Handball-EM

Vor dem EM-Start: Das traut die heimische Handball-Prominenz Deutschland zu

Am Samstag beginnt für die deutsche Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Kroatien die Mission Titelverteidigung. Die Mehrheit der heimischen Handball-Experten traut dem Team eine Menge zu.
10. Januar 2018, 12:00 Uhr
Jannik Kohlbacher von der HSG Wetzlar ist von der isländischen Abwehr nicht mehr zu stoppen und erzielt einen seiner zwei Treffer im Testpsiel. (Foto: dpa)

Vor zwei Jahren war Deutschland in einem Handballrausch. Das deutsche Team um den damaligen Bundestrainer Dagur Sigurdsson überraschte als Außenseiter und holte sich nach einem beeindruckenden 24:17-Finalsieg gegen Spanien den Europameistertitel. Zwei Jahre danach zählt Deutschland wieder zu den Mitfavoriten, doch viele heimische Handball-Größen glauben nicht an einen erneuten Coup der Mannschaft von Trainer Christian Prokop. Eine Nation wird bei der Frage nach dem Favoriten häufig genannt.

 

Daniel Wernig  	(ras)
Daniel Wernig (ras)

Daniel Wernig (Rechtsaußen beim Bundesligisten TV 05/07 Hüttenberg): »Mit einigen der Spieler habe ich bei den Junioren noch zusammen bei Welt- und Europameisterschaften gespielt. Die Tests gegen Island haben gezeigt, dass die Mannschaft konkurrenzfähig ist. Das Viertelfinale erreichen wir bestimmt, die Qualität und die individuellen Klasse dafür haben wir auf jeden Fall. Alles, was danach kommt, ist sehr schwer einzuschätzen. Vor zwei Jahren hat sich die Mannschaft in einen Rausch gespielt. Seitdem hat es aber auch einige Veränderungen gegeben – ein neuer Trainer mit eigenen Ideen und andere Spieler sind hinzugekommen. Topfavorit sind für mich die Franzosen, an ihnen führt kein Weg vorbei. Wenn es unser Trainingsplan zulässt, werde ich Spiele natürlich anschauen. Wir selbst haben in der Rückrunde aber noch eine große Aufgabe vor uns und werden wegen der EM kein Training ausfallen lassen.«

 

Sven Tauber	(nic)
Sven Tauber (nic)

Sven Tauber (Trainer beim Bezirksoberligisten HSG Wettertal): »Die deutsche Mannschaft hat nach dem gewonnenen Europameistertitel vor zwei Jahren ihre gute Entwicklung fortgesetzt. Trotzdem traue ich ihr die Titelverteidigung nicht zu. Vor zwei Jahren wurden wir unterschätzt, was diesmal nicht der Fall sein wird, weil jedes Team weiß, zu was die Jungs imstande sind. Deutschland wird die Zwischenrunde erreichen, aber spätestens im Halbfinale wird Endstation sein. Denn der deutsche Kader ist zu dünn besetzt, was die deutsche Mannschaft schon im ersten Gruppenspiel am Samstag gegen Montenegro spüren dürfte. Wir haben eine starke erste Sieben, aber wenn man mal wechseln muss, wird die Mannschaft ihr Niveau nicht halten können. Nicht verstehen kann ich, dass Linksaußen Rune Dahmke (vom THW Kiel, Anm. d. Red.) nicht dabei sein wird. Denn gerade auf dieser Position haben wir – abgesehen von Uwe Gensheimer – kaum Optionen. Der große Favorit ist für mich Frankreich, aber auch mit Kroatien ist als Gastgeber natürlich zu rechnen. Ich bin mir sicher, dass es in der K.-o.-Runde nur noch enge Spiele geben wird, denn die europäischen Top-Teams agieren auf einem ähnlich hohen spielerischen Niveau.«

 

Dr. Hans-Jürgen Gerlach (Foto: pm)
Dr. Hans-Jürgen Gerlach (Foto: pm)

Dr. Hans-Jürgen Gerlach (Ex-Bundesligatrainer): »Die Endrunde werden wir erreichen, aber den Titel zu verteidigen, wird sehr schwer werden. Auf den Außen sind wir mit Reichmann und Gensheimer sehr gut besetzt. Schade, dass der beste deutsche Torhüter, Carsten Lichtlein, nicht nominiert wurde. Etwas komisch finde ich, dass der Bundestrainer in Kohlbacher, Pekeler, Wiencek und Roschek gleich vier Kreisläufer mitnimmt und nur einen Linksaußen, zumal Gensheimer verletzungsanfällig ist. Unser Spielkonzept ist nicht so schlüssig, weil es ein bisschen einfach strukturiert ist. Für mich ist Frankreich der Favorit, auch die Spanier schätze ich stark ein. Wenn es meine Zeit erlaubt, werde ich Spiele natürlich am Fernsehen verfolgen.«

