Fest verwurzelt

Maik Vetter liebt seine Heimat

Seit mehr als drei Jahren kickt Maik Vetter in der Fußball-Regionalliga bei Kickers Offenbach. Am Bieberer Berg fühlt sich der 26-Jährige pudelwohl, wohnt aber nach wie vor in Rodheim.
19. November 2017, 10:00 Uhr
Maik Vetter hat bislang 80-mal für Kickers Offenbach in der Regionalliga auf dem Feld gestanden. In dieser Saison zählt der OFC erneut zu den Aufstiegsaspiranten. (Foto: Hübner)

Maik Vetter ist ein heimatverbundener Mensch. In Rodheim und Umgebung wohnt seine komplette Familie, zu der er einen sehr guten Draht hat. Zu seinem älteren Bruder Alexander, selbst aktiver Fußballer beim FC Ober-Rosbach, hat er etwa ein hervorragendes Verhältnis: »Einen engeren Kontakt kann man nicht haben. Wir sehen uns quasi jeden Tag«, berichtet Vetter. Sein Umzug nach Wiesbaden im Sommer 2013 fiel ihm daher nicht leicht. Bei Drittligist SV Wehen Wiesbaden wollte der gebürtige Frankfurter den Sprung ins Profigeschäft schaffen und trat eine Ausbildungsstelle bei der Commerzbank nicht an. Nachdem sich der damals 22-Jährige beim FSV Frankfurt II und bei Eintracht Frankfurt II rasant entwickelt hatte, folgte aber das erste Karrieretief.

»Ich war mit sehr hohen Erwartungen nach Wiesbaden gewechselt«, erinnert sich Vetter und schiebt nach: »In der Vorsaison hatte ich mich bei der Eintracht in der Regionalliga etabliert und war mir sicher, dass ich mich auch in der Dritten Liga durchsetzen werde.« Verletzungsbedingt absolvierte der gelernte defensive Mittelfeldspieler aber kein Pflichtspiel für die erste Mannschaft und verließ den Verein nach rund einem Jahr in Richtung Offenbach. Dort erlebte er Höhen und Tiefen und ist heute eine unverzichtbare Größe. »Ich sehe mich dauerhaft bei Kickers Offenbach. Das Einzige, was mich sonst reizt, ist das Ausland«, betont Vetter.

Vielseitig einsetzbar

Der Rodheimer kann nicht nur auf mehreren Positionen im defensiven Mittelfeld spielen, sondern agiert mittlerweile auch als hängende Spitze. Und er reißt seine Mitspieler durch seine intensive Spielweise mit vielen harten Zweikämpfen mit. »Ich bin kein Leader, aber ich denke schon, dass einige Mitspieler auf dem Platz schauen, was ich mache«, meint Vetter, der bislang 80 Regionalliga-Einsätze im Kickers-Trikot absolviert hat und in seiner ersten Saison nur knapp den Aufstieg in die Dritte Liga verpasste. Nach souverän gewonnener Regionalliga-Meisterschaft scheiterte er mit dem OFC in der Relegation. In dieser Saison zählt das Team erneut zu den Aufstiegsaspiranten. Auch dank Vetter, der in 17 der bisherigen 18 Spiele auf dem Feld stand und dabei vier Treffer erzielte. Selbstverständlich ist das nicht, denn in der vergangenen Spielzeit hatte der 26-Jährige erneut mit Verletzungen (u.a. am Außenminiskus) zu kämpfen. Nachdem sich Vetter zurückgekämpft hatte, absolvierte er zwei Partien, ehe er wieder wochenlang ausfiel. »Ich hatte vier schwere Verletzungen binnen weniger Monate. In dieser Zeit habe ich intensiver darüber nachgedacht, was nach dem Fußball kommt«, sagt Vetter, der seit Oktober 2016 bei Kickers-Sponsor Sparda-Bank eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert.

