14. März 2019, 23:03 Uhr

Eishockey

Katerstimmung in Kassel

14. März 2019, 23:03 Uhr

Nein, es war keine Überraschung. Dass es am Dienstagabend überhaupt bis zur letzten Minute dauerte, ehe Julian Talbot mit dem 2:1-Siegtor der Eispiraten Crimmitschau das DEL 2-Saisonende der Kassel Huskies bereits in den Pre-Playoffs besiegelte, lag an nur zwei Faktoren: Ganz viel Glück und dem überragenden Gerald Kuhn im Kasseler Eishockey-Tor. »Ohne ihn und seine sensationellen Paraden wären wir abgeschossen worden«, bilanzierte dementsprechend auch Geschäftsführer Joe Gibbs. »Wir waren nicht gut genug.« Und Kassels Trainer Tim Kehler gab unumwunden zu: »Das Einzige, was eng war, war das Ergebnis. Denn abgesehen vom Torhüter waren die Eispiraten in allen Belangen besser. Wir haben alles gegeben, was drin ist, wieder war der Wille groß. Aber gegen diese Mannschaft haben uns Tempo und Größe gefehlt. Und Crimmitschau ist verdient ins Viertelfinale eingezogen.«

Deutliche, bemerkenswert nüchterne Worte in der Stunde der Enttäuschung. Einschätzungen, die Glauben machen, dass die Verantwortlichen die Mängel in dieser kurzen Saison erkannt haben. 55 Spiele nur sind es geworden, und die letzten drei in diesen Pre-Playoffs waren Spiegelbild eines Jahres mit wenigen Höhen und vielen Tiefen, mit kurzzeitigen Hoffnungen, die aber immer wieder sofort von tiefen Enttäuschungen zerstört wurden. »Unser Sieg in Crimmitschau war kein 6:1-Spiel, schon da war Kuhn der entscheidende Mann«, erklärte Kehler. Einmal mehr hatte auch dieser klare Erfolg seine Huskies nicht beflügelt für das nächste, finale Duell.

Dennoch hatte sein Pendant Danny Naud zunächst nur wenig Hoffnung auf einen zweiten Sieg in Kassel. »Aber die Zweifel waren nach den ersten Bullys wie weggeblasen, als ich gesehen habe, dass meine Jungs die richtige Antwort geben«, sagte der Eispiraten-Trainer. »Genau im richtigen Moment haben wir unser bestes Spiel gezeigt, seitdem ich da bin.« Im Gegensatz zu den Huskies. »Wir hatten immer den dritten und vierten Mann zurück, hatten kein großes Risiko in der Defensive«, bilanzierte Naud. Und in der Offensive, da spielten sie die Kasseler an die Wand, ließen kaum noch Gegenangriffe zu – völlig unbeeindruckt vom frühen 1:0 der Hausherren durch Jace Hennig (8.). Und so wurde es ein Spiel der Eispiraten gegen Jerry Kuhn. Am Sonntag hatte er 55 Schüsse abgewehrt, diesmal waren es 53. Das sagt alles aus über die Crimmitschauer Dominanz und die Kasseler Schwäche.

Nur Vincent Schlenker aus der Halbdistanz (36.) und Julian Talbot 22,9 Sekunden vor dem Ende nach Hudsons Querpass überwanden ihn – und bewahrten Kuhn vor dem Knast. Denn: »Ich hätte die Polizei geholt und ihn einsperren lassen, wenn wir verloren hätten«, sagte Danny Naud mit dem Siegerlächeln. Tim Kehler indes blickte zurück, als wäre es ein Abschied. Er bedankte sich bei den Fans, aber auch beim Team, dessen Überforderung er mit Bedauern und Enttäuschung registrierte. »Ich habe viel eingefordert von der Gruppe und sie hat mir viel zurückgegeben. 25 Spiele hatten wir zusammen, und nur Bad Nauheim und Bietigheim haben in dieser Zeit mehr Punkte geholt.«

Also wird es einen erneut großen Umbruch nur beim Team geben, der Trainer aber bleibt? »Wir werden das in den nächsten Tagen besprechen«, sagt Kehler. Und deutet erst beim Hinausgehen doch noch einen Verbleib in Kassel an: »Ich werde in diesem langen Sommer sehr an meinem Deutsch arbeiten.« Manager Gibbs derweil mochte sich zu den Personalien (noch) nicht äußern. »Wir werden viel reden.« Mit Tim Kehler, aber auch mit Sportdirektor Rico Rossi. Gerald Schaumburg

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