Fußball

Im Hessenliga-Check: Die Aufsteiger FV Bad Vilbel und Türk Gücü Friedberg

Das letzte Juli-Wochenende ist im Kalender markiert. Eine Woche vorm Auftakt im Fußballkreis rollt in der Hessenliga der Ball. Mit dabei: der FV Bad Vilbel und Türk Gücü Friedberg. Die Aufsteiger im Check.
20. Juni 2018, 07:00 Uhr
Kapitän, Ball- und Wortführer: Florian Decise (rechts) spielt bei Türk Gücü Friedberg eine zentrale Rolle. (Foto: Chuc)

Amir Mustafic fühlt sich »wieder zu Hause«, wie er sagt. Der Trainer des FV Bad Vilbel kennt die Hessenliga aus seiner sportlichen Vergangenheit, als Spieler und als Coach. In Friedberg hat Gökhan Satir, der Sportliche Leiter von Türk Gücü, die letzten Tage hingegen »wie in Trance« erlebt. Als erster türkischer Verein haben sich die Kreisstädter für die Hessenliga qualifiziert und damit Geschichte geschrieben.

Wie wurde der Aufstieg in Bad Vilbel und Friedberg wahrgenommen?

Beide Klubs feiern in der Saison 2018/19 einen runden Geburtstag. Der FV wurde im Jahr 1919 gegründet und spielt zum 100-Jährigen in der Hessenliga. »Wir haben kontinuierlich daraufhin gearbeitet. Dass wir es jetzt geschafft haben, ist natürlich eine tolle Sache«, sagt Trainer Mustafic. Türk Gücü schaffte im 30. Jahr nach der Gründung erstmals den Aufstieg. 2012 noch hatte der Klub in der Kreisoberliga im Punkte gespielt; damals noch auf dem Sportplatz in Ossenheim. »Die Hessenliga-Teilnahme war ein Traum von unserem Präsidenten Ramazan Kaplan. Und es macht uns stolz, dass wir ihm den Wunsch erfüllt haben«, sagt Satir.

Zurück in der Hessenliga: Nuh Uslu hatte bereits den Abstieg des FV Bad Vilbel im Jahr 2007 erlebt. (Foto: Chuc)
Zurück in der Hessenliga: Nuh Uslu hatte bereits den Abstieg des FV Bad Vilbel im Jahr 200...

Was ist seit dem Aufstieg passiert?

Das Telefon habe, das erzählen Mustafic und Satir, in den Tagen nach dem Aufstieg nicht stillgestanden. Hessenliga-Aufsteiger sind für ambitionierte - und meist junge - Spieler aus dem Rhein-Main-Gebiet en vogue, ein Chance, ein Sprungbrett. In Bad Vilbel setzt man auf Kontinuität. Der Kader um Leistungsträger wie Dennis Geh, Thorben Knauer und Nuh Uslu, der bereits den Abstieg 2007 miterlebt hatte, bleibt weitgehend zusammen. »Das Team kann auch in der Hessenliga bestehen«, ist Mustafic überzeugt. Allerdings müsse man sich in der Breite anders aufstellen, um die Qualität zu erhalten.

Bei den Türken ist die Fluktuation hingegen groß. Bislang schon zwölf Neuzugänge hat Satir, der im Steinfurth zu Hause ist, vermelden können. »Grundsätzlich wollen wir den Stamm halten. Das haben die Jungs einfach verdient. Allerdings müssen wir - nach den Erfahrungen der Vorsaison - in der Tiefe etwas tun.«

Worauf müssen sich die Aufsteiger einstellen?

Groß, kräftig, ballgewand. Spiel und Spieler in der Hessenliga unterscheiden sich von der Verbandsliga. Die Physis wird eine bedeutendere Rolle spielen. »Die Spieler sind körperlich robuster. Da geht es anders zur Sache. Darauf müssen wir uns einstellen«, sagt Mustafic. Auch Standardsituationen misst der FV-Trainer eine höhere Bedeutung bei. Man werde sich deshalb aber nicht verstecken. »Und wir werden unseren Stil nicht verändern, sondern auch künftig den Weg nach vorne suchen. Auch wir haben fußballerisch etwas anzubieten.«

Worauf freuen sich die Aufsteiger am meisten?

