29. Juni 2017, 07:00 Uhr

Neuanfang

TG Friedberg schreitet mit jungen Wilden in die Zukunft

Nach drei Spielzeiten in der Landesliga müssen die Handballer der TG Friedberg künftig in der Bezirksoberliga antreten. Mit einem gestärkten Unterbau wollen die Kreisstädter neu angreifen.
29. Juni 2017, 07:00 Uhr
Die TG Friedberg kann auf ein treues Publikum bauen. (Foto: nic)

Unbedingt gewinnen mussten die Handballer der TG Friedberg Ende April am vorletzten Spieltag, um ihre Chance auf den Klassenerhalt in der Landesliga Mitte wahren zu können. Gegner war die favorisierte MSG Linden, gegen die es bis kurz vor Schluss sehr gut aussah. Eine Minute vor Spielende führten die Kreisstädter mit 29:28, doch 20 Sekunden später folgte der Treffer zum 29:29-Ausgleich. Eine halbe Minute vor Schluss setzten die Kreisstädter ihren letzten Wurf an die Latte des Lindener Gehäuses, so dass der Abstieg besiegelt war. Nach drei ereignisreichen und mitunter erfolgreichen Landesliga-Spielzeiten muss die TG Friedberg somit künftig wieder in der Bezirksoberliga antreten.

Neben zwei Frauen- und Männermannschaften spielen in Friedberg über 300 Kinder und Jugendliche in zwölf Mannschaften mit großer Freude und Leistungswillen Handball. Die TG Friedberg zählt somit zu den handballerischen Aushängeschildern der Wetterau und verfügt mit Abteilungsleiter Peter Schubert an der Spitze über ein sehr engagiertes Vorstandsteam. Dieses leistete einen wesentlichen Beitrag für die erfolgreiche Saison 2016/16, die die TG Friedberg auf einem sehr respektablen sechsten Platz beendete.

Es schien so, dass die Kreisstädter zum TV Petterweil aufschließen könnten. Nun müssen sich die TG-Verantwortlichen aber neu sortieren. Im Interview mit dieser Zeitung sprechen Abteilungsleiter Peter Schubert, der sportliche Leiter Uli Kaffenberger und der neue Trainer Sven Daxer unter anderem über die Zukunft der TG Friedberg.

Was bleibt nach drei Jahren Landesliga und kann die TG in der Zukunft weiter bringen?

Peter Schubert: Aus sportlicher Sicht bleibt die Tatsache, daran beteiligt gewesen zu sein, den heimischen Fans Handball auf hohem Niveau geboten zu haben. Unsere Außenwahrnehmung hat sich in Friedberg enorm verbessert. Wir hatten konstant höhere Zuschauerzahlen als in der Bezirksoberliga. Ganz wichtig war, dass wir durch die Zeit in der Landesliga einen Zulauf von Kindern und Jugendlichen verzeichnen konnten. Wir haben das alles sehr genossen. Der Abstieg ist zwar bedauerlich, stellt uns aber auch vor neue interessante Aufgaben.

Uli Kaffenberger: Wir wurden mit neuen Anforderungen auf anderem Niveau konfrontiert. Das betrifft vor allem das Drumherum. Bei anderen Landesligisten ist man da teils breiter aufgestellt. Aber es ist uns gut gelungen, die Aufgaben zu bewältigen.

Haben Sie den Abstieg mittlerweile verarbeitet?

Schubert: Den Abstieg haben wir gut verkraftet, unsere Stimmung ist jetzt keinesfalls depressiv. Die Bereitschaft der Akteure gemeinsam weiter zu machen, war sofort vorhanden. Dass es für uns danach noch nie so leicht war, Positionen im Vorstand zu besetzten, hat mich erstaunt und gefreut. Auch Eltern der Jugendspieler sind dabei, Verantwortung zu übernehmen. Es ist bei uns keinerlei Resignation zu spüren.

Woran machen Sie den Abstieg fest? Gab es während der Runde einen speziellen Knackpunkt?

Daxer: Wenn man überhaupt von einem speziellen Knackpunkt sprechen kann, dann war der zu Beginn der Rückrunde. In Spielen, in denen es möglich war zu punkten, haben wir zu wenige Punkte geholt. Die sogenannten »Muss-Punkte« haben gefehlt. Das konnten auch die Top-Leistungen aus Spielen gegen Spitzenteams wie Hüttenberg, Holzheim und Linden nicht ausgleichen. Uns hat die Konstanz gefehlt.

In der Spielzeit zuvor hatte die TG Friedberg einen ausgezeichneten sechsten Tabellenplatz belegt. Der neue Trainer Gerhard Koffler bemängelte zu Saisonbeginn die fehlende Breite im Kader und wollte besonders die Defensive stärken. Weshalb ist es nicht gelungen beide Problematiken erfolgreich anzugehen? Mit 757 Gegentoren war die TG Friedberg defensiv betrachtet die drittschlechteste Mannschaft...

Daxer: Eine gewisse Breite haben wir uns durch Spieler der zweiten Mannschaft verschafft, die punktuell eingesetzt wurden. Zu leiden hatten wir durch eine große Verletzungsserie. Mit Balazs, Plattek, Jakob und Pozgaj fehlten uns schnell etliche Leistungsträger. Einer ist sicherlich abzufangen, bei mehreren wird es schwierig. Wir konnten auch nicht viele Spieler aus der zweiten Mannschaft hochholen. Ein konstantes Einspielen einer Formation war dadurch sehr schwer. Erst zum Rundenende hin wurde es besser, was auch die Ergebnisse zeigten.

