Nationalmannschaft

Die Fan-Camp-Manager aus Bad Nauheim

Der »Fan Club Nationalmannschaft« hat 55 000 Mitglieder. Für die WM haben rund 300 Fußball-Freunde ein Quartier im Fan-Camp des DFB gebucht. Organisiert wird dies von Bad Nauheim aus.
14. Juni 2018, 07:00 Uhr
Im Fan-Camp in Russland: W-com-Geschäftsführer Oliver Wohlers (Vierter von rechts) und sein Team betreuen den Fan Club Nationalmannschaft seit 2007. (Foto: pv)

Ein Originaltrikot der Nationalmannschaft. Signiert natürlich. Eintrittskarten der WM 2006, gleich 17 an der Zahl, fächerförmig hinter Glas. Fotos aus Rio, vom Finale 2014. Akkreditierungen vergangener Titelkämpfe, Pins, die Panorama-Aufnahme einer Stadion-Choreographie. Allesamt kleine Schmuckstücke. Sie zieren Wände und Regale. Hier, im Dachgeschoss-Büro von Oliver Wohlers, lebt der Fußball. Der 48-Jährige ist Geschäftsführer der Agentur W-com, die aus der Wetterau heraus im Auftrag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den »Fan Club Nationalmannschaft« organisiert und entsprechend auch das »Fan Camp« betreut. Ihr Ziel: ein Rundum-Sorglos-Paket für die deutschen Fans vor Ort. Angefangen bei den Flügen, über Unterkunft, Transfers zu den Spielen, Entertainment im Camp und Public Viewing bis zu Sightseeing-Touren. »Wir wollen den Menschen eine geile Zeit bieten; und dies zu fan-affinen Preisen«, wie der Agentur-Chef sagt. Mit rund einem Dutzend Mitarbeitern ist er seit Montag vor Ort. »Alle sind Fußball-Fans, und umso besser sie können unsere Leidenschaft einbringen.«

 

Premiere am Hafnersee

Die Idee eines »DFB-Fan Camps« wurde 2007 geboren und ein Jahr später bei den Europameisterschaften in Österreich und der Schweiz erstmals umgesetzt. Damals noch auf einem Zeltplatz am Hafnersee. Das kam gut an. 2010 in Südafrika waren die Fans in einer Universität untergebracht, 2014 in Brasilien auf einer Halbinsel, zuletzt, vor zwei Jahren in Frankreich, diente ein Campingplatz inmitten von Paris als Basis der deutschen Fußball-Seele. Für die Spiele in Russland wurde nun ein Hotel exklusiv für deutsche Anhänger angemietet. Längst spielen Sicherheitsaspekte in den Planungen eine zentrale Rolle und sorgen für Restriktionen. Sogenannte Fan-Walks, der gemeinsame Weg der deutschen Anhänger ins Stadion, wie man dies noch aus Frankreich in Erinnerung hat, sind beispielsweise in Russland untersagt, um Terroristen kein leichtes Ziel zu geben.

Die Vorbereitungen der Agentur sind mit denen des DFB durchaus vergleichbar. Seit mehr als einem Jahr laufen die Planungen, seit der Gruppenauslosung im Dezember 2017 ist eine Handvoll W-com-Mitarbeiter ausschließlich mit dem Projekt »WM 2018« beschäftigt. Mehrfach wurden - quasi im Stile von Bundestrainer Jogi Löw und Manager Oliver Bierhoff - mögliche Unterkünfte vor Ort inspiziert. Immer mehr Nationen entdecken Fan Camps für sich, buhlen um die besten Locations. Mit der gleichen Spannung wie die Funktionäre wurde deshalb auch vom Agentur-Chef die Auslosung verfolgt. »Wir wollten mit dem Camp nach Moskau. Und die Auslosung hat uns in die Karten gespielt«, sagt Lukas Nesgen, Projekt-Manager bei W-com und Fußballer beim VfB Friedberg. In Brasilien hatte man vor vier Jahren vom Plan, von Rio aus zu den Spielen zu reisen, absehen müssen. Aus Kostengründen. Zu allen drei Vorrunden-Spielen hätten Fans aus dem Camp per Flug anreisen müssen.

 

Mit Oliver Pocher und David Odonkor kicken

Die größte Schwierigkeit der 2018er-Titelkämpfe bei aller Camp-Routine: die fremde Sprache, die fremden Schriftzeichen. Eine russisch-sprachige Mitarbeiterin wurde deshalb in das Organisationsteam integriert. »Russland scheint den Eindrücken zufolge gut organisiert. Das war in anderen Ländern nicht immer so«, sagt Wohlers, dessen Team in enger Abstimmung mit dem DFB-Projektleiter arbeitet, um vor Ort um einen perfekten Mix aus WM, Kultur und Freizeit-Unterhaltung anbieten zu können. DFB-Präsident Reinhard Grindel hat seinen Besuch im Camp angekündigt, Promis aus Sport und Showbusiness werden bei TV-Moderator Christian Düren am Mikrofon stehen.

