06. Juni 2017, 11:25 Uhr

Wetzlarer Jugend

Zum fünften Mal deutscher Meister

Die Sporthalle Dutenhofen hat schon unzählige Handball-Schlachten erlebt. Der DM-Triumph der HSG Wetzlar U 19 über die Füchse Berlin 2017 hat sich am Pfingstsamstag nahtlos eingereiht.
06. Juni 2017, 11:25 Uhr
Die Handball-Junioren der HSG Wetzlar am Ziel ihrer Träume: Deutscher Meister 2017. (Foto: Friedrich)

HSG Wetzlar


Die Sensation ist geglückt! Der Deutsche Meister der A-Jugend 2017 heißt HSG Wetzlar U 19! Für die grün-weißen Junioren um Trainer Thomas Weber dürfte die 24:27 (10:13)-Niederlage gegen die Füchse Berlin Reinickendorf am Samstagabend in der Sporthalle Dutenhofen die wohl schönste ihren bisherigen sportlichen Karriere gewesen sein. In einem extrem spannenden und packenden Rückspiel setzten sich die Domstädter am Ende dank der Auswärtstorregel und dem 30:27 im Hinspiel im Berliner »Fuchsbau« verdient durch und krönten sich damit zum Champion in Deutschlands wichtigsten Junioren-Liga. Nach 1980, 1982, 1985 und 2002 ist es der fünfte große Titel im Jugendbereich für die HSG Wetzlar und der gelungene Abschluss einer tollen Saison des jungen U 19-Teams von der Lahn.

Der Berliner Angriffswucht stemmte sich die HSG Wetzlar U 19 mit den 1750 frenetischen Anhängern im Rücken erfolgreich entgegen. Ian Weber (l.), Hendrik Schreiber (M.) und Torhüter Till Klimpke (98) bei der Abwehrarbeit gegen die Füchse Rolando Urios Gonzalez (am Kreis) und Frederik Simak (beim Wurf).	(Foto: Friedrich)
Der Berliner Angriffswucht stemmte sich die HSG Wetzlar U 19 mit den 1750 frenetischen Anh...

Vor 1750 Zuschauern in der proppenvollen Sporthalle Dutenhofen sowie vielen weiteren an den Bildschirmen auf sportdeutschland.tv hatten sich beide Mannschaften keinen Zentimeter Raum geschenkt und alles für den Titel gegeben. Den viermaligen Jugend-Champion aus Berlin blieb diesmal nur die Rolle des Vizemeisters übrig.

Coach Bob Hanning hatte seine »Jungfüchse« zwar gut auf den Gegner eingestellt, doch obwohl die wurfgewaltigen DHB-Jugendnationalspieler Jakob Knauer und Frederik Simak alles nach vorne warfen, gelang es den Gästen nicht mehr, den Rückstand aus dem Hinspiel noch umzubiegen.

Es lief bereits die 60. Spielminute, als Wetzlars Spielmacher Hendrik Schreiber seine Mannschaft ein letztes Mal nach vorne trieb. Fast die komplette Spielzeit waren die Hausherren bis dato einem Rückstand hinterhergelaufen. Nun, mit den zahlreichen eigenen Fans im Rücken – von denen es niemanden mehr auf den Sitzen hielt – setzten Ian Weber und »Madu« Okpara im Rückraum zur finalen Kombination an und brachten Tim Rüdiger in Stellung. Der sonst so treffsichere Rechtsaußen vergab aber in Überzahl die Möglichkeit zur Entscheidung.

Stattdessen prallte der Ball von Mark Ferjan im Füchse-Tor in die Mitte. Ein Raunen ging durch die Menge, als Frederik Simak mit dem abgefangenen Ball auf Links durchbrach und auf das Wetzlarer Tor zulief. In einem letzten Kraftakt stoppten Okpara und Weber den Sololauf des Slowenen, dessen schwacher Wurf von Till Klimpke im HSG-Tor pariert wurde.

Die Schlusssirene ertönte, die Meisterschaft war in diesem Moment ganz nah – nur noch ein letzter direkter Freiwurf der Gäste aus der Bundeshauptstadt. Simak übernahm die Verantwortung für die Füchse und schritt mit weiten Schritten vor die Abwehrmauer der Grün-Weißen. Die Spannung in der Sporthalle Dutenhofen schien nun förmlich greifbar und entlud sich in einer Welle aus Euphorie, purer Erleichterung und überschwänglicher Freude, als der letzte Wurf der Gäste in die Mauer am Sechsmeter prallte. Nun gab es kein Halten mehr: Mannschaft, Auswechselspieler, Fans und Trainerteam – allesamt waren sie auf dem Spielfeld und lagen sich in den Armen. Die Anspannung der letzten Wochen und Monate, all die Entbehrungen der Finalspiele und der langen Saison, all das schien plötzlich von dem jungen Team abzufallen – ein Tag, an den man sich in Wetzlar noch lange zurückerinnern wird.

