15. Juni 2018, 07:00 Uhr

Fußball-WM

Nachgefragt beim FFC Pohlheim: Blinis, Özil und der coole Neuer

Wenn beim FFC Pohlheim Training ist, ist es fast wie bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. Mittlerweile hat der Club in seinen Mädchen-Teams 14 Nationen bzw. Kulturen integriert.
15. Juni 2018, 07:00 Uhr
Kamar (l.) und Aeya Bahri (Foto: gae)

Freitagabend. Musik dröhnt aus dem Lautsprecher, der vor dem Vereinsheim steht. Beim FFC Pohlheim läuft ein ganz normales Fußball-Training auf dem Rasen ab. Im Jahre 2010 wurde unter dem Dach des FC Grüningen von einem Trainer einer Jungenmannschaft mit den bereits dort mittrainierenden Mädchen eine eigene Mädchen-Fußball-Abteilung (FFC Pohlheim) gegründet. Mittlerweile nehmen für den Club sechs Teams (U8-, U10- und U12-Mädchen, U14- und U16-Hessenliga und die Frauen in der Gruppenliga) am Spielbetrieb teil.

»Wir fördern in unserem Verein ganz besonders Mädchen ab fünf Jahren mit Migrationshintergrund. Es ist unser Anliegen, gerade Mädchen, die es aufgrund ihrer kulturellen und sozialen Stellung im Alltäglichen schwer haben, für den Fußballsport und das Vereinswesen in einer großen Fußball-Familie zu begeistern«, steht dick und fett auf einem Flyer des Clubs. »Insgesamt haben wir in unseren Mädchen-Fußball-Teams 14 Nationen bzw. Kulturen integrieren können«, sagt FFC-Trainer Turgay Schmidt und zählt auf: »Polen, Russland, Ungarn, USA, Norwegen, Tunesien, Türkei, Pakistan, Italien, Ukraine, Deutschland, Niederlande, Bosnien und Albanien.« Und das soll noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Azra Karaaslan (15 Jahre, U16, Hessenliga, Eltern aus der Türkei, deutscher Pass): Azra Karaaslan ist eine Art Geheimwaffe im U16-Hessenligateam. Sie ist der Allrounder. »Ic h spiele in der Abwehr, auf der Sechs und im Sturm«, sagt die 15-Jährige. Sie drückt der Elf von Bundestrainer Jogi Löw die Daumen. Und zu einem Spieler hat sie einen besonderen Draht. Mesut Özil kommt wie ihre Mutter aus einer kleinen Stadt in der Nähe von Zonguldak an der türkischen Schwarzmeerküste. Azra ist schon ein wenig traurig, dass die Türkei nicht bei der WM dabei ist. »Das ist zwar schade, aber sie haben einfach nicht gut genug gespielt«, analysiert sie. Die Spiele werden zu Hause geschaut. Ein besonderes Augenmerk wird sie auf die portugiesische Mannschaft legen. Da spielt Ronaldo, den sie mag.

Kamar Bahri (11 Jahre, U12, Sturm, deutscher Pass) und Schwester Aeya (12, U12, Abwehr, Eltern aus Tunesien, deutscher Pass): Kommt die Sprache auf die WM, leuchten die großen Augen der beiden Schwestern. »Unsere Chancen stehen bei 50:50«, schießt es aus beiden heraus. Damit meinen sie, dass das Heimatland ihrer Eltern – Tunesien – in der Gruppe B durchaus die Möglichkeit besitzt, die Gruppenphase als Zweiter zu überstehen und ins Achtelfinale einzuziehen. Die komplette Familie ist fußballbegeistert und wird sich die Spiele am Fernseher ansehen. Natürlich auch die der deutschen Mannschaft. Die elfjährige Kamar ist ein Thomas-Müller-Fan. Sie selbst sieht sich als spielenden Mittelstürmer. Die ein Jahr ältere Schwester Aeya mag indes Mats Hummels. Aber das Trikot von »Basti« Schweinsteiger existiert auch noch in der Familie Bahri.

Angela Schlosser (13 Jahre, U14, Hessenliga, linker Außenverteidiger, Eltern aus Kirgisistan und Kasachstan, deutscher Pass): »Ich freue mich riesig auf die Weltmeisterschaft«, erklärt die 13-Jährige. Ihre Familie hatte eigentlich vor, ins Stadion zu gehen. Da aber die Geschwister von Angela Schlosser noch sehr jung sind, traute man sich nicht, da die Eltern nicht wussten, wie die Kleinen reagieren. So werden die Fußballspiele der Russen und der Deutschen vom TV-Gerät aus verfolgt. »Wir haben zwei Fernseher«, sagt Angela Schlosser mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. So könne jeder seinen Favoriten sehen, ohne dass es Streit geben würde. »Ich spiele seit der G-Jugend in der Abwehr«, erzählt die Defensivspezialisten, die bei den Jungs aber auch im Mittelfeld eingesetzt wird. Natürlich kennt sie einige der auf der linken Seite agierenden Top-Verteidiger Alaba, Jordi Alba und Jonas Hector. Am liebsten mag sie aber Toni Kroos von Real Madrid. Der deutsche Nationalspieler spiele zwar im Hintergrund, sei aber sehr wichtig für das Team und öffne geschickt das Spiel. Sie freut sich bei der WM schon auf ein typisches russisches Gericht mit dem Namen Blintschiki. Das sind Pfannkuchen, die man süß und deftig füllen kann. Besser bekannt aus der Werbung mit den Klitschko-Brüdern, die von Blinis sprachen. Angela Schlosser hofft, dass Deutschland wieder ins Finale kommt und den Titel verteidigt.

Lisa Hisserich (15 Jahre, U16, Hessenliga, U14 bei den Jungs, Mittelfeld, Deutschland): Lisa Hisserich weiß, dass es für die DFB-Auswahl schwierig wird, den Titel von 2014 in Russland zu verteidigen. »Sie müssen immer ihr Bestes geben. Vielleicht reicht es dann«, sagt die 15-Jährige. Sie spielt auf der Sechs, kann gut zerstören, aber auch den so wichtigen ersten, öffnenden Pass spielen. Den deutschen Ex-Kapitän Philipp Lahm findet sie gut, aber auch Thomas Müller. Ihr Favorit steht aber im deutschen Tor: Manuel Neuer. »Ich finde ihn cool, sympathisch.« Die Spiele wird sie im Kreise ihrer Familie oder auch mit Freunden schauen. »Da organisieren wir schon was.« Möglich ist auch, dass innerhalb der U16-Mannschaft des FFC Pohlheim im Vereinsheim geschaut wird. Ihr Trainer Turgay Schmidt werde sich sicher etwas einfallen lassen. Aber so ganz glücklich ist Lisa Hisserich nicht. Sie hätte gerne das deutsche Auswärtstrikot, das aber zurzeit vergriffen sei. Sie ist aber guter Hoffnung, dass sie noch während der WM eines ergattern kann.

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