Leichtathlet

Der Spätentwickler mit großen Zielen

Seine bislang größten Erfolge feierte der Leichtathlet Marc Tortell auf der Mitteldistanz. Mittelfristig sieht sich der 19-Jährige aber auf den längeren Distanzen.
06. August 2017, 10:00 Uhr
Kritischer Blick der Mutter: Uta Eckhardt-Tortell beobachtet, wie ihr Sohn Marc Tortell den Start in ein Rennen übt. (Foto: nic)

Mit langen und kraftvollen Schritten dreht Marc Tortell seine Runden. Etwa sechs Kilometer läuft er auf der Bahn im Stadion an der Waldhohl in Groß-Karben. Obwohl er am Vortag bei einem Sportfest in Erfurt einen Wettkampf bestritten und seine Bestzeit über 800 Meter auf 1:50,07 Minuten verbessert hatte. Pausen gönnt sich der Athlet des TV Rendel nicht so gerne. Denn er ist äußerst ehrgeizig und hat für die Zeit nach dem nahenden Abschluss der Freiluftsaison bereits die Wettkämpfe in der Halle im Visier. »Ich muss mal schauen, ob ich meinen Schwerpunkt auf die 1500 oder 3000 Meter lege«, sagt Tortell, der während der Hallensaison erstmals im Männerbereich an den Start gehen wird.

Im Jugendbereich zählte der 1,80 Meter lange und 60 Kilogramm leichte Jungspund zur deutschen Spitze. In Hessen konnte ihm über seine Paradedisziplin, die 1500 Meter, jahrelang niemand das Wasser reichen. Mehrfach gewann Tortell, der von seinen Eltern trainiert wird, den hessischen Meistertitel. Eine besondere Ehre wurde ihm Anfang Dezember 2016 zuteil, als er bei den Cross-Europameisterschaften erstmals das deutsche Nationaltrikot tragen durfte. Obwohl es in Chia (Italien) über die 6,1-Kilometer-Distanz nur zu Platz 69 reichte, grämte sich Tortell hinterher nicht.

»Ich bin ja eigentlich ein Mittelstreckenläufer. Daher war 6,1 Kilometer für mich eine lange Distanz«, sagt der Rendeler rückblickend.


Für lange Distanzen Training umstellen

Mittelfristig sieht sich Tortell eher auf den langen Distanzen. Deshalb will der 19-Jährige im nächsten Jahr sein Training umstellen und den Schwerpunkt noch mehr auf den Ausdauerbereich legen. »In der nächsten Freiluftsaison werde ich noch bei den 1500 Metern bleiben, aber perspektivisch sehe ich mich auf den 5000 Metern«, blickt Tortell voraus. Zunächst muss er sich aber für den Schritt in den Männerbereich wappnen. Für einen Schritt, der für viele gewaltig ist. »Im Männerbereich gibt es ganz andere Kaliber. Für mich geht es zunächst vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln«, weiß Tortell, betont aber auch: »In zwei, drei Jahren möchte ich vorne mitlaufen.« Nicht in der hessischen, sondern in der nationalen Spitze.

Wie bereits seine Eltern will er sich auf der ganz großen Bühne präsentieren. Mutter Uta vertrat Deutschland einst über 1500 Meter bei den Hallen-Europameisterschaften, Vater Enrique mischte über die gleiche Distanz ebenfalls in der nationalen Spitze mit. Heute teilen sie sich die Trainingsbetreuung ihres Sohnes und trauen ihm eine große Karriere zu.

»Marc ist ein Spätentwickler. Bis vor vier Jahren war nicht absehbar, dass er sich so gut entwickelt«, erinnert sich Uta Eckhardt-Tortell und ergänzt: »In den letzten Jahren ist er mit großen Schritten vorangekommen – und er ist noch längst nicht am Ende seiner Entwicklung.«

Auch Enrique Tortell traut seinem Sohn im Männerbereich den Sprung in die nationale Spitze zu, weil er die dafür nötigen Charaktereigenschaften mitbringe. »Marc ist einfach ein Wettkampf-Typ. Er kann sich unglaublich gut fokussieren, ist willensstark und kann seine Taktik kurzfristig anpassen, wenn das erforderlich ist«, erläutert der gebürtige Spanier die besonderen Fähigkeiten seines Sohnes, der nach seinem Abitur in Bad Homburg ein duales Studium (International Business) begann und mittlerweile in Frankfurt lebt. In einer Wohngemeinschaft, zusammen mit anderen Leichtathleten. Ein klassisches Studentenleben führt der 19-Jährige aber nicht.

 

Straffes Tagespensum

 

Gerade während der Saison muss Marc Tortell sehr diszipliniert leben und früh ins Bett gehen. Täglich steht er um halb sechs auf, fährt zur Arbeit nach Bad Homburg, wo er im Controlling des Gesundheitskonzerns Fresenius seinen Praxisteil im Studium absolviert. Nachmittags geht es schnell nach Hause, dann ab ins Training, um abends noch lernen zu können. Am Wochenende stehen dann häufig Wettkämpfe auf dem Programm.

»Irgendwann freut man sich einfach auf die Saisonpause, um mal zwei Wochen lang richtig Party machen zu können«, gibt der 19-Jährige zu. Im zarten Alter von acht Jahren begann Tortell mit der Leichtathletik. Bis zu seinem 15. Lebensjahr spielte er in Rendel auch Fußball, ehe er sich ganz der Leichtathletik widmete. Eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut hat: »Ich spiele in meiner Freizeit zwar gerne Fußball, aber ich mag es einfach, alles selbst in der Hand zu haben«, begründet Tortell und schiebt nach: »Als Leichtathlet kann ich einfach besser meine Grenzen austesten.«


Grenzen überschreiten

Da er sehr ehrgeizig ist, überschreitet er manchmal auch seine Grenzen. Seit drei Jahren plagen ihn daher immer wieder kleinere Verletzungen, im vergangenen Jahr musste er sogar zwei Monate lang pausieren. »Das liegt daran, dass ich nicht immer auf meine Eltern gehört und es im Training etwas übertrieben hatte«, sagt der 19-Jährige und ergänzt: »Ich denke, dass ich durch meine Verletzungspausen viel mentale Stärke gewonnen habe.«

Derzeit strotzt Marc Tortell nur so vor Energie. Und er trainiert beharrlich, erreicht im Training aber nie seine Leistungsspitze. »Das unterscheidet ihn von anderen Athleten, die im Training gut und im Wettkampf gut sind«, sagt Mutter Uta Eckhardt-Tortell und fügt hinzu: »Marc ist im Training gut, kann aber im Wettkampf regelrecht explodieren.« Diese besondere Stärke soll in den kommenden Jahren auch die Konkurrenz im Männerbereich zu spüren bekommen.

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