22. November 2018, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheims Neuzugang Zach Hamill im Interview: Gekommen, um zu bleiben

Der Kanadier Zach Hamill ist dank seiner NHL-Vergangenheit wohl einer der prominentesten Neuzugänge des EC Bad Nauheim in den vergangenen Jahren. Wir haben ihn zum Interview getroffen.
22. November 2018, 07:00 Uhr
Der ehemalige NHL-Profi Zach Hamill (l.) feierte nach einer 24-stündigen Reise aus seiner kanadischen Heimat am vergangenen Freitag gegen die Tölzer Löwen um Stephen MacAulay sein Debüt im Trikot des EC Bad Nauheim. (Foto: Nici Merz)

EC Bad Nauheim


Kanada, USA, Russland, Finnland, Schweiz, Deutschland, Schweden, Norwegen, Tschechien – Zach Hamill ist in seiner Karriere viel herumgekommen, hat schon in vielen Ligen mit vielen Teams gespielt – und ist seit vergangenen Freitag Teil der Familie des EC Bad Nauheim. Der 30-jährige Kanadier, 2007 als Achter (!) in der ersten Runde des Drafts von den Boston Bruins gepickt, hat den Durchbruch in der NHL nie geschafft, ebensowenig wie längerfristig bei einem Klub glücklich zu werden – obwohl er beides immer wollte. Im Interview spricht er über seine Vergangenheit, sein erstes Wochenende im Trikot der Roten Teufel, und warum er sich überhaupt für ein Engagement in der Kurstadt entschieden hat.

Herr Hamill, wie ist Ihr erster Eindruck von der Stadt, dem Team und der Liga?

Zach Hamill: Ziemlich gut. Es ging alles sehr schnell in der vergangenen Woche mit einem 24-Stunden-Flug, einem kurzen Training und dann dem ersten Spiel nur ein paar Stunden später. Es war ehrlich gesagt schon etwas verrückt, zumal wir am Samstag wieder nur kurz trainiert und dann am Sonntag wieder sieben Stunden Bus gefahren sind. Das war wirklich hart, meine Knochen haben mir weh getan, ich war müde, aber ich hoffe, das Training in dieser Woche hilft mir, jeden Tag etwas besser reinzukommen und auch ständig etwas dazuzulernen.

Wie ist es überhaupt zu ihrem Engagement in Bad Nauheim gekommen?

Hamill: Ich hatte Mittwoch den ersten Kontakt und bin Donnerstagmorgen schon um 4 Uhr zu Hause aufgestanden und losgefahren, war dann über einen ganzen Tag unterwegs. Aber sie hatten mich gefragt, ob ich gleich kommen und spielen kann, und da habe ich einfach ja gesagt (lacht). Nun gewöhne ich mich langsam daran und versuche, mich schnell einzuleben und im Training die Systeme der Mannschaft zügig zu verstehen.

Es war schon verrückt, nur 20 Minuten vor dem ersten Training hier überhaupt anzukommen und abends gleich zu spielen

Zach Hamill

Wie hat es sich angefühlt, am Freitag nach nur einem kurzen Training sofort mit der Mannschaft zu spielen?

Hamill: Es war schon verrückt, nur 20 Minuten vor dem ersten Training hier überhaupt anzukommen und abends gleich zu spielen. Ich denke, mein wahres Spiel wird noch kommen, wenn ich mich etwas ausgeruht, den Zeitunterschied überwunden und ein paar Trainingseinheiten mitgemacht habe. Ich wusste, es wird hart, aber ich kenne diese Situation aus meiner Vergangenheit und will einfach nur mein Bestes geben.

Wie haben Sie sich in Kanada fit gehalten?

Hamill: Ich habe jeden Tag zu Hause trainiert, wie ich es normal auch in einem Team tun würde. Wir waren eine Gruppe von etwa zehn Spielern, teils von da, aber teils auch Ausländer, die wie ich auf einen Vertrag gewartet haben.

Hat es Ihnen geholfen, dass Sie Cody Sylvester, Denis Shevyrin und Marcel Kahle schon aus Ihrer DEL-Zeit in Iserlohn gekannt haben?

Hamill: Natürlich hilft das. Ich kannte auch Dustin Sylvester beispielsweise schon, denn wir haben schon gegeneinander gespielt. Aber andererseits waren alle hier, seit ich gekommen bin, so wunderbar zu mir, sodass ich einen echt leichten Start hatte.

Wieso hatten Sie zu diesem Zeitpunkt in der Saison noch keinen Vertrag?

Hamill: Ich hatte ein paar Angebote, aber keines hat mich so richtig angesprochen. In der vergangenen Saison hatte ich kein schlechtes Jahr in Tschechien, aber dann kam nicht so richtig etwas und deshalb habe ich einfach weiter trainiert und gewartet. Dann kam plötzlich die Möglichkeit, in Bad Nauheim zu unterschreiben, und nun hoffe ich, dass ich dem Team helfen kann, ein paar Siege zu holen.

Sie haben zunächst einen Vertrag für sieben Wochen. Haben Sie vor, darüber hinaus hier zu bleiben?

Hamill: Das ist in der Tat meine Intention. Aber jetzt gehe ich erst einmal von Tag zu Tag, versuche mich einzugewöhnen, ein paar Trainingseinheiten zu machen, ein paar Spiele zu spielen, dem Team dabei zu helfen und so für mich wieder neu anzufangen.

Playoffs und Overtime sind die besten Dinge im Eishockey

Zach Hamill

Sie sind in den vergangenen Jahren viel herumgekommen, haben oft den Verein gewechselt. Woran lag das?