Zudem werden die Fans selbst in »Länderspielen« gegen den Ball treten können. Sogenannte »Fan-Matches« gegen Mexiko und Schweden sind geplant, wobei das Team der Ottonormalfans, die sich online um eine Teilnahme bewerben können auch mal durch Promis wie Oliver Pocher oder David Odonkor verstärkt wird.

Die Organisation konzentriere sich zunächst bis zum Achtelfinale, darüber hinaus sei man »auf sehr viele Eventualitäten eingestellt«, sagt Wohlers, der Sonnen- und Schattenseiten der großen Turniere kennengelernt hat. In Südafrika beispielsweise verstarb ein deutscher Fan auf dem Weg ins Stadion. Dank eines kurzen Drahtes zur deutschen Botschaft konnten die erforderlichen Schritte schnell eingeleitet werden. Vier Jahre später erlebte Wohlers den WM-Sieg in Rio als Stehplatz-Anhänger in der Kurve. Eigentlich nicht zu toppen. »Ich bin aber nicht der Philipp Lahm der Branche, um auf dem Höhepunkt abzutreten«, sagt er lachend. Neue Länder, andere Kulturen, die Verbindung mit dem Sport - »das ist eine spannende , faszinierende Geschichte«, sagt Wohlers. Ein Blick durch die Büroräume bestätigt das.

Info

Der Fan Club

Was ist der Fan Club Nationalmannschaft? Der Fan Club wurde 2003 nach der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland gegründet, um Menschen strukturiert ein Fußball- und Stadion-Erlebnis anbieten zu können und die Mannschaft bestmöglich zu unterstützen. Der Fan Club bietet eine bundesweite Plattform zum Austausch und zu Serviceleistungen (Ticket, Transport, Übernachtung). Eintrittskarten zu den Auswärtsspielen gibt’s beispielsweise ausschließlich über den Fan Club. Eine Prüfung des polizeilichen Führungszeugnisses ist bei Aufnahme von Mitgliedern obligatorisch. Weitere Infos gibt’s unter www.fanclub.dfb.de.

Welche Vorteile bietet der Fan Club Nationalmannschaft? Der Fan Club unterstützt die Nationalmannschaft bei jedem Spiel. Bei Heim- und Auswärtsspielen organisieren Fan Club-Betreuer günstige Fahrten. Zu ausgesuchten Anlässen und bei großen Turnieren bietet der Fan Club exklusive Charterflüge zu den Spielen und organisiert die Transfers vor Ort. Dazu werden häufig besondere Attraktionen wie Dampferfahrten auf Donau und Bosporus, Stadtrundfahrten in Moskau und Astana oder auch mal eine Brauereibesichtigung in Dublin geboten. Bei Welt- und Europameisterschaften prüft der Fan Club auch, ob im Gastgeberland gemeinsame Unterkünfte mit angemessener Infrastruktur zu fanfreundlichen Preisen realisierbar sind.

Wie nah komme ich an die Spieler? Rund um die Heimspiele der Nationalmannschaft verlost der Fan Club regelmäßig Fan-tastic Moments. Die Gewinner dürfen sich über unbezahlbare Momente im Kreise der Nationalmannschaft freuen. Mit Thomas Müller an der Playstation spielen, Tischkickern mit Mario Gomez, beim Abschlusstraining kiebitzen oder die Kabinen inspizieren.

Was kostet eine Mitgliedschaft? Eine Einzelmitgliedschaft kostet 30 Euro pro Jahr. Für Gruppen (ab zehn Personen) reduziert sich der Preis auf 22,50 Euro. Familien-Mitgliedschaften gibt’s ab 30 Euro zuzüglich zehn Euro für jedes weitere Familienmitglied. Wie kommt eine Agentur aus Bad Nauheim an diesen Auftrag? W-com hatte sich im Jahr 2007 mit seiner Präsentation durchgesetzt. Darin hatte die Agentur unter anderem das Projekt »Fan-Camp« vorgestellt.

Was wird im Fan-Camp geboten? Der Fan-Club hat mehrere Reise-Pakete angeboten. Das Preis im Doppelzimmer wurde mit 55 Euro kalkuliert. Das Programm in und um das Hotel, das als deutsche Fan-Base herausgeputzt wurde, beginnt bereits am Vormittag. Ein Mini-Fußballfeld wurde aufgebaut, ebenso ein Basketball-Court. Am Montag, dem Tag nach dem Deutschland-Spiel gegen Mexiko, beispielsweise wird eine mehrstündige Bootstour angeboten, auch ein Trip zu den Sieben Schwestern steht auf dem Programm. Am Nachmittag lockt das Public Viewing im Camp viele Gäste vor die LED-Wand. »Wir nehmen die Menschen an die Hand und bieten quasi eine Rundum-Betreuung, wenn dies gewünscht. Viele erkunden Moskau und die Umgebung aber auch eigenständig«, berichtet Lukas Nesgen, Projekt-Manager von W-com aus der Erfahrung heraus.

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