Nachwuchs-Ausstieg

»Wir sollten die Ziele nicht verlassen«

Nach dem geplanten Aussteig des SC Teutonia Watzenborn-Steinberg aus dem JFV Mittelhessen gibt sich deren Vorstandsvorsitzende kämpferisch. Im Interview zieht er zudem eine Zwischenbilanz.
29. November 2017, 07:00 Uhr

Als der JFV Mittelhessen 2014 ins Leben gerufen wurde, bestand der Verein aus 80 Kindern und acht Trainern. Mittlerweile sind es 320 Kinder und 22 Trainer – der Jugendförderverein mit dem SC Teutonia Watzenborn-Steinberg und dem FSV Fernwald wächst, muss aber auch erkennen, dass sportliche Entwicklung Zeit braucht. »Die Steigerung der Zahlen kann sich sehen lassen«, sagt der Vorstandsvorsitzende Matthias Richter. Seit Thorsten Stark vor rund einem Jahr nicht zur Wiederwahl antrat, ist Matthias Richter die Führungsfigur beim JFV Mittelhessen.

Täglich verbringt er Zeit mit Jugendfußball, »der Verein ist mir ans Herz gewachsen, sonst machst du das nicht«. Offensiv erklärt Richter, dass man seiner Meinung nach vom ursprünglichen Ziel, gleichzuziehen mit Wieseck und dem VfB 1900 Gießen, nicht abrücken sollte. Auch wenn der JFV Mittelhessen rein von den Spielklassen her davon aktuell noch weit entfernt ist. Ein eventueller Rückzug von Watzenborn-Steinberg wäre zudem ein Rückschlag. Dazu und zur Zwischenbilanz des JFV nach dreieinhalb Jahren äußert sich Matthias Richter.

Herr Richter, Sie sind seit rund einem Jahr an der Spitze des JFV Mittelhessen, kennen den Verein aber vom Beginn an – wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus, nachdem der Verein sich nun in der vierten Saison seit der Gründung befindet?

Matthias Richter: Wir haben noch nicht die Spielklassen erreicht, die es ursprünglich sein sollten. Aber in diesem Jahr können wir bislang enorm zufrieden sein. So gut wie jetzt waren wir noch nie. Die A-Junioren haben die Chance, in die Gruppenliga aufzusteigen, das wäre ein Traum. Weil wir besser als zuletzt dastehen, kann ich einen eventuellen Ausstieg der Teutonia auch nicht ganz nachvollziehen. Denn da muss man ja ganz unten anfangen.

Die bisher höchste Spielklasse hat die D-Jugend in der Gruppenliga erreicht, dort steht sie allerdings abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Richter: Da sind wir ein bewusstes Risiko eingegangen mit dem jüngeren Jahrgang. Denn der Jahrgang 2006 ist stärker als der 2005er. Dass wir dort Tabellenletzter sind, ist durch die Jugend und die körperliche Unterlegenheit relativ einfach zu erklären.

Als der JFV Mittelhessen 2014 ins Leben gerufen wurde, hieß das Ziel, in Sphären von der TSG Wieseck und dem VfB 1900 Gießen zu kommen. Ist das nicht etwas zu optimistisch? In Wieseck dauerte es rund zehn Jahre, bis alle Jugendteams in der höchsten Klasse vertreten waren.

Richter: Das ist damals wohl so als Ziel ausgegeben worden: Auf Augenhöhe mit den beiden Aushängeschildern im Jugendfußball des Fußballkreises Gießen zu kommen. Meine Meinung ist: Wir sollten diese Ziele nicht verlassen. Der Abstand zu Wieseck und dem VfB 1900 muss verringert, idealerweise minimiert werden. Wir brauchen weiterhin gute Trainer, die man über Kontakte und auch ein Stück weit Glück bekommt.

Ist dieses Ziel bei einem Ausstieg von Watzenborn-Steinberg auch nur noch ansatzweise vertretbar?

Richter: Zunächst einmal: Von der Teutonia hat noch keiner mit uns gesprochen, gekündigt wurde auch noch nicht. Wenn die Teutonia eine eigene Jugend aufmacht, weiß jeder, welche Finanzkraft dahintersteckt. Die Frage ist, wie schlagkräftig das sein wird. Sie müssten sich ja bedienen, etliche Jugendspieler holen. Kaufen sie der TSG Wieseck und dem VfB 1900 die Spieler weg? Ist das dann noch ein Konzept für die Region? Wir sehen dem Weggang der Teutonia insgesamt gelassen entgegen. Es bedeutet weniger Spieler, aber wohl genauso viele Helfer.

Mit welchem Argument sollen Kinder in Mittelhessen zum JFV wechseln? Mit Wieseck, dem VfB 1900, TSF Heuchelheim, FSG Wettenberg und dem TSV Lang-Göns ist die Konkurrenz groß.

Richter: Wir haben seit Februar Darmstadt 98 als Kooperationspartner und stehen in ständigem Austausch. Da steht nicht nur der Name. Wir hatten neulich den »Lilien«-Tag, drei Spieler wurden nach Darmstadt zum Probetraining eingeladen. Die Darmstädter sind bei uns vorbeigekommen und haben Trainerfortbildungen durchgeführt. Am 3. Oktober gab es einen Leistungsvergleich mit Hessen Kassel, Darmstadt 98, Bayern Alzenau und den Sportfreunden Siegen – bei uns findet etwas statt und wir betreiben gute Jugendarbeit. Außerdem glaube ich, dass das familiäre Umfeld beim SV Darmstadt 98 für den ersten Sprung vielleicht auch geeigneter ist. Und wir haben in dieser Saison 17 Spieler in die Senioren-Teams der Stammvereine gebracht.

Wo gibt es noch bedeutende Schwierigkeiten beim JFV?

Richter: Es gibt viele Hindernisse, eines davon ist mit Sicherheit immer wieder das Geld. Wir haben zum Glück, das muss man auch mal sehen, sieben Plätze für das Training zur Verfügung, wer kann das sonst noch bieten? In vielen Dingen müssen und wollen wir uns noch entwickeln. Für die Videoanalyse haben wir jetzt ein Coaching Eye für rund 1200 Euro gekauft. Das wird auf einem zentralen Flutlichtmast angebracht und läuft bei Training und Spiel. Damit kann man Spieler individuell besser machen.

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