»Als Sportler will ich mich immer auf höchstmöglichem Niveau messen. Die Hessenliga ist sehr reizvoll; ganz egal, wie der Gegner heißt«, sagt Mustafic. Für Hessenliga-Debütanten Friedberg genießt gerade das erste (Heim-)Spiel eine besondere Bedeutung. »Das steht im Fokus. Und darauf arbeiten wir mit großer Freude hin«, sagt Satir.

Was ändert sich durch den Aufstieg?

Regelspieltag der Hessenliga ist der Samstag. Die konkrete Terminierung erfolgt am Freitag nächster Woche bei der Vorrundenbesprechung in der Sportschule Grünberg. Beide Klubs profitieren von der Kooperation des Hessischen Fußball-Verbands mit Liga-Sponsor Lotto. Einerseits erhalten die Vereine finanzielle Zuwendungen. Andererseits werden sämtliche Ligaspiele aufzeichnet. Tore und Highlights können auch auf »YouTube« abgerufen werden. Die Hessenliga ist mit diesem Projekt deutschlandweit Vorreiter. Türk Gücü Friedberg wird seine Heimspiele statt auf kleinem Kunstrasen künftig in erster Linie auf dem Naturrasenplatz in Ober-Rosbach austragen.

Den Trainingsumfang während der Saison wollen beide Klubs beibehalten. Dreimal wöchentlich werde trainiert. »Mehr kann man von Spielern auf diesem Level auch nicht verlangen«, sagt Musfatic, der selbst von seinem Wohnort Oberrad in die Wetterau pendelt.

Welche Hessenliga-Erfahrungen bringen Bad Vilbel und Friedberg mit?

Der FV Bad Vilbel hatte einst zum Inventar gezählt. Von 1992 bis 2007 spielten die Brunnenstädter 15 Jahre lang in der Oberliga Hessen; schließlich als dienstältester Klub. Das erste Heimspiel der Mannschaft von Trainer Peter Rübenach in der damals drittklassigen Spielklasse hatte 1500 Zuschauer auf das Nidda-Sportfeld gelockt (2:0 gegen die Eintracht-Amateure). Rund drei Monate später sahen 3000 Zuschauer (Rekordbesuch) die Partie von Roland Rang, Werner Pross und Co. gegen Kickers Offenbach. Im Mai 2007 musste Bad Vilbel die Liga verlassen. Von den damaligen Mitkonkurrenten sind mit dem SC Waldgirmes, dem FC Bayern Alzenau, dem KSV Baunatal und Fulda (in neuer Spielgemeinschaft) nur noch vier Klubs auch jetzt noch mit dabei. Türk Gücü Friedberg betritt hingegen Neuland.

Die Übungsleiter Mustafic (FV), Mustafa Fil/Gültekin Cagritekin (Türk Gücü) haben bereits in der Hessenliga gearbeitet. Mustafic war eineinhalb Jahre Trainer beim KSV Klein-Karben. Das TG-Trainer-Duo konnte Spvgg. 05 Oberrad einst mit geringen Mitteln in der Hessenliga halten.

Auf welche Klubs können sich die Fußball-Freunde in der Wetterau freuen?

An erster Stelle steht hier der KSV Hessen Kassel. Die »Löwen« - wie die Nordhessen bezeichnet werden - spielten drei Jahre lang in der höchsten Spielklasse (1953 – 1955, 1962/63) und 29 Jahre in der zweithöchsten Spielklasse (zuletzt 1990). In den vergangenen zwölf Jahren spielte der KSV in der Regionalliga Südwest, 17/18 konnte der Abstieg nicht mehr verhindert werden. Neben Hessen Kassel zählen die SG Barockstadt Fulda/Lehnerz (Fusion Borussia Fulda/TSV Lehnerz), der FC Bayern Alzenau und der FC Gießen zu den Topadressen der Hessenliga.

Die Zuschauerzahlen höchsten HFV-Liga bewegten sich in der vergangenen Saison zwischen 741 (Fulda) und 175 (Griesheim). Die offizielle Zuschauerschnitt liegt bei 321 Besuchern.

