10. Januar 2019, 07:00 Uhr

Handball-WM

Wetterauer Handballer hoffen auf den WM-Hype

Die Vorfreude steigt. Heute geht die Handball-WM in Deutschland und Dänemark endlich los. Wir haben uns bei den Handballern in der Wetterau umgehört, was im Vorfeld bewegt.
Das große Ziel: der Pokal der Handball-Weltmeisterschaft 2019. Heute beginnen die Titelkämpfe in Dänemark und Deutschland. (Foto: dpa)

Die Gedanken gehen zurück ins Jahr 2007, als »Mimi« Krause, Markus Baur, Henning Fritz, Pascal Henß, Oliver Roggisch und Co. eine nie erwartete Euphorie bei der Handball-Weltmeisterschaft im eigenen Land auslösten und von ihr bis zum Titel getragen wurden. Nach dem Sommermärchen im Fußball folgte das Wintermärchen im Handball. Überall wehten die schwarz-rot-goldenen Fahnen – der deutsche Handball war in der ganzen Republik Thema Nummer eins. Kann die aktuelle Mannschaft um die ehemaligen Wetzlar Lokalmatadoren Steffen Fäth, Jannik Kohlbacher und Keeper Andy Wolff eine ähnliche Begeisterung entfachen? Was wird ihnen zugetraut, wie sehen die hiesigen Handballer die unfreiwillige Pause ihres Ligabetriebes und wie wollen sie die Spiele verfolgen? Wir haben nachgefragt.


Jürgen Weiß und die Freude über das gemeinsame Public Viewing mit dem TSV Griedel

Jürgen Weiß ist Teammanager des TSV Griedel. (Foto: pv)
Jürgen Weiß ist Teammanager des TSV Griedel. (Foto: pv)

Jürgen Weiß (Teammanager TSV Griedel): »Das Halbfinale muss das Ziel sein. Wobei während einer Heim-WM mit den Fans im Rücken auch immer der Titel möglich ist. Der DHB ist einer der großen Handball-Verbände, da können wir uns nicht hinstellen und mit einem sechsten Platz zufrieden sein. Mir ist wichtig, eine Einheit zu sehen. Das war bei der letzten EM nicht der Fall. Der Trainer war neu, hat Fehler gemacht und sich nicht auf seine Spieler eingelassen, beziehungsweise die falschen personellen Entscheidungen getroffen. Wenn Trainer und Team zusammenarbeiten, kann die Mannschaft Erfolg haben. Gerade am Kreis sind wir sehr gut besetzt, da zählen wir sicher zur Weltspitze. Die Probleme auf der Spielmacher-Position sind ebenso bekannt. Die Spiele unsere Mannschaft werden wir bei unserem Vereins-Wirt in der »Friedenslinde« verfolgen. Vieles, was im Fußball selbstverständlich ist, ist bei der Handball-Familie anders. Ich habe festgestellt, dass immer weniger Handballer ihren eigenen Sport, sei es die Nationalmannschaft oder die Bundesliga verfolgen. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir nun eine Möglichkeit haben, die Partien zusammen anzuschauen. Um Tickets habe ich mich – anders als bei der Heim-WM 2007 – aber nicht bemüht. Zum einen sind die Kinder inzwischen groß, zum anderen hat mich die letzte EM doch zu sehr enttäuscht. Da hat mir der Antrieb gefehlt.«


Martin Peschke vom TV Petterweil kann leider nicht live vor Ort sein

Martin Peschke (r.) ist Trainer des Landesligisten TV Petterweil. (Foto: ras)
Martin Peschke (r.) ist Trainer des Landesligisten TV Petterweil. (Foto: ras)

Martin Peschke (Trainer TV Petterweil): »Ich habe die letzten Testspiele verfolgt und freue mich, dass es nun losgeht. Leider kann ich aus beruflichen und handballerischen Gründen nicht selbst live vor Ort sein. Ich denke aber, auf der Grundlage einer starken Abwehr und einer gut vorgetragenen ersten und zweiten Welle kann die DHB-Auswahl eine gute WM spielen. Die Torwart-Position ist sicher das Prunkstück im Kader. Um nach der enttäuschenden EM im Vorjahr ein klares Signal zu setzen, sollte die Halbfinal-Teilnahme das Ziel sein. Eine bedeutende Rolle spielt es, wie wir in das Turnier kommen. Bei einer WM sollte das mit Gegnern wie Korea und Brasilien leichter sein als bei einer EM. Wenn es gut läuft, dann haben sich die Probleme schnell verflüchtigt. Einen klaren Turnierfavoriten sehe ich nicht. Als Bundestrainer hätte ich bei der Nominierung aber sicherlich auf Spieler wie Michael »Mimi« Kraus und Tobias Reichmann gebaut.«

Sven Tauber ist der Coach des Wetterauer Bezirksoberligisten HSG Wettertal. (Foto: Nici Merz)
Sven Tauber ist der Coach des Wetterauer Bezirksoberligisten HSG Wettertal. (Foto: Nici Me...