Schubert: Ein früher Schock war die langwierige Verletzung von Radu Balasz. Auch Andre Avemann hat sich lange mit einer Verletzung gequält. Etliche Spieler waren im Rundenverlauf nie ganz verletzungsfrei.

In der Bezirksoberliga wird die TG Friedberg zu den Favoriten zählen. Ist der direkte Wiederaufstieg das Ziel?

Daxer: Mit der Mannschaft haben wir bisher keine konkreten Ziele definiert. Wir arbeiten jetzt erst einmal an den körperlichen Voraussetzungen für die anstehende Runde. Unsere junge Mannschaft muss sich zunächst neu orientieren. Vieles wird Neuland sein.

Kann man Parallelen zu Bundesliga-Aufsteiger TV Hüttenberg ziehen? Der TVH ging aus dem Abstieg in die 3. Liga gestärkt hervor, konnte junge Spieler aufbauen und feierte zwei Aufstiege in Folge...

Kaffenberger: Für junge Spieler ist die tiefere Klasse sicherlich eine gute Chance, um sich weiter zu entwickeln.

Daxer: Das sehe ich auch so. Wenn sich eine Mannschaft in guten Tabellenregionen bewegt, ist es leichter als bei einem tabellarischen Druck. In jedem Spiel werden sich neue Chancen ergeben, sich zu zeigen.

Was sind Ihre Erwartungen für die Bezirksoberliga?

Daxer: Wir freuen uns sehr auf die anstehenden Spiele gegen lokale Konkurrenz. Mir gefällt es, auf bekannte Trainer zu treffen, gegen die ich früher selbst gespielt habe – wie etwa David Siegel von der HSG Wettertal. Ich erwarte guten Handball vor guter Kulisse. Die TG Friedberg verfügt über ein treues Publikum, das uns auch in der Bezirksoberliga begleiten wird.

Wie wichtig ist es, den Unterbau durch den Aufstieg der zweiten Mannschaft in die B-Klasse gestärkt zu haben?

Schubert: Es war seit Jahren unser Ziel, die zweite Mannschaft hochzuziehen. Wir hatten in der Mannschaft eine gute Mischung aus Erfahrung und Jugend und mit »Lego« Keck einen Trainer, der Kontinuität in die Arbeit gebracht hat.

Daxer: Da wir eine größere Durchlässigkeit zwischen erster und zweiter Mannschaft anstreben, hat nach dem Aufstieg jeder eine gute Gelegenheit, sich anzubieten. Wer letztlich in welcher Mannschaft spielen wird, stimmen wir vor dem Saisonstart noch ab.

Wie wird die allgemeine Ausrichtung in den nächsten Jahren aussehen?

Schubert: Die zweite Mannschaft sollte zunächst einmal die Klasse halten. Unsere ehemaligen Spieler Rosenschon, Mangels und Kammel werden dem Team als Trainer dabei helfen. Bei den Frauen hatten wir zuletzt großen Zulauf, so dass wir eine zweite Mannschaft melden konnten. Mittelfristig wird der Aufstieg in die A-Klasse angestrebt. Generell ist es uns wichtig, dass die Bereiche miteinander verzahnt werden. Aktive Spieler sollen etwa als Trainer von Jugendmannschaften wirken.

Kaffenberger: Wir haben unsere Ziele in einem Arbeitspapier »Mission 2020 – Handball in Friedberg« definiert. Zunächst einmal stelle ich fest, dass es uns in der Landesliga gut gefallen hat und wir wieder dort anklopfen wollen. Zur zweiten Mannschaft und den Frauen brauche ich nichts hinzuzufügen. Im Jugendbereich setzen wir auf den Einsatz qualifizierter Trainer, möchten in allen Altersklassen mit Mannschaften vertreten sein.

Nachdem in den letzten Jahren eher gestandene Kräfte verpflichtet wurden, kamen nun mit Vellenzer, Durchdewald, Reeb und Mahr bekannte, junge Wetterauer Gesichter dazu. Was sagen Sie dazu?

Schubert: Wir haben stets nur Spieler aufgenommen, die hineinpassen. Alle tragen unsere Philosophie mit, sind für uns als Friedberger integriert und haben innerhalb der TG ihre Verantwortung. Wir würden uns nie verschließen ambitionierte und willige Spieler aus der Wetterau bei uns zu haben.

Kaffenberger: Wir freuen uns über jeden, der zu uns kommt und bei uns spielen will und helfen ihm, sich bei uns zu entwickeln. Ein gutes Beispiel dafür ist der junge Christian Schmidt, der im vergangenen Jahr aus Oppershofen kam und eine tolle Saison spielte.

Wo sehen Sie den Handball an der Wetterauer Basis in den nächsten Jahren, und welchen Stellenwert wird die TG Friedberg dabei haben?

Schubert: Friedberg mit seinen rund 30 000 Einwohnern sollte weiterhin ansprechenden Handball bieten können. Bei uns gibt es keine Zukunftsängste, denn wir haben eine gute Entwicklung genommen. Wir erleben immer wieder euphorische Eltern, deren Kinder gerne zu uns kommen. Wie bei anderen Vereinen auch, wird die Hallensituation und damit verbundene Einschränkungen in den nächsten Jahren ein Thema sein.

Kaffenberger: Generell ist die Gefahr einer weiteren Ausdünnung an der Basis gegeben. Wir müssen uns damit aber derzeit nicht beschäftigen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Christian Schmidt
  • Friedberg
  • Handball
  • Handballspieler
  • Landesligen
  • MSG Linden
  • Peter Schubert
  • TG Friedberg
  • TV 05/07 Hüttenberg
  • TV Petterweil
  • Peter Hett
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 - 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.