 

André Avemann	(uc)
André Avemann (uc)

André Avemann (Rückraumspieler beim Bezirksoberligisten TG Friedberg): »Ich halte es für möglich, dass wir wieder Europameister werden. Denn die deutsche Mannschaft ist nicht nur spielerisch stark, sondern hat auch einen hervorragenden Teamgeist. Vor zwei Jahren hat jeder für den anderen unermüdlich gekämpft – und das wird jetzt wieder so sein. Etwas schade finde ich, dass Bundestrainer Christian Prokop in der Abwehr auf Finn Lemke (von der MT Melsungen, Anm. d. Red.) verzichtet. Denn vor zwei Jahren hatte er ein ganz starkes Turnier gespielt und der Abwehr Stabilität verliehen. Nichtsdestotrotz kann Deutschland jeden Gegner schlagen – auch die französische Mannschaft, die bei einem normalen Turnierverlauf den Pokal holen wird. Sie spielen zwar nicht den schönsten, aber den mit Abstand effektivsten Handball. Die deutsche Mannschaft habe ich mir am vergangenen Freitag im Testspiel gegen Island (36:29-Sieg, Anm. d. Red.) angeschaut und habe nun ein gutes Gefühl. Allerdings muss man ganz klar sagen, dass Island nicht der Maßstab sein kann. Wir agieren auf einem Niveau mit Dänemark, Spanien und Kroatien.«

 

Jürgen Weiß 	(pv)
Jürgen Weiß (pv)

Jürgen Weiß (Teammanager beim Landesligisten TSV Griedel): »Unsere Nationalmannschaft hat sich in den letzten Jahren zurück in die Weltspitze gearbeitet. Auch bei der Europameisterschaft in Kroatien wird die Mannschaft von Trainer Christian Prokop bei der Vergabe des Titels ein gewichtiges Wort mitsprechen. Die Nominierungen von Prokop haben mich auf einigen Positionen überrascht. Besonders die Tatsache, dass vier Kreisläufer im Kader stehen und auf Abwehrchef Till Lemke verzichtet wurde, verwundert mich. Zudem hätte ich dem jungen Linkshänder Fabian Wiede gewünscht, dass er weitere Erfahrungen auf dem internationalen Parkett machen kann. In der Vorrunde ist die deutsche Mannschaft in der Gruppe C klarer Favorit und sollte mit vier Punkten in die Hauptrunde einziehen. In der Hauptrunde wird die Mannschaft entweder gegen Spanien oder Dänemark gewinnen müssen, um in das Halbfinale einzuziehen. Für Deutschland spricht, dass Trainer Prokop auf einen leistungsstarken Kader zurückgreifen kann.«

 

Schmandt  	(ras)
Schmandt (ras)

Horst-Günther Schmandt (Vorsitzender HSG Pohlheim): »Ich traue der deutschen Mannschaft das Halbfinale zu. Ich glaube, dass die Kroaten dieses Jahr Europameister werden, vor allem, weil sie auch den Heimvorteil haben. Für den Titelgewinn braucht man auch eine Menge Glück, das wir vor zwei Jahren in Polen hatten. Auch die Franzosen schätze ich sehr stark ein. Für mich wäre es eine absolute Sensation, wenn wir den Titel verteidigen würden. Die deutschen Spiele werde ich im Fernsehen schauen, wenn ich es zeitlich hinbekomme.«

 

A. Schmidt 	(hf)
A. Schmidt (hf)

Aljoscha Schmidt (Trainer des Landesligisten SG Lollar/Ruttershausen): »Ich traue der deutschen Mannschaft sehr, sehr viel zu. Wir haben die Riesenmöglichkeit, den Titel zu verteidigen, wenn wir mannschaftlich geschlossen auftreten. Natürlich muss dafür alles rund kaufen. Die Mannschaft, die jetzt nach Kroatien fährt, hat eine unglaubliche Spielintelligenz. Die Spieler sind alle auf einem Topniveau und bis auf Steffen Weinhold, der in Kiel ein bisschen durchhängt, sind sie in guter Verfassung. Als stärkste Konkurrenten sehe ich vor allem die Dänen und Frankreich. Selbstverständlich muss man auch die Kroaten auf dem Zettel haben. Die Zuschauer dort sind unglaublich heiß und werden eine unfassbare Stimmung machen. Natürlich werde ich versuchen, alle Spiele im Fernsehen zu sehen. Weil mein Chef auch sehr handballaffin ist, wird das schon klappen.«

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