05. April 2018, 07:00 Uhr

TG Friedberg

TG-Vorsitzender Peter Schubert: Ein Abschied voller Hochachtung

14 Jahre lang stand er der Handballern der TG Friedberg vor. Kurz vor seinem 80. Geburtstag hat Peter Schubert das Ruder »in jüngere Hände übergeben«. Ein Porträt mit großem Interview zum Abschied.
05. April 2018, 07:00 Uhr
Peter Schubert nimmt nach 14 Jahren an der Spitze der Handballabteilung der TG Friedberg seinen Hut. (Archivfoto: gk) (Foto: O)

Bei der Jahreshauptversammlung der TG Friedberg am 19. März wurde mit Ulrich Kaffenberger ein neuer Abteilungsleiter für die Handballabteilung der Friedberger gewählt. Der Grund: Der bisherige Amtsinhaber Peter Schubert hatte sein Amt niederlegt, dass er stolze 14 Jahre innehatte. »Im Juli werde ich meinen 80. Geburtstag feiern, da erscheint es mir sinnvoll, das Ruder in jüngere Hände zu übergeben«, begründete er seinen Entschluss. Thomas Keck, der Schubert seit mehr als dreißig Jahren kennt, spricht voller Hochachtung von ihm: »Er ist einer der intelligentesten Menschen, die ich kenne. Ein weiser Mann, sozial eingestellt und hat für alles Verständnis. Mit seiner unaufgeregten Art hat er aus manch hitziger Diskussion den Dampf rausgenommen. Er ist ein neuzeitlicher Salomon.«

Er ist ein neuzeitlicher Salomon

Thomas Keck

Es fällt schwer, sich die Friedberger Handballszene ohne den »Pit«, wie er von Freunden liebevoll genannt wird, vorzustellen. Aber das ist auch nicht nötig, denn er wird seiner TG weiterhin zur Verfügung stehen. »In irgendeiner Form arbeite ich weiter, möchte aber nicht als graue Eminenz fungieren. Der Vorstand soll mir Aufgaben zuweisen, die ich dann angehen werde«, sagt Schubert klipp und klar.

 

Leidenschaft für Kunst und Sport

Peter Schubert wirde in Wernigerode im Harz als Sohn eines Bildhauers geboren. Bereits in seiner frühen Kindheit ist er mit der Familie zunächst nach Butzbach gezogen, bevor er über die Zwischenstation Nidda 1955 in Friedberg heimisch wurde. Seit dieser Zeit ist er in Friedberg und Bad Nauheim bestens bekannt und mit beiden Städten vielfältig verbunden. Nach dem Abitur absolvierte er ein Studium der Kunsterziehung in Mainz. Nachdem er seine Staatsexamen abgelegt hatte, arbeitete er zunächst als Kunsterzieher und anschließend bis 1981 als wissenschaftlicher und künstlicher Mitarbeiter an den Hochschulen in Worms und Koblenz. Von 1981 bis zu seinem Ruhestand 2003 war er als Professor für Kunst und Didaktik mit dem Schwerpunkt Malerei an der Universität Dortmund tätig. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Neben diesen umfangreichen beruflichen Aktivitäten fand er aber auch immer wieder Zeit, sich einer anderen Leidenschaft als der Kunst zu widmen: dem Handballsport. »Mit zehn Jahren hatte ich meine ersten Berührungen mit Handball«, erzählt Schubert heute. Verbunden mit dem Umzug nach Friedberg landete er bei der TG, die ihn in der Folge begleitete. Seine aktive Laufbahn ließ er ab dem 50. Lebensjahr langsam ausgleiten – natürlich im Tor, seiner Position. »Gemeinsam mit anderen alten Kämpen habe ich 1989 die Meisterschaft in der C-Klasse errungen – ungeschlagen«, erinnert er sich.

 

Nachfolger Ulrich Kaffenberger: "Pit ist eine ganz tolle Person"

Als Andreas Dickehage den Abteilungsvorsitz 2003 niederlegte, übernahm Schubert das Amt. »Ich bin praktisch ins kalte Wasser gesprungen. Aber die TG verfügt seit jeher über einen gut funktionierenden Vorstand und ist immer ordentlich aufgestellt. Das hat es mir leicht gemacht«, sagt er im Rückblick. Zuvor war er immer schon Ansprechpartner für Friedbergs Handballer gewesen und hatte auch ohne ein Amt zu bekleiden, was ihm aufgrund der beruflichen Abwesenheit nicht möglich gewesen war, stets mitgeholfen, wenn er gefragt wurde.