Hamill: Ich hatte alles in allem ein paar gute Jahre. Es waren einige Hochs und Tiefs dabei. Ich bin nicht sicher, warum ich nie irgendwo länger geblieben bin, aber nun bin ich hier und will neu anfangen. Ich konzentriere mich nur aufs Eishockey, versuche viele Videos zu schauen, an mir selbst zu arbeiten und insgesamt besser zu werden. Ich studiere also praktisch den Eishockeysport. Denn für mich geht es nur darum.

Sie waren als junger Spieler im NHL-Kader der Boston Bruins, haben ein paar Spiele gemacht, sich aber nie durchsetzen können. Wieso?

Hamill: Es war damals ein verdammt gutes Team, das 2011 dann ja auch den Stanley-Cup geholt hat. Es war sehr schwer, sich dort durchzusetzen – bei dieser Stärke und Tiefe des Kaders, auch wenn ich damals weit oben gepickt worden bin. Boston war immer in den Playoffs, ist dort immer weit gekommen und der Klub hat immer versucht, noch besser zu werden. Da war es immer sehr hart, an seinem Mitspieler vorbeizukommen.

Was erhoffen Sie sich nun vom EC Bad Nauheim?

Hamill: Ich möchte das tun, was ich immer schon wollte: Ich will Teil eines Teams sein, ihm helfen, mich verbessern, längerfristig an einem Ort bleiben – und vor allem Teil einer Gewinnermentalität sein. Ich habe eine lange Zeit nichts gewonnen, deshalb will ich nun umso mehr Teil einer entsprechenden Kultur werden. Und genau so etwa habe ich über und von den Trainern in Bad Nauheim gehört, was ein Grund für mich war, hierherzukommen. Es geht dabei nicht darum, immer alles zu gewinnen, sondern unbedingt gewinnen zu wollen, die Playoffs erreichen zu wollen und dort weit zu kommen. Den Playoffs und Overtime sind die besten Dinge im Eishockey. Ich liebe es, in solchen Spielen zu spielen. Das hat mir zuletzt oft gefehlt.

Wie würden Sie Ihre Art, Eishockey zu spielen, beschreiben?

Hamill: Ich denke, ich spiele sehr solide. Ich kann eigentlich jede Art von Spiel spielen. Ich kann mich gut anpassen und das umsetzen, was der Trainer von mir verlangt. Ich habe gelernt, in egal welcher Reihe und auf egal welcher Position mein Bestes zu geben. Ich denke, ich bin gut zu trainieren.

Das offene Stadion mit den Fans hier in Bad Nauheim hat eine besondere Atmosphäre

Zach Hamill

Hat Ihnen schon jemand gesagt, dass am Freitagabend (19.30 Uhr) das Colonel-Knight-Stadion voll sein wird, weil das Derby gegen Frankfurt ansteht?

Hamill: Ja, ich habe es schon gehört. Ich habe mir schon die Frankfurter Spieler angeschaut und auch ein paar Videos, weil ich immer versuche, meine Gegner zu studieren. Natürlich kenne ich solche Rivalitäten auch aus Kanada und anderen Ländern, deshalb freue ich mich schon darauf. Auch das offene Stadion mit den Fans hier in Bad Nauheim hat eine besondere Atmosphäre. Das erinnert mich an meine in der Zeit in der Schweiz. Ich hoffe, dass ich selbst im Vergleich zum Wochenende noch etwas mehr zeigen kann.

Info

Blick in die Historie: EC-Spieler mit NHL-Vergangenheit

Eishockey-Spieler mit einer Vergangenheit in der National Hockey League (NHL) in den USA und Kanada gab es schon einige. Zu den Prägendsten zählt zweifellos Stürmer Bill Lochead, der in der Saison 1981/82 in die Kurstadt kam. Mit 330 NHL-Spielen (69 Tore/72Vorlagen) auf dem Buckel sorgte er auch bei den Fans des damaligen Bundesligisten VfL Bad Nauheim angesichts eines bis heute ungebrochenen Rekordes von 66 Toren und 195 Strafminuten in einer Spielzeit für Jubel – und kam Mitte der 1980er Jahre sogar noch einmal zurück, sprang 2006 zudem als Trainer des damaligen Oberliga-Teams ein. Kein Wunder, schließlich wohnt der nun als Spielerberater tätige Kanadier noch heute im Ober-Mörler Ortsteil Langenhain-Ziegenberg. Zu den in Bad Nauheim unvergessenen Namen gehörten auch Walt Poddubny, der in der Saison 1992/93 mit der Empfehlung von 468 NHL-Spielen (184Tore, 238 Vorlagen) für zwei Spielzeiten zum EC kam, sowie Maurice »Moe« Lemay, 1987 sogar Stanley-Cup-Gewinner mit den Edmonton Oilers, der in der Saison 1997/98 für die Kurstädter stürmte.
Vor nun in der vorherigen Woche getätigten Verpflichtung von Zach Hamill gab es zuletzt in der Saison 2004/05 Spieler mit NHL-Historie im Kader der Roten Teufel – damals sogar gleich drei auf einmal: Jason Elliott, Peter Allen und Brian Loney. Sie alle gehörten dem Kader an, der 2004 einen letzten Anlauf für den Aufstieg in die DEL machen sollte. Während Torhüter Elliot, der ohne je ein NHL-Spiel bestritten zu haben dennoch 2002 Stanley-Cup-Sieger mit den Detroit Red Wings wurde, nach der Saison in Bad Nauheim nach Bietigheim wechselte, beendeten die beiden anderen Profis ihre Karrieren beim EC.

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