibt und nicht unnötig in Hektik verfällt. Im Gegensatz zu anderen Co-Trainern, die lediglich auf der Bank arbeiten, kann er auf dem Spielfeld seinen Mitspielern wesentlich mehr und auch andere Dinge vermitteln, als es von außen der Fall sein kann. Vor allem die jungen TG-Spieler profitieren so von ihm. Dies haben die ersten Spiele bereits gezeigt.

Bei den Gästen aus Petterweil richtigen sich viele Blicke auf den erst 19-jährigen Florian Wassberg, richten, dessen Wechsel zurück zu seinem Heimatverein aufhorchen ließ. Es ist nämlich nicht alltäglich, dass ein ambitionierter Jugendspieler, der mit der A-Jugend der HSG Wetzlar Deutscher Meister wurde und dem die große Welt des Handballs offenstand, wieder zu seinem Heimatverein in die Landesliga wechselt, bei dem er als Knips mit dem Handballsport angefangen hatte. Auf die Frage nach dem Warum, stößt man schnell auf ein Wort: Aufwand. In Wetzlar standen bis zu fünf Trainingseinheiten unter der Woche und Fahrten zu Spielen mit langen Anfahrtswegen durch die halbe Republik auf der Tagesordnung. Dazu kam noch jeweils die Hin- und Rückfahrt von Petterweil. Auch bei vorliegenden Anfragen von Vereinen der 3. Liga und der Oberliga wäre dieser Aufwand nicht wesentlich geringer gewesen. Dies alles mit seinem Studium im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen, wo er sich derzeit im dritten Semester befindet, zu verbinden erschien Wassberg nur schwer möglich. Wichtig war dem spielstarken Rückraumshooter aber auch die Wahrscheinlichkeit hoher Spielanteile bei seinem TVP. Denn nur die bringen junge Sportler weiter. In Petterweil hat er nun eine Mannschaft vorgefunden, die aus einer guten Mischung von erfahrenden und jungen Akteuren besteht und mit Martin Peschke einen Trainer hat, der nah an den Spielern ist. Dieser beschreibt Wassberg als bodenständig und ehrgeizig. Er bescheinigt ihm, auf Anhieb die Lücke geschlossen zu haben, die durch das Ausscheiden von Björn Ehmer entstanden war. »Sicherlich fehlt ihm aufgrund des Alters noch Erfahrung im Erwachsenenbereich, aber bei uns darf er spielen, Fehler machen und daraus lernen. Er war von Anfang an Leistungsträger und ist in Angriff- und Abwehr gut geschult. In der Mannschaft ist er anerkannt, seine Stimme hat Gewicht«, skizziert ihn sein Trainer.

Vor derm Derby Friedberg gegen Petterweil: Schmidt und Wassberg im Interview

Wie bewerten Sie die Eingewöhnung in ihrer neuen Mannschaft?

Aljoscha Schmidt: Von der Mannschaft bin ich super aufgenommen worden. Es ist eine homogene Truppe. Alle wollen, nicht nur im Spiel, sondern auch im Training. Ich selbst nehme die Liga an, lasse mich darauf ein und gebe in jedem Spiel Vollgas.

Florian Wassberg: Ich bin super aufgenommen worden und fühle mich komplett integriert. Viele Spieler in der Mannschaft kenne ich aber auch schon lange und habe mit ihnen auch schon zusammen gespielt.

Ich nehme die Liga an, lasse mich darauf ein und gebe in jedem Spiel Vollgas

Aljoscha Schmidt

Sind Ihnen bisher in der Landesliga Besonderheiten aufgefallen, die Sie überrascht haben oder die sie nicht kannten?

Schmidt: Es ist ein anderer Handball als in höheren Ligen, was im Wesentlichen daran liegt, dass in Hessen, anders als in anderen Landesverbänden ohne Harz gespielt wird. Das nimmt dem Spiel Qualität und Schnelligkeit. Spieler, denen der Umgang mit Harz vertraut ist, brauchen eine Eingewöhnungszeit. Als ehemaliger Außenspieler sehe ich, dass von dieser Position dadurch spektakuläre Würfe wie Dreher oder Leger ausbleiben.

Wassberg: Eher nicht, da ich diese Liga schon seit mehreren Jahren verfolge. Im Unterschied zur Bundesliga A-Jugend wird im Männerbereich zwar härter gespielt, dafür war es bei den Junioren aber schneller.

Wie lauten Ihre persönlichen Ziele und wie die der Mannschaft für die gerade begonnene Spielzeit?

Schmidt: Was das Persönliche betrifft: Gesund bleiben. Ich hatte einen Muskelbündelriss, das kommt immer mal wieder hoch und verursacht Probleme in der Wade. Die Schulter ist okay. Ich will spielen und fühle mich mit meinen 34 Jahren als Oldie der Truppe gut, auch die Fitness stimmt. Durch die aktuelle Punktausbeute, die zwar eine Momentaufnahme darstellt, hat die Mannschaft gesehen, was sie zu leisten im Stande ist. Unser ursächliches Ziel ist es die Klasse zu halten. Jetzt geht es in Richtung frühzeitiger Klassenerhalt. Wenn das absehbar ist, werden wir uns mit Team und Trainer zusammensetzten und neue Ziele erarbeiten.

Wassberg: Wir wollen als Mannschaft möglichst früh nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben. Ich selbst möchte eine verletzungsfreie Saison mit möglichst vielen Spielanteilen haben, in der ich mich als Handballer weiterentwickle.

Wie sind Ihre Erwartungen ans Derby?

Schmidt: Ich freue mich auf das Zusammentreffen mit Martin Peschke, den ich sehr schätze. Das Derby hat Brisanz für beide Vereine. Als Außenstehender habe ich so etwas hier noch nicht erlebt. Derbyerfahrung habe ich aber aus meiner Zeit in Minden mit den Spielen gegen Nettelstedt. Wenn sich am Freitag die Halle füllt, wird man absehen können, wie es im Spiel wird, wie wir als Mannschaft abliefern. Wir können das. Es wird sicherlich ein tolles Spiel für die Zuschauer.

Wassberg: Das Derby wird mit vielen Emotionen bestückt sein und an Spannung wird es nicht fehlen. Ich erwarte aber trotzdem ein faires Spiel.

Das Derby wird mit vielen Emotionen bestückt sein und an Spannung wird es nicht fehlen

Der Autor

Wie geht das Spiel aus?

Schmidt: Ich hoffe, wir haben nach dem Spiel 9:1 Punkte.

Wassberg: Für mich ist Friedberg eine sehr starke Mannschaft, die sich aufgrund von starken Neuzugängen bisher gut präsentiert hat. Außerdem spielen sie als Heimmannschaft. Es wird sicherlich ein knappes Spiel, bei dem die Tagesform entscheiden wird. Ich freue mich jedenfalls schon auf Freitag.

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