07. März 2019, 11:30 Uhr

Handball-Landesliga

Petterweils Trainer Peschke im Interview: »Spielen eine überragende Saison«

Martin Peschke und der TV Petterweil sind die Überraschung der Handball- Landesliga in dieser Saison. Vor dem Spitzenspiel am Sonntag hat uns der 38-jährige Coach ein Interview gegeben.
07. März 2019, 11:30 Uhr
Martin Peschke ist seit Anfang 2018 Trainer des TV Petterweil. Er hält den Aufstieg in die Oberliga für eine Chance, die so schnell nicht wiederkommt. (Foto: Nici Merz)

Den TV Petterweil hatte niemand auf dem Zettel, als es vor der Saison um die Frage nach dem Meisterschaftsfavoriten in der Handball-Landesliga ging. Jetzt, sieben Spieltage vor Rundenende, findet sich die Mannschaft von Trainer Martin Peschke auf dem zweiten Tabellenplatz wieder und hat am Sonntag (18 Uhr) in eigener Halle die Chance, Tabellenführer TV Breckenheim im direkten Duell mit einem Sieg vom Thron zu stoßen. Für Außenstehende gilt Peschke als eine Art Vater des Erfolgs. Er selbst sieht sich als Teil eines funktionierenden Teams. Dabei orientiert er sich an Detlef Ernst, der ihn in sieben Jahren als sein Trainer prägte. »Wir sind alles Indianer, von denen jeder eine Feder im Haar trägt, nur ich habe manchmal eine Feder mehr«, war dessen Motto.

Wenn nicht jetzt wann dann – die Handballhymne der Höhner passt zur Lage Ihrer Petterweiler Handballer: Meisterschaft und Oberliga-Aufstieg sind greifbar. Wie gehen Sie damit um?

Martin Peschke: Die Chance, aufzusteigen, wird sich so schnell nicht mehr bieten. Ich bin der Letzte, der sich dagegen wehren würde. Die Anzahl der Minuspunkte zeigt aber, wie ausgeglichen die Liga ist. Mit elf Minuspunkten bei noch sieben Spielen wäre man die letzten Jahre im Mittelfeld gewesen. Ich habe immer wieder davor gewarnt, dass wir unsere Leistung gegen jede Mannschaft auf dem Feld abrufen müssen, sonst ist es für uns schwer, Punkte zu holen. Das Jahr 2019 hat gezeigt, wo wir hingehören, wenn wir das nicht schaffen (Bilanz: 5:5 Punkte, Anm. d. Red.). Wir werden weiter im Training alles dafür tun, dass wir erfolgreich sind. Wenn es am Ende klappt – umso besser. Wobei der Nichtaufstieg auch kein Beinbruch wäre, da wir eine überragende Saison spielen.

Ich denke eine volle Halle sollte Grund genug sein, dass jeder sich reinhängt und sein Bestes gibt

Martin Peschke

So gut Ihre Mannschaft auch spielt, der männliche Jugendbereich steht im Vergleich zu den beiden anderen Wetterauer Landesligisten bescheiden da. In der A- und B-Jugend gibt es keine eigene Mannschaft, Petterweiler Jungs spielen als Gastspieler bei anderen Vereinen. Wieso?

Peschke: Wir sind gerade daran, die Strukturen zu verbessern. In den unteren Jugendbereichen sind wir quantitativ und qualitativ top besetzt. Ab der C-Jugend haben wir quantitativ schwache Jahrgänge. Wir haben in diesen Jahrgängen schlicht zu wenige Kinder und sind daher auf Spielgemeinschaften angewiesen. Nächstes Jahr können wir glücklicherweise wieder eine B-Jugend stellen. In der A-Jugend müssen wir noch zwei Jahre durchhalten, bis die Lücke geschlossen ist. Ich bin aber guten Mutes, da wir gut ausgebildete Jugendtrainer haben. Nicht jeder wird dann im aktiven Bereich weiterspielen, aber wenn wir pro Jahr drei bis vier Spieler rausbringen, die bleiben, ist einem kleinen Verein wie Petterweil schon geholfen. Entscheidend ist, dass die Jugendlichen gut ausgebildet werden und die starken Spieler den Weg zu den Aktiven finden – auch wenn es manchmal wie bei Florian Wassberg (Jugend HSG Wetzlar; d. Red.) über Umwege läuft.

Was erwarten Sie von Ihrer Mannschaft gegen Breckenheim, immerhin seit fünf Spielen siegreich und sicher hoch motiviert?

Peschke: Ich erwarte, dass wir mindestens genauso motiviert zu Werke gehen. Wir werden unsere Hausaufgaben im Training machen und dann sehen, ob es reicht. Ich denke eine volle Halle sollte Grund genug sein, dass jeder sich reinhängt und sein Bestes gibt.

Wo sehen Sie Unterschiede zwischen den beiden Teams?

Peschke: Breckenheim war schon vor der Saison für mich neben Linden der Favorit auf den Oberliga-Aufstieg. Damit sollte jedem klar sein, mit welchem Schwergewicht wir es hier zu tun haben. Sie sind schlecht in die Saison reingekommen und haben viele Verletzungsprobleme. Aber sie haben eine junge agile Mannschaft mit einem starken Torhütergespann. Wir sind als Außenseiter in die Runde gestartet und konnten durch befreites Aufspielen viele Punkte sammeln. Nun werden wir aber nicht mehr unterschätz und müssen mit der Rolle des Gejagten umgehen. Breckenheim wird wissen, was auf sie zukommt. Der Unterschied wird am Ende auf der Anzeigetafel zu sehen sein.

Wenn sich jeder nach dem Spiel im Spiegel anschauen kann und zufrieden mit sich ist, haben wir viel richtig gemacht

Martin Peschke

Petterweil gilt als heimstark, hat in eigener Halle erst ein Spiel verloren, Breckenheim zweimal in der Fremde nicht gewonnen. Leiten Sie daraus etwas ab?

Peschke: Diese Statistiken sind für solch ein Spiel belanglos. Es geht nur darum, wie man mit Druck umgehen und ob man seine Leistung abrufen kann.

Ihr Tipp für das Spiel?

Peschke: Der ist das, was ich auf so eine Frage immer antworte: Wenn sich jeder nach dem Spiel im Spiegel anschauen kann und zufrieden mit sich ist, haben wir viel richtig gemacht.

Info

Martin Peschke im Portrait

Der 38-jährige Martin Peschke arbeitet als Fuhrparkmanager in Bad Nauheim. Mit dem Handball hat er bei den Minis des TV Petterweil angefangen, wesentlich beeinflusst durch seinen Vater Edmund alias »Mr. Handball«. Bis zur A-Jugend blieb Peschke Petterweil treu, wechselte dann zum VfL Goldstein, um dort in der Oberliga zu spielen. Da in Petterweil seinerzeit die Neuausrichtung in Richtung Regionalliga in Planung war und namhafte externe Spieler das Bild der Mannschaft prägten, erschien ihm er Sprung in die Männer-Oberliga zu früh. Peschke blieb also in Goldstein und schaffte mit dem VfL den Durchmarsch von der Bezirksoberliga bis in die Oberliga. 2003 spielte er sich mit Goldstein zudem bis in die dritte Hauptrunde des DHB-Pokals vor. 2008 wechselte er zurück zu seinem Stammverein in die Bezirksoberliga. Bis 2017 spielte Peschke zuletzt in der Landesliga und war unter Heiko Trinczek Co-Trainer. Seit Anfang 2018 ist er alleinverantwortlicher Coach des TVP.

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