17. Mai 2009, 22:22 Uhr

»Herz, Kampf, Köpfchen und Licher Gebräu«

(lad) Vier Wochen ist es erst her, dass die Basketball-Abteilung des TV 1860 Lich - zuletzt unter dem Namen LTi Lich - nach jahrelanger Zugehörigkeit aus der zweithöchsten deutschen Spielklasse absteigen musste. Am vergangenen Wochenende waren dennoch Feierlichkeiten bei den Bierstädtern angesagt, die mehr als deutlich demonstrierten, dass der TV-Basketball noch lebt. Im Rahmen des historischen Licher Marktes zelebrierten aktuelle und altbekannte Spieler sowie rund 400 Fans den zehnten Jahrestag des Aufstieges in die Erste Bundesliga und sorgten mit diesen Erinnerungen für Zuversicht, dass die Geschichte des Traditionsvereins auch eine Zukunft haben wird.
17. Mai 2009, 22:22 Uhr
ALTBEKANNTE GESICHTER: Allstar Pat Elzie (einst MTV 1846 Gießen) setzt sich hier gegen den ehemaligen Licher Aufstiegsspieler Stefan Göllner durch. (Foto: Wendling)

(lad) Vier Wochen ist es erst her, dass die Basketball-Abteilung des TV 1860 Lich - zuletzt unter dem Namen LTi Lich - nach jahrelanger Zugehörigkeit aus der zweithöchsten deutschen Spielklasse absteigen musste. Am vergangenen Wochenende waren dennoch Feierlichkeiten bei den Bierstädtern angesagt, die mehr als deutlich demonstrierten, dass der TV-Basketball noch lebt. Im Rahmen des historischen Licher Marktes zelebrierten aktuelle und altbekannte Spieler sowie rund 400 Fans den zehnten Jahrestag des Aufstieges in die Erste Bundesliga und sorgten mit diesen Erinnerungen für Zuversicht, dass die Geschichte des Traditionsvereins auch eine Zukunft haben wird.

»Wir haben einen ganz wichtigen Sieg errungen«, scherzte Kai Löffler, ehemaliger Spieler des TV 1860 Lich, am frühen Samstagabend. Kurz zuvor hatten seine »99ers«, jene Mannschaft, die am 25. April 1999 das »Wunder von Weißenfels« schaffte und als Provinzklub »aus der Nähe von Gießen« (O-Ton des MDR, der damals vom Spiel berichtete) in die Erste Bundesliga aufstieg, mit 82:80 (42:34) gegen ein Allstar-Team, das aus ehemaligen Licher Spielern bestand, gewonnen.

Die »Aufstiegshelden« traten in kompletter Originalbesetzung an, auch wenn Tobias Erben (analog zum »Endspiel« 1999) und Lucian Kieser verletzungsbedingt nicht mitwirken konnten und an die Bank gefesselt waren. Sogar US-Star Fred Williams und Aufstiegstrainer Anthony Taylor flogen eigens aus den USA ein, um am Jubiläumsspiel mitzuwirken. Für ihre Flugtickets hatte das »99er«-Team zusammengelegt und damit erneut den Mannschaftsgeist bewiesen, den es damals so ausgezeichnet hatte. »Es ist ein tolles Gefühl, wieder zurück zu sein, auch wenn es traurig ist, dass der Verein gerade abgestiegen ist. Aber es ist schön zu sehen, wie die Leute in Lich ihren Verein trotzdem unterstützen«, war Fred Williams, inzwischen High-School-Lehrer und Basketball-Trainer eines Mädchenteams, beinahe ein wenig melancholisch nach seinem »Comeback-Spiel«. Er und Taylor, der sein Geld heutzutage als Sozialarbeiter zur Integration von Straftätern verdient, fügten sich problemlos in die »99er«-Mannschaft ein, der vom Teamgeist her die zehnjährige Pause keinesfalls anzumerken war, auch wenn auf dem Feld der eine oder andere Muskel zwickte oder dieser und jener Ball ins Aus trudelte. Aber dennoch waren alte Tugenden zu erkennen, wenn Markus Wedler einen Dreier nach dem anderen versenkte oder Sebastian Szymanski flink zum Korb zog.

