10. Januar 2019, 12:00 Uhr

Eishockey

Der Traum vom Leben als NHL-Profi lebt bei diesem Wetterauer

Julian Napravnik hat seine Heimat verlassen. Für seinen Traum vom Leben als NHL-Profi. Inzwischen spielt der Ilbenstädter in einer US-College-Liga - einem echten Karriere-Sprungbrett.
10. Januar 2019, 12:00 Uhr
Der Niddataler Julian Napravnik spielt zurzeit für die Minnesota State University in der College-Liga NCAA in den USA. (Foto: privat)

Zu Hause. Bei Freundin Vivian, Bruder Kevin, Mutter Claudia, Großvater Norbert. Momente, wie jene zur Weihnachtszeit, sind selten im Leben von Julian Napravnik. Seit zweieinhalb Jahren lebt der 21-Jährige in den Vereinigten Staaten, derzeit auf dem Campus der State University in Mankato, einer 40 000-Einwohner-Stadt eine Autostunde von Minneapolis entfernt. Napravnik studiert Sportmanagement und spielt für die Mavericks, für das sportliche Aushängeschild der drittgrößten Hochschule im US-Bundesstaat Minnesota. Sein Ziel: ein Angebot aus der berühmten National Hockey League (NHL). Seine Bühne: die hoch angesehene National Collegiate Athletic Association (NCAA); Ausgangspunkt zahlreicher großer Karrieren.


Julian Napravnik ist seit über zwei Jahren in den USA zu Hause

Julian Napravnik war über die Feiertage in seiner Wetterauer Heimat. (Foto: Nickolaus)
Julian Napravnik war über die Feiertage in seiner Wetterauer Heimat. (Foto: Nickolaus)

Napravnik hat sich im Senioren-Bereich rasch akklimatisiert. Bei der Wahl zum »Rookie of the Year« in der Western Collegiate Hockey Association (WCHA), in der die Mavericks spielen, gehört er zu den Topfavoriten. Drei Tore hat er in 21 Spielen erzielt, acht weitere Treffer vorbereitet. »Diesen Weg zu gehen, war die absolut richtige Entscheidung«, sagt der Stürmer, der im Nachwuchs der Roten Teufel Bad Nauheim die Basics erlernt und sich in Mannheim weiterentwickelt. Im Jahr 2016 hatte er in Deutschland alles erreicht. Drei Meistertitel in der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL) mit Mannheim, Siegtorschütze und Most Valuable Player (MVP) im Finale, DNL-Spieler des Jahres, U-Nationalspieler. Die NHL-Scouts hatten seinen Namen bereits in den Notizbüchern. Bei den Drafts wurde er, seinerzeit ein Leichtgewicht, dann allerdings nicht berücksichtigt.

Sein Weg führte dennoch nach Nordamerika. Zwei Jahre entwickelte sich Napravnik bei den Des Moines Buccaneers, einer Nachwuchs-Mannschaft in Iowa. Mehr als 7000 Kilometer von zu Hause entfernt ist er gereift; als Sportler und als Mensch. Aus dem schmächtigen Teenager mit viel Talent und wenigen Muskeln ist ein zielstrebiger junger Mann mit einem großen Traum geworden. Den Übergang auf das College-Hockey meisterte nahtlos. »Der Sprung war schon immens. Aber ich bekomme viel Eiszeit, bin zufrieden«, sagt er. In den Reihen zwei und drei wird der Hesse zumeist eingesetzt und bekommt bereits das Vertrauen im Powerplay. Die Mavericks führen die Tabelle an.


Der Niddataler legt seine Hoffnung auf ein NHL-Sommercamp

In der teaminternen Scorerliste steht Napravnik weit oben; unter anderem hinter seinen jeweils zwei Jahre älteren Landsleuten Marc Michaelis und Parker Tuomie. In Mannheim hatten sie einst schon zusammengespielt. Michaelis ist im Mai 2018 zur Weltmeisterschaft der A-Nationalmannschaft nominiert worden. Tuomie ist der Sohn von Tray Tuomie (1998/1999 beim EC Bad Nauheim). »Marc hat sich die WM-Nominierung verdient. Und mit seiner Leistung hat er zugleich Aufmerksamkeit auf unsere Collage-League gelenkt«, sagt Napravnik, der über seine beiden Freunde aus Jungadler-Zeiten mit der Minnesota State University in Kontakt gekommen war. Neben diesem Trio spielen drei weitere Deutsche in der NCAA.

Die größte Umstellung im Sommer: das Studium; und das natürlich in englischer Sprache. »Ich hatte es mir aber noch schwieriger vorgestellt. Aber mit dem Google-Übersetzer kann man das eine oder andere Problem lösen.« Nach dem Fachabitur in Mannheim hatte sich Napravnik in Des Moines ausschließlich auf Eishockey konzentriert, war bei Gast-Eltern untergebracht. Heute wälzt er Lehrbücher, wenn er nicht auf dem Eis steht, lebt in einem Zweier-Zimmer auf dem Campus. Bis zum Sommer noch. Dann erfolgt der Umzug in eine Fünfer-Wohngemeinschaft ins College-Town, in die unmittelbare Nachbarschaft. Insgesamt vier Jahre an der State University sind vorgesehen – wenn nicht vorab schon die Traum-Offerte lockt.


Vielleicht ist ja auch sein Ex-Klub Adler Mannheim aus der DEL am Ende der Nutznießer

Das Eishockey-Team ist der Stolz der Hochschule; die Mavericks sind – weil als einzige Sportmannschaft auf höchstem College-Level spielend – quasi die Local Heros. 4500 bis 5000 Zuschauer verfolgen die Heimspiele im Verizon Wireless Center; darunter meist ein Dutzend Scouts aus der NHL. Direkten Kontakt oder ein Feedback gibt’s nicht, aktuell auch nicht zum Deutschen Eishockey-Bund (DEB). Zum Ende der College-Zeit stehen den Absolventen von einem NHL-Vertrag, über Engagements in der zweitklassigen American Hockey League bis zu Angeboten aus den europäische Topligen zumeist viele Türen offen. »Jeder träumt natürlich von der NHL. Und das ist ein noch immer greifbares Ziel«, sagt Napravnik und hofft auf eine Einladung in ein NHL-Sommer-Camp, »um zu sehen, wo ich stehe«.

Hier in Deutschland, genauer gesagt bei seinem Ausbildungsverein in Mannheim, wird die Entwicklung von Julian Napravnik intensiv verfolgt. Im Sommer nahm der Ilbenstädter am Development-Camp bei seinem Ex-Klub teil – und hinterließ offenbar Eindruck bei Adler-Chefcoach Pavel Groß. Er sei einer für die Zukunft, ließ man ihn zum Abschied wissen.

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