Wer ist der Star der Hessenliga?

Vier Einsätze in der Champions League. 137 Bundesligaspiele. 66 Partien in der türkischen Süper Lig. Michael Fink ist zweifelsfrei der »Promi« der Hessenliga. Der mittlerweile 36-Jährige spielt für den FC Gießen. Dort fungiert der Ex-Eintrachtler in der kommenden Saison auch als Sportlicher Leiter. In der Spielzeit 17/18 war Fink bereits zu Gast auf der Sportanlage am Eisenkrain; damals mit dem FC Hanau 93. Nach dem Spiel wurde der Ex-Profi von den Türk Gücü-Anhängern um zahlreiche Fotos um Autogramme gebeten. Schließlich kickte Fink zwischen 2009 und 2011 für Besiktas Istanbul.

Die Vorbereitung

Was sich bislang getan hat

FV Bad Vilbel

Zugänge: Patrick Rühl (Bayern Alzenau), Tim Tilger (Usinger TSG), Travis Parker (SC 1960 Hanau), Ugur Aslan (SC Watzenborn-Steinberg), Nick Volk (Sportfreunde Siegen), Raul Marvin Sanchez-Mendez (Germania Schwanheim), Kristijan Bejic (FC Bayern Alzenau), Leon Gallm, Darren Lee Hare, Niklas Arheidt (alle eigene Jugend).

Abgänge: Ugur Erdogan (SC 1960 Hanau), Imran Barkok (SV Zeilsheim), Dominik Schlatter (SC Dortelweil), Filip Osman (Türk Gücü Friedberg), Robin Orband, Davor Babic (beide Ziel unbekannt).

Trainer: Amir Mustafic (im 7. Jahr).

Trainingsauftakt: Freitag, 22. Juni (19 Uhr).

Testspiele (alle auswärts): Blitzturnier bei Germania Ober-Roden (30. Juni), SC 1960 Hanau (6. Juli, 19.30 Uhr), SV Neuhof (8. Juli, 15 Uhr), Turnier in Oberrad (14. und 15. Juli), Vatanspor Bad Homburg (18. Juli, 19.30 Uhr in Ober-Erlenbach), SV Zeilsheim (21. Juli, 15 Uhr).

 

Türk Gücü Friedberg

Zugänge: Younes Bahssou (Borussia Fulda), Sebastian Bartel (TSV Lehnerz), Semun Biber (Viktoria Nidda), Luca Grölz (Spfr. Siegen), Ertugrul Erdogan, Marvin Akkus (beide SV Zeilsheim), Filip Osman (FV Bad Vilbel), Nino Vranesevic (Viktoria Griesheim), Philip Mitrovic (A-Jugend SG Rosenhöhe), Batuhan Özyürek (Rot-Weiß Frankfurt), Sasha Sabic (Germania Schwanheim), Denis Smisek (Kickers Offenbach).

Abgänge: Kevin Bassey Effiong, Baris Özdemir (beide SC 1960 Hanau), Betim Mezimi (FC Hanau 93), Kamber Koc (TSV Bad Nauheim), Mohamed Boulahfa, Fnan Tewelde (beide Ziel unbekannt).

Trainer: Mustafa Fil/Gültekin Cagritekin (beide im 3. Jahr).

Trainingsauftakt: Freitag, 29. Juni (19 Uhr).

Testspiele: SV Zeilsheim (8. Juli, 15 Uhr), Turnier in Oberrad (14./15. Juli), beim SKV Beienheim (18, Juli, 19.30 Uhr), FSV Fernwald (21. Juli, 16 Uhr).

Schlagworte in diesem Artikel

  • Besiktas Istanbul
  • FC Bayern München
  • FSV Fernwald
  • FV Bad Vilbel
  • Friedberg
  • Fußball
  • Fußball-Verbände
  • Kickers Offenbach
  • SC Dortelweil
  • SC Teutonia Watzenborn-Steinberg
  • SC Waldgirmes
  • SKV Beienheim
  • Sportfreunde Siegen
  • Süper Lig
  • Türk Gücü Friedberg
  • YouTube
  • Michael Nickolaus
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 3 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.