14. September 2018, 16:00 Uhr

Neuanfang

Das will der prominente Trainer der Friedberger Wasserballer ändern

René Reimann ist der neue Mann am Beckenrand der Zweitliga-Wasserballer des VfB Friedberg. Im Interview berichtet er von seiner außergewöhnlichen Karriere - und was er in der Wetterau verändern will.
14. September 2018, 16:00 Uhr
René Reimann will als neuer Trainer der Zweitliga-Wasserballer des VfB Friedberg das Training umstrukturieren und strebt in seiner ersten Saison in der Wetterau frühzeitig einen gesicherten Mittelfeldplatz an. (Foto: pv)

René Reimann heißt der neue Trainer der Zweitliga-Wasserballer des VfB Friedberg. Mit dem Nachfolger für den wegen eines Referendariats nach Berlin umgezogenen Ilja Shkolnikov haben die Kreisstädter einen echten Promi ihres Sports in die Wetterau gelotst. Der 51-Jährige hat insgesamt 394 Mal für die deutsche Nationalmannschaft gespielt, wurde mit ihr 1989 sogar Europameister, ist darüber hinaus 15-facher deutscher Meister, außerdem dreimaliger Olympia-Teilnehmer und ehemaliger Coach der deutschen Frauennationalmannschaft. Der gebürtige Berliner hat in Spandau das Wasserballspielen gelernt und dort auch seine größten Erfolge gefeiert. Zuletzt war er Athletiktrainer an der Schüttler-Waske Tennis-University in Offenbach. Im Interview spricht er über seine größten Erfolge, das Potenzial seiner neuen Mannschaft und das Ziel für die neue Zweitliga-Saison, die im November startet.

Herr Reimann, Sie waren als Spieler und Trainer sehr erfolgreich. Was war Ihr größter Moment?

René Reimann: Ich freue mich noch heute ungemein über die Teilnahme an den olympischen Spielen. Das ist einfach etwas besonders Reizvolles für jeden Sportler, und für mich war es immer ein fantastisches Erlebnis. Der größte persönliche Erfolg war der Moment, als ich bei den Wasserfreunden Spandau den Sprung aus der Jugend- in die Herrenmannschaft geschafft hatte. Das ist für mich bis heute unvergleichlich.

Wieso wollten Sie wieder als Trainer aktiv werden – und dann in Friedberg?

Reimann: Ich habe Ilja Shkolnikov vergangene Saison schon bei einigen Trainingseinheiten unterstützt und mir auch viele Spiele der Mannschaft angesehen – ob live oder als Video. Ich habe einfach gemerkt, dass es mich wieder in den Fingern juckt und ich Spaß daran habe, eine Mannschaft zu trainieren. Nachdem Ilja aus beruflichen Gründen nach Berlin musste, und ein neuer Trainer gesucht wurde, habe ich mich mit den Verantwortlichen des VfB zusammengesetzt. Da brauchte es keine lange Überzeugungsarbeit, um mich zu gewinnen. Die Herausforderung, das Beste aus diesem Team herauszuholen finde ich sehr reizvoll. Bei der Vorstellung wieder am Beckenrand zu stehen, bekomme ich direkt ein Lächeln ins Gesicht.

Ich will individuell auf jeden Spieler eingehen und mit ihm an seinen Schwächen arbeiten, aber auch die Stärken weiter fördern

René Reimann

Wie lief das erste Treffen mit der Mannschaft ab?

Reimann: Das war sehr positiv. Ich habe der Mannschaft meine Vorstellungen mitgeteilt und dafür sehr gute Resonanz bekommen.

Was ist Ihnen im Training wichtig?

Reimann: Ich will individuell auf jeden Spieler eingehen und mit ihm an seinen Schwächen arbeiten, aber auch die Stärken weiter fördern. Das Training wird deutlich positionsspezifischer werden. Ein Tormann sollte nicht die gleiche Strecke schwimmen wie ein Feldspieler, sondern in der Zeit beispielsweise mehr Beinkraft und Reflexe trainieren. Es gibt ein paar Spieler, bei denen wir noch an einem Kraftzuwachs arbeiten wollen, während andere nur lernen müssen, ihre Kraft noch besser einzusetzen. Außerdem möchte ich das Training noch näher am Spiel orientieren. Wenn jemand als Spieler immer auf Rechtsaußen steht, aber im Training nur den Torwurf mittig vor dem Tor übt, dann wird er das im Spiel nicht nutzen können.

Wo sehen Sie das größte Verbesserungspotential in der Mannschaft?

Reimann: Die Absprachen und die gegenseitige Aufmerksamkeit sind Punkte, die ich gerne noch verbessern möchte. Einander helfen und sich ergänzen sind Aspekte, die wir im Training verstärkt üben wollen.

Wo sehen Sie die Stärken der Mannschaft?

Reimann: In der vergangenen Saison sah es lange Zeit gar nicht gut aus. Die Mannschaft musste mit sehr viel Kritik umgehen. Einige unglückliche Spielausgänge haben dazu geführt, dass die Jungs gegen den Abstieg kämpfen mussten. Aber sie haben nie aufgegeben und als Underdog gegen große Mannschaften gewonnen. Das fand ich sehr beeindruckend. Auch läuft das Spiel nicht über ein oder zwei Stars, wie es bei vielen anderen der Fall ist, sondern Siege sind immer eine Mannschatfsleistung. Das macht das Team unberechenbar. Zudem ist die Verteidigung sehr stark – angefangen beim Torhüter über die Center bis zu den Außenspielern.

Das geniale Gefühl, als Sieger aus dem Wasser zu steigen, ist unersetzbar. Das werden wir in dieser Saison oft haben

René Reimann

Wie sehen Sie den Stellenwert der Jugendspieler in der nächsten Saison?

Reimann: Die Jugendspieler gehören bei uns ins Herrentraining und müssen ab einem gewissen Punkt gefördert werden. Ihnen fällt es noch leicht, Neues zu lernen und es direkt umzusetzen. Natürlich werden sie im Training auch häufiger mal überfordert sein mit einem starken Herrenspieler als Gegner, aber ich bin sicher, dass sie daran wachsen. Und wenn sich die Spieler im Training gut anstellen und engagiert sind, dann sehe ich auch die Möglichkeit, sie mit auf Spiele zu nehmen, in denen sie erste Erfahrungen in der zweiten Liga machen können.

Wie lautet Ihr Saisonziel?

Reimann: Ich sehe ein ungemeines Potenzial in diesem Team. Diese Saison strebe ich frühzeitig einen Platz im Mittelfeld an. Das setzt allerdings eine gute Vorbereitung voraus. Natürlich werden wir zu Beginn nicht auf 100 Prozent des Leistungsniveaus sein, aber wir wollen einen guten Start erwischen und uns im Laufe der Saison steigern. Das geniale Gefühl, als Sieger aus dem Wasser zu steigen, ist unersetzbar. Das werden wir in dieser Saison oft haben. Da bin ich mir sicher.

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