06. Juni 2017, 16:00 Uhr

Grün-weißes Blut

»Wolle« Klimpkes Tränen für Sohn Till

Die Deutsche Meisterschaft der HSG Wetzlar U19-Junioren ist auch der Triumph von Torhüter Till Klimpke. Das ist vorgelebt: Vater Wolfgang und Mutter Ruth führen mit ihrem Sohn ein Leben für die HSG.
06. Juni 2017, 16:00 Uhr
Jubel ohne Grenzen. (Foto: Harald Friedrich)

HSG Wetzlar


Es sind diese Momente, die den Sport so groß machen. Wolfgang »Wolle« Klimpke, noch immer ein Baum von Mann, schossen die Tränen in die Augen. Auch seine bessere Hälfte Ruth konnte ihre Gefühle nicht mehr verbergen. Sohn Till hatte sich soeben mit den A-Junioren der HSG Wetzlar zum deutschen Meister gekrönt, da lag sich die ganze Familie schon herzend in den Armen. Es ist eine dieser besonderen Geschichten, die der Sport so gerne schreibt; die es nicht nur in München oder Barcelona, sondern eben auch im Handball und auf dem Land gibt.

Danke für die phänomenale Unterstützung.	(Foto: Harald Friedrich)
Danke für die phänomenale Unterstützung. (Foto: Harald Friedrich)

Wolfgang Klimpke, eine der größten Handball-Legenden, die der TSV Dutenhofen je hervorgebracht hat, war überglücklich: »Ich freue mich so für Till. Ich unterstütze ihn so, wie mein Vater mich unterstützt hat. Ich weiß nur zu genau, was es einem bedeutet. Was für ein Tag!«, machte der Klasse-Kreisläufer aus seinem Herzen keine Mördergrube, »nicht auszudenken, wenn Till schon wieder ein Finale verloren hätte. Das wünsche ich keinem.«
 

Bis kurz vor Spielbeginn hatten »Wolle« und Ruth, durch deren Adern seit Jahrzehnten grün-weißes Blut fließt, noch im Foyer die Zuschauermenge wie selbstverständlich mit Essen und Getränken versorgt, um hernach über eineinhalb lange Stunden mit ihrem Filius zu hoffen und zu bangen. Als Till, Junioren-Nationaltorhüter und ab Juli Mitglied im Profikader der HSG Wetzlar, den letzten Wurf des Berliners Frederik Simak parierte, pulsierte das Blut von 1750 Handball-Anhängern. Die Herzen pochten und entluden sich Sekunden später in einen einzigen Jubelschrei.

 
Fotostrecke: Der Titelgewinn der HSG Wetzlar U19-Junioren in Bildern

Wolfgang Klimpke, 1984 selbst mit dem TSV Dutenhofen Jugend-Triumphator über die SG Unna-Massen, 1998 nach einem Dutzend vergeblicher Anläufe Mitglied des Erstliga-Aufstiegsteams der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen und danach noch sechs Jahre lang einer der Leistungsträger im Team von Trainer-Legende Velimir Petkovic, ließ es sich denn auch nicht nehmen, am Abend des Triumphes und bei der Titelfeier am Pfingstsonntag »Am Anker« den bereits fünften DM-Triumph einer Dutenhofener Nachwuchsmannschaft ausgiebig zu feiern. Derweil sich die Klimpke, Schreiber und Co. sogar zu einer Bootsfahrt auf dem See aufmachten, suchte »Wolle« aber lieber ein schattiges Plätzchen.

Übrigens: Den DM-Titel 1984 mit der Dutenhofener Jugend errang »Wolle« auch an Pfingsten, das für die Familie Klimpke seither also eine besondere Bedeutung.

Auch für Björn Seipp, den Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten, hatte das Final-Rückspiel seine eigene Geschichte. Der ehemalige Reporter von Hitradio FFH übernahm für »sportdeutschland.tv« die Rolle des Kommentators und brachte zusammen mit Bundesliga-Akteur Philipp Weber die packende Auseinandersetzung via Internet-Livestream unter die Handball-Anhänger in Deutschland. »Das war anstrengend«, erzählte Seipp hinterher und genehmigte sich nach bei enormer Luftfeuchtigkeit getaner Arbeit erst einmal ein kühles Blondes. »Es ist ja schon eine Weile her, dass ich das gemacht habe. Aber es hat richtig Spaß gemacht, obwohl es nicht ganz einfach war, die eigenen Emotionen raus zu halten.«

Unter der Heerschar an ehemaligen und aktuellen Dutenhofener Handball-Größen von Dragoslav Dajovic, dem vor 30 Jahren ersten ausländischen Handballer im grün-Weißen Trikot überhaupt, über Ex-Keeper Waldemar Strzelec bis zum aktuellen Torsteher Nikolai Weber (»Eine Atmosphäre wie in besten Dutenhofener Tagen«) war auch Trainer-Ikone Velimir Petkovic, seit diesem Winter Coach des Erstbundesligisten Füchse Berlin. »Der Weg hierher hat sich gelohnt«, sprudelte es aus ›Petko‹ heraus, »Berlin war heute super und hat ordentlich Gas gegeben. Ich bin aber überrascht vom Wetzlarer Team, das mit unglaublich viel Intelligenz Handball spielt.«

Dass für Rainer Dotzauer, den »Mister Handball« in Dutenhofen, dieser DM-Triumph der Grün-Weißen ein besonderer Moment war, muss nach einer großartigen, einmal mehr die Herzen dieser Handball-Region erreichenden Saison nicht gesondert erwähnt werden. Da passte es in das Bild eines denkwürdigen Handball-Tages, dass mit Jugend-Bundestrainer Jochen Beppler an der Seite von DHB-Vize Carsten Korte ein Offizieller die Siegerehrung vornahm, der ebenfalls eine grün-weiße Vergangenheit hat.

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