Straffes Tagesprogramm

Seine Tage sind seitdem eng getaktet, denn im Frühjahr kommenden Jahres peilt er bereits den Abschluss an. Ab acht Uhr steht er in der Bank, ehe Trainingseinheiten und weitere Arbeitsstunden in der Ausbildungsstätte folgen. »Auf meinem Niveau werden ich nach der Karriere nicht ausgesorgt haben. Deswegen bin ich glücklich, dass ich diese Chance bekommen habe«, sagt Vetter und merkt an: »Wenn ich nicht schon so oft verletzt gewesen wäre, dann hätte ich wohl nicht diesen Weg gewählt.« Er geht zwar nicht mit Angst aufs Feld, spürt aber, dass sein Körper bereits arg strapaziert wurde. Langes Sitzen meidet Vetter, auch in der Halle kickt er seltener. Als er sich Ende August im Spiel gegen den SV Völklingen (4;1) das Knie verdrehte, schwante ihm Böses. »Es war das linke Knie, mit dem ich schon oft Probleme hatte«, erinnert sich Vetter, der vor Spielen betet. Den Glauben hat er von seiner Mutter mitbekommen, die ihm noch heute Bibelverse zusteckt. »Gebete geben mir das Gefühl, dass ich beschützte werde«, erklärt Vetter, »außerdem glaube ich, dass sie mir Energie geben.«

Im Spitzenspiel beim SV Elversberg (3:1) vor rund drei Monaten strotzte er nur so vor Energie. Etwa 20 Meter vor der Mittellinie bekam er den Ball, umkurvte vier Gegenspieler und schloss nach einem beeindruckenden Solo eiskalt ab. Solche Aktionen will Vetter freilich noch öfter zeigen, hat aber bereits jetzt die Zeit nach der Karriere im Blick. »Ich würde gerne mal als Trainer arbeiten«, erläutert der Rodheimer und fährt fort: »Ein Job in der Bundesliga wäre aber nichts für mich, ein Job bei einem Verein in der Region hingegen schon.«

 

Zurückhaltender Publikumsliebling

Ich bleibe lieber im Hintergrund

Als 17-Jähriger absolvierte Maik Vetter für den damaligen Hessenligisten KSV Klein-Karben sein erstes Spiel bei den Senioren. Gegen den 1. FC Schwalmstadt kam der Blondschopf beim Stand von 1:0 aufs Feld und brachte mit zwei Treffern den Sieg seines Teams unter Dach und Fach. Den Auftritt sahen Scouts des FSV Frankfurt, für den er ab Sommer 2010 für zwei Spielzeiten kickte. »Gerade im Fußball muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein – und das war ich damals definitiv«, sagt Vetter rückblickend. In der Saison 2012/13 wechselte der gelernte defensive Mittelfeldspieler zu Eintracht Frankfurt II. Unter Ex-Bundesligaprofi Alexander Schur reifte Vetter zum Regionalligaspieler und kam auf 33 Einsätze. Nach einer schwierigen Saison bei Drittligist SV Wehen Wiesbaden zog es Vetter im Sommer 2014 zu Regionalligist Kickers Offenbach an den Bieberer Berg. Dort ist der 26-Jährige heute nicht nur Führungsspieler, sondern auch Publikumsliebling. Nachdem Vetter die Kickers Ende August mit seinem ersten Saisontor beim SV Elversberg (3:1) an die Tabellenspitze geschossen hatte, forderten ihn die Fans in Richtung Tribüne. Doch Vetter zierte sich: »Es macht mich stolz, wenn die Fans meinen Namen rufen, aber ich bleibe lieber im Hintergrund«, erläutert Vetter.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bankkauffrauen und Bankkaufmänner
  • Bieberer Berg
  • Commerzbank
  • Commerzbank AG
  • Eintracht Frankfurt
  • Energie
  • FC Ober Rosbach
  • FSV Frankfurt
  • Feste
  • Fußball
  • Gebete
  • Heimat
  • Karriere
  • Kickers Offenbach
  • Maik Vetter
  • Mittelfeldspieler
  • SV Elversberg
  • Sommer
  • Sparda-Bank
  • Sparda-Bank Hessen
  • Daniel Seehuber
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 43 - 10: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.