03. Januar 2018, 12:00 Uhr

Ambitioniert

Moritz Müller hat Großes vor

Hausaufgaben erledigt er im Eiltempo, Zeit für Freunde hat Moritz Müller aber trotzdem kaum. Denn der 18-jährige Turner aus Steinfurth will in diesem Jahr bei den Senioren durchstarten.
03. Januar 2018, 12:00 Uhr
Moritz Müller aus Steinfurth gewinnt bei den deutschen Jugendmeisterschaften im vergangenen Jahr Silber an den Ringen. (Foto: pv)

Wenn sich seine Schulkameraden ihrer Freizeit widmen, geht für Moritz Müller die Arbeit erst richtig los. Bis zu vier Stunden täglich feilt der 18-Jährige an Sprüngen, Saltos, Schrauben und Abgängen. Gegen 20 Uhr ist er wieder zu Hause, aber sein Arbeitstag noch längst nicht beendet. Im Frühjahr stehen die Abiturprüfungen an, einige mehrstündige Klausuren hat der Turner bereits hinter sich. »Manchmal nervt es mich, immer so diszipliniert sein zu müssen«, sagt der gebürtige Bad Nauheimer und schiebt nach: Ich weiß aber, wofür ich den Aufwand betreibe.« Bereits als Fünfjähriger trainierte er im Leistungszentrum in Wetzlar, wo sich einst Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen den Feinschliff für eine große Karriere geholt hatte. In den vergangenen Jahren entwickelte sich Müller zu einem der besten Nachwuchsturner Deutschlands.

 

Lieblingsgerät Boden

Am liebsten turnt er am Boden, doch seinen bislang größten Erfolg feierte er an den Ringen. Bei den deutschen Jugendmeisterschaften im Juni in Berlin gewann der Steinfurther überraschend die Silbermedaille. Er ließ Konkurrenten hinter sich, die in Sportinternaten trainieren und teils wesentlich bessere Bedingungen haben. Außerdem erkämpfte sich Müller in 2017 in seiner zweiten Saison einen festen Platz im Bundesliga-Kader der KTV Obere Lahn. Als im Sommer zwei Leistungsträger verletzt waren, war der Jungspund zur Stelle. Er behauptete sich gegen gestandene Männer, obwohl er erst wenige Wochen zuvor sein Trainingspensum an die Anforderungen bei den Senioren angepasst hatte.

Sechs statt fünf Einheiten pro Woche widmet Müller mittlerweile dem Turnen, das ihn aufgrund seiner Vielseitigkeit fasziniert: »Es gibt sechs Geräte, an denen man unzählige Teile lernen kann. Selbst wenn man zehn Jahre dabei ist, wird einem nie langweilig. Das gibt es wohl bei keiner anderen Sportart.« Bevor er in die Schule kam, war Müller kurzzeitig beim SV Steinfurth in der Fußballabteilung angemeldet. Nach wenigen Monaten merkte er aber, dass die Kickerei nichts für ihn ist. »Beim Turnen ist man alleine für seine Leistung verantwortlich – das ist genau mein Ding«, sagt Müller heute.

Moritz Müller trainiert bis zu vier Stunden täglich.	(Foto: Sportfoto Berlin)
Moritz Müller trainiert bis zu vier Stunden täglich. (Foto: Sportfoto Berlin)

Als pubertierender Teenager hatte er mal ein Motivationstief, doch Vater und Trainer Ralf Müller hielt ihn bei der Stange. Mittlerweile muss ihn niemand mehr antreiben. Nie lässt er eine Einheit sausen, obwohl ihn die Vorbereitungen auf das Abitur im Frühjahr enorm fordern. »Die Belastung ist derzeit extrem«, sagt Müller. Zwischen Training und Hausaufgaben träumt der Schüler des Friedberger Burggymnasiums von der großen Bühne, die er bereits betreten durfte. Mehr als 3500 Zuschauer schauten Müller Anfang Dezember in Ludwigsburg zu, als er im Bundesliga-Finale mit guten Leistungen großen Anteil am dritten Platz seines Teams hatte. »Vor zwei Jahren konnte ich mit Rampenlicht nicht umgehen«, erinnert sich Müller, »heute ist das ganz normal. Ich brauche viel Adrenalin.« Und er braucht das Gefühl, als Turner etwas Besonderes zu machen. »Wenn ich am Reck turne, dann fliege ich.«


Olympia als Ziel

Ab nächstem Jahr darf Müller nur noch bei den Senioren starten. Zehn anstatt acht Teile muss er dann in jeder Übung zeigen. Auch am Barren und Pauschenpferd möchte er angreifen, obwohl er an diesen Geräten hinterherhinkt. Denn fast vier Jahre pausierte Müller wegen Ellenbogenproblemen. Nach einer Operation im Sommer ist er endlich frei von Beschwerden – und will seinem Idol Fabian Hambüchen nacheifern: »Mein Ziel ist Olympia«, betont Müller, »und das ist nur als Mehrkämpfer realistisch.« Die Trainingsqualen bis dahin wird er gewiss ohne Murren ertragen.

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