»Pit ist eine ganz tolle Person mit großem Enthusiasmus. Er hat eine spezielle Art und Weise Dinge auf den Punkt zu bringen und Menschen mitzunehmen. Für mich ist es eine große Herausforderung, seinen Weg weiterzugehen und auszubauen«, sagt sein Nachfolger Ulrich Kaffenberger zum Abschied.

Im Interview

Peter Schubert zum Abschied: "Wir sind gut aufgestellt"

Professor für Kunst, Familienvater, Handballer, Vereinsmensch – Es ist leicht vorstellbar, dass ein Gespräch mit dem scheidenden Vorsitzenden der TG Friedberg, Peter Schubert, vielfältige Interessen und große Lebenserfahrung zutage fördert. Zum Abschied lassen wir Peter Schubert noch einmal zu Wort kommen. Er spricht über…

…seine zwei Leben

Peter Schubert: Das eine und das andere hat sich immer ergänzt. Ich habe nie einen Konflikt gehabt. Der Sport hat in meinem Leben eine wichtige Rolle eingenommen. Mein Engagement dafür habe ich den Kollegen immer gut kommuniziert. Ich hatte immer die Freiheit, meine Zeit selbst organisieren zu können. Der Verein ist kein Muss für mich und nur das wäre mir zu einseitig gewesen.

…seine Motivation, Verantwortung zu übernehmen

Schubert: Es ist wie selbstverständlich passiert. Ich hatte immer viel Spaß und Freude im Verein und weil das so war, kann man auch mal etwas dafür tun. Mit anderen gemeinsam Spaß zu haben ist wichtig, obwohl ich bin kein Feierbiest bin.

…Vereinsfunktionäre

Schubert: Bedingungen zu stellen, um Vorstandsarbeit zu machen, halte ich für einen schlechten Ansatz. Man muss sich klar darüber sein, dass es immer Probleme zu lösen gilt. Ein Beispiel: bei der TG stoßen wir aufgrund des starken Zulaufs, besonders bei den jungen Jahrgängen, mit der Hallenkapazität derzeit an unsere Grenzen.

…seine Position im Tor

Schubert: Ich habe im Tor gestanden, weil es mir draußen einfach zu kompliziert war. Irgendwie bin ich auch ein Einzelgänger.

…Gesichter der TG

Schubert: Ich will keinen vergessen, daher nenne ich mal zwei, die nicht mehr unter uns sind: Helmut »Boogie« Schwarz und Bolko Walter, der lange Zeit sowohl für den Frauen- als auch für den Männer Handball zuständig war. Bei den aktuellen Spielern weiß ich nicht, mit wem ich anfangen soll. Marco Zinnel ist sicherlich eine der Identifikationsfiguren. Wie viele andere Spieler auch ist er aus der eigenen Jugend hervorgegangen. Sehr stolz sind wir auch darauf, dass es uns gelungen ist, Dario Pozgaj, Elvin Petrosanec und Radu Balasz über den Sport hinaus zu integrieren. Sie spielen nicht nur bei uns, sondern sind auch in unsere Jugendarbeit eingebunden.

…die Handballabteilung der TG Friedberg

Schubert: Wir sind auf einem guten Weg und erfahren in der Stadt eine positive Wahrnehmung unserer Arbeit. Wir erhalten Komplimente dafür, wie wir mit der uns anvertrauten Jugend umgehen. Auch Bürgermeister Antkowiak hat, ebenso wie sein Vorgänger Keller, eine positive Beziehung zu uns. Dass wir viele Aktive haben, die als Trainer im Jugendbereich arbeiten, hat sich als gut erwiesen und stärkt unseren familiären Charakter. Dadurch kommen viele Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern zu den Spielen der Aktiven. Das ist atmosphärisch wichtig.

…die TG-Handballabteilung nach seinem Abschied

Schubert: Ich hinterlasse kein Vermächtnis. Ich wünsche mir und dem Verein, dass wir weiter gute Jugendarbeit machen und bei den Aktiven erfolgreich sind. Ich möchte weiterhin Spaß am Handball haben. Wir sollten immer so abgesichert sein, dass es weitergeht. Ein Verein ist gesellschaftlicher Mittelpunkt für viele und übernimmt auch im sozialen Bereich vielfältige Aufgaben.

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