Sven Tauber (Trainer HSG Wettertal): »In meinen Augen hat sich Christian Prokop das Leben wieder einmal selbst unnötig schwer gemacht. Warum nimmt er nur einen Rechtsaußen mit? Als riskant sehe ich auch die Nominierung von Silvio Heinevetter im Tor. Da hätte ich eher einen Teamplayer wie Jogi Bitter mitgenommen. Ich weiß auch nicht, ob es richtig ist, auf Martin Strobel zu setzen. Er ist sicher ein guter Handballer, aber in der zweiten Liga fehlen ihm die Gegner und die Praxis auf höherem Level, um sich auch bei einer WM behaupten zu können. Das sind mir insgesamt zu viele Experimente. Der Erfolg der WM steht und fällt mit den ersten beiden Spielen. Wenn die Mannschaft gegen Korea und Brasilien nicht souverän auftritt und klar gewinnt, sondern sich mehr oder weniger quält, dann hagelt es gleich Kritik und dann bange ich auch um die Hauptrunden-Teilnahme. Dann kann es im weiteren Vorrundenverlauf noch eine ganz gruselige Angelegenheit werden. Die Mannschaft ist derzeit nicht das, was sie einmal war. Auch die Vorbereitung wirkte mir da ein bisschen aufgesetzt – mehr Schein als Sein. Frankreich, Dänemark, Kroatien, Spanien, Schweden und Norwegen, die großen sechs Nationen, werden das ab dem Halbfinale unter sich ausmachen. Da gehört Deutschland momentan leider nicht dazu.«


Aljoscha Schmidt von der TG Friedberg kennt viele der deutschen WM-Fahrer

Ex-Profi Aljoscha Schmidt ist seit diesem Jahr Co-Trainer und Spieler der TG Friedberg. (Archivfoto: Friedrich)
Ex-Profi Aljoscha Schmidt ist seit diesem Jahr Co-Trainer und Spieler der TG Friedberg. (A...

Aljoscha Schmidt (Rückraumspieler und Co-Trainer der TG Friedberg): »Ich freue mich, dass es am heutigen Donnerstag losgeht, denn mein Interesse ist natürlich da. Eine WM verfolge ich zu 100 Prozent. Das ist das Größte, was es für einen Sportler gibt. Und selbst eine Truppe mit so vielen jungen Spielern wird nur einmal die Chance bekommen, eine Heim-WM zu spielen. Die Unterstützung durch die Fans wird mega sein. Der Fokus liegt komplett auf der Mannschaft. Sie hat ein unglaubliches Potenzial. Wenn sie das zum richtigen Zeitpunkt abrufen kann, dann kann sie jeden schlagen, auch wenn natürlich andere Teams ebenfalls sehr stark besetzt sind. Aber alleine schon auf dem Papier sind wir mit Blick auf unsere Spieler, ihre Vereine und die Leistungen, die sie nur in dieser Saison gebracht haben, bereits Mitfavorit. Ob es dann für das Halbfinale oder sogar für mehr reicht werden wir sehen. Da ist auch Vieles von der Tagesform abhängig, davon, wie das Team in das Turnier reinkommt, vor allem aber, welchen Charakter die Mannschaft während des Wettbewerbs entwickelt. Ich kenne die meisten Spieler, sie haben alle für sich genommen Charakter, jetzt müssen sie sich finden und die Fans begeistern. Die Euphorie eines deutschen Erfolgserlebnisses würde durchschlagen und den geilsten Sport der Welt in Deutschland wieder etwas mehr in den Fokus rücken.«

Thomas Roth ist Vorsitzender des TSV Södel - und spielt zudem in der ersten Mannschaft seines Vereins. (Foto: Nici Merz)
Thomas Roth ist Vorsitzender des TSV Södel - und spielt zudem in der ersten Mannschaft sei...

Thomas Roth (Spieler und Vorsitzender des TSV Södel): »Für mich ist die Weltmeisterschaft auch ein schönes Event, um im eigenen Verein wieder mehr zusammenzukommen. Deshalb haben wir für unsere Jugendteams, aber auch für die Aktiven, Public Viewings für die deutschen Spiele organisiert. Darauf bin ich schon heiß. Ich denke für das Team ist das Halbfinale mindestens drin, denn Deutschland ist und bleibt eine Turniermannschaft, auch wenn ich mir vom Bundestrainer, den einen oder anderen Namen im Kader gewünscht hätte. Die Begründung gegen einen Tobias Reichmann oder einen Michael Allendorf war mir persönlich etwas zu dünn. Die Mannschaft ist nun voll auf Dynamik und ein schnelles Handballspiel ausgerichtet, dabei geht etwas die Wurfkraft verloren. Von der letzten EM ist leider gar nichts hängengeblieben für den Sport, daher hoffe ich, dass die Mannschaft und dann auch die Medien einen Hype auslösen, bei dem Fans und Spieler der Zukunft geboren werden. Denn wenn junge Leute zum Handball statt woandershin zum Sport gehen, dann tut das kleinen Vereinen wie uns gut. Wir brauchen aber positive Geschichte von der WM, um davon zu profitieren.«

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