Dabei hatte Berlin in der rassigen Partie zunächst den besseren Start erwischt und war durch das 2:0 (2.) per Siebenmeter von Tim Rozman in Führung gegangen. Es dauerte einen Moment, bis Rüdiger per Tempogegenstoß beim 2:2 (4.) den Ausgleich erzielte. Berlin hatte die richtigen Lehren aus dem Hinspiel gezogen und fand in der Anfangsphase die besseren Lösungen gegen die zweikampfstarke 6:0-Deckung der Hausherren. Doch auch Wetzlar kombinierte und suchte in der extrem offensive 3:3-Deckung die Lücken: Ian Weber verlud in der neunten Minute gleich zweimal Kuno Schauer auf der linken Abwehrseite und traf per Doppelschlag zum 5:4. Die Gäste aus der Bundeshauptstadt blieben aber zu jedem Zeitpunkt gefährlich und fanden auf die Gegentreffer mit ihrer extrem starken zweiten Welle direkt die passende Antwort. Mit dem 7:6 von Rozman war Berlin wieder vorne und HSG-Coach Weber legte zum ersten Mal die grüne Karte auf den Tisch. In der Folge behielt Berlin weiterhin die klaren Feldvorteile, auch weil Wetzlar zu nachlässig mit den eigenen Chancen umging und Till Klimpke im Tor bis dahin noch nicht seine volle Stärke erreicht hatte. Bis auf das 12:8 (24.) von Max Raguse erhöhte der viermalige Meister, ehe Wetzlar wieder in die Spur fand und nach einer Zeitstrafe in Überzahl endlich den 10:13-Halbzeitstand durch Schreiber erzielte.

Auch in der zweiten Halbzeit gaben beide Mannschaften alles für den Traum vom Meistertitel 2017. Wetzlar kam aus der Kabine und war direkt wieder präsent. Mit zwei gelungenen Aktionen brachte Waldgenbach den Oststaffel-Meister wieder in die Spur und Schreiber warf aus dem Rückraum zum vielumjubelten 13:13-Ausgleich ein. Zwar legte Berlin danach wieder auf 17:15 vor, doch spätestens mit dem 18:18 von Rüdiger war Wetzlar wieder dran.

Dennoch schien der knappe Vorsprung stets in den Köpfen der HSG-Spieler präsent. Gerade in den Situationen, in denen Wetzlar selbst in Führung hätte gehen können, gerieten die Grün-Weißen durch Nachlässigkeiten wieder in den Rückstand. Das 22:19 der Gäste und die anschließende Zeitstrafe von Ian Weber waren zwei dieser Momente, in denen Torhüter Klimpke dem Team mit zwei wichtigen Paraden den Rücken freihielt und Rüdiger vorne sicher zum 21:22-Anschlusstreffer verwertete. Näher als auf 23:25 (55.) durch den in Szene gesetzten Jan Reuschling kam Wetzlar aber in der Schlussphase nicht mehr heran, auch weil Berlin extrem offensiv mit Manndeckung gegen Weber und Schreiber verteidigte.

Nachdem Füchse-Spieler Max Raguse Wetzlars Schreiber nach einem missglückten Angriff der Gäste in der Rückzugsbewegung unnötig foulte und damit den schnellen Angriff der Grün-Weißen unterbrach, sollte Berlin die letzten beiden Spielminuten mit einem Mann weniger beenden. Dennoch warfen die »Jungfüchse« beim Stand von 24:27 – nur noch anderthalb Minuten in Unterzahl zu spielen – alles nach vorne. Nach einem langen Angriff brachte das Team Frederik Simak auf Halblinks zum Abschluss, doch Klimpke hielt den Wurf des Rückraumspielers und die Offensive um Schreiber bekam ihre letzte Angriffsaktion, aus der noch ein Berliner Konter resultierte. Der Rest ist nun ein Stück Wetzlarer Handballgeschichte.

HSG Wetzlar U 19: Till Klimpke, Finn Weber; Reuschling (1), Weimer, Vatter, Sturm, Schreiber (3), Kaiser, Patt, Rüdiger (9/2), Weber (3/1), Okpara (2), Waldgenbach (6), Wassberg.

Füchse Berlin: Rau, Ferjan; Urios Gonzalez (1), Gerntke, Simak (5), Schroeder, Rozman (7/5), Schmitz, Pust (1), Knauer (6), Matthes (2), Schauer, Raguse (5).

Im Stenogramm / Zeitstrafen: 8:8 Minuten. – Siebenmeter: 4/3:6/5. – Zuschauer: 1750. – Schiedsrichter: Pritschow /Pritschow (Stuttgart).

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