Bei den von Stefan Koch gecoachten Allstars, die Kapitän Rolf Scholz anführte, gaben vor allem Ryan De Michael und Igor Starcevic eine gute Figur ab. Im Anschluss an das Spiel bedankten sich die 400 Zuschauer bei beiden Teams mit Standing Oovations, sogar noch bevor die Spieler das in Lich obligatorische Bier-Wetttrinken in rekordverdächtiger Zeit absolviert hatten. Anschließend signierten alle Beteiligten einen goldenen Ball, der nun versteigert werden soll. Der Erlös geht an den finanziell angeschlagenen Verein ebenso wie die Einnahmen aus Eintritt und Getränken/Essen, die die Erwartungen der Veranstalter sogar noch übertrafen (Löffler und Jens Gehlhaar unisono: »Es war insgesamt ein voller Erfolg.«)

Ab 19 Uhr verlagerte sich das Geschehen auf den historischen Markt, als vor der Sparkasse der Film »Das Wunder von Weißenfels« gezeigt wurde. Dieser zeigte einen Zusammenschnitt des Spiels beim damaligen Nordzweitligisten SSV Weißenfels, bei dem Lich den Elf-Punkte-Rückstand aus dem Hinspiel noch zum Aufstieg drehte. Gezeigt wurde jeder einzelne Korb unter dem professionellen, aber auch pointierten Kommentar von Stefan Koch (»Und er bewies, dass man auch mit dieser Wurftechnik einen Dreier eintüten kann. «). Ergänzt wurden die Spielszenen durch zahlreiche Kommentare der Zeitzeugen, wie beispielsweise von Kapitän Jan Bokemeyer, von Koch als »der trinkende Tierarzt« vorgestellt: »Als wir zur Halbzeit mit zehn Punkten führten, hatten wir eigentlich schon gewonnen.«; Sebastian Stammler: »Die hatten in Weißenfels in der dicht gedrängten Halle schon die Aufstiegssektgläser bedruckt; das war schon ein komisches Gefühl«; Kai Löffler: »Der erste Zwölf-Punkte-Vorsprung war ein ganz wichtiger psychologischer Vorteil; in dem Moment waren wir aufgestiegen«; Anthony Taylor: »Nach der Schlusssirene war ich erstmal geschockt und sprachlos«; oder erneut Löffler: »Als ich nach dem Aufstieg mit den Verantwortlichen des MTV 1846 Gießen telefonierte, war am anderen Ende des Hörers erst einmal Stille«.

Die Zuschauer auf dem Markt bejubelten jeden gelungenen Spielzug des »99er«-Spiels mit Applaus, als sähen sie es gerade live und quittierten vergurkte Bälle mit »Mensch, Kai!«, was für ebenso viel Gelächter sorgte wie Kochs wortspiellastigen Kommentare. Den Film schlossen Szenen von der Aufstiegsfeier am 1. Mai 1999 am Licher Marktplatz, inklusive des Mannschaftsbades im Brunnen, dessen Wasser mit einem leichten Bierschaum überzogen war.

Im Anschluss erhielt die Rock-Cover-Band »7 Senses« mit Liedern von Alanis Morissette und Co. die Stimmung am Markt aufrecht, wo Fans und Mannschaft noch bis nach ein Uhr feierten. Doch für die Licher Spieler war die Nacht nun noch lange nicht vorbei, denn bis 5 Uhr wählten sie noch die Korona-Bar als Domizil aus, um nach zehn Jahren endlich wieder vor allem eine der von Kai Löffler zitierten vier Licher Tugenden zu pflegen: »Herz, Kampf, Köpfchen und das in der Stadt ansässige Gebräu.«

»99ers«: Kai Löffler, Jan Bokemeyer, Lucian Kieser, Sebastian Szymanski, Markus Wedler, Stefan Göllner, Henrik Kreuder, Sebastian Stammler, Viktor Klassen, Tobias Erben, Fred Williams. - Trainer: Anthony Taylor, Jürgen Süßlin und Thorsten Leibenath.

Allstars: Bernd Hadwiger, Willie Young, Jochen May, Daniel Dörr, Patrick Elzie, Igor Starcevic, Tyrone McCoy, Ryan De Michael, Alex Gross, Ralf Bülter, Rolf Scholz, Benjamin Lischka. -Trainer: Stefan Koch und Tim Butler.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Alanis Morissette
  • Benjamin Lischka
  • MTV 1846 Gießen
  • Rolf Scholz
  • Stefan Koch
  • Weißenfels
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 / 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.