25. November 2018, 21:21 Uhr

Moral bleibt unbelohnt

25. November 2018, 21:21 Uhr
Attackiert wird Annabel Breuer (RSV Lahn-Dill, r.) von André Bienek (Thuringa). (ras)

Vor 1450 Zuschauern in der August-Bebel-Sporthalle boten die Wetzlarer dem Tabellenführer drei Spielviertel lang ein Duell auf Augenhöhe, ehe sie am Ende eine 58:67 (13:22/29:41/46:51) Niederlage quittieren mussten. Zum Matchwinner bei den Thüringern avancierte der US-Amerikaner Jake Williams, der 26 Punkte erzielte und zehn Assists verbuchte.

Für ein würdiges Spitzenspiel zollte die gute Kulisse im RSV-Wohnzimmer am Ende beiden Teams großen Applaus, doch insbesondere das Heimpublikum feierte den Lokalmatador für eine couragierte zweite Halbzeit mit großer Moral und tollem Kampfgeist. Grund hierfür war eine Aufholjagd der Mannschaft von Headcoach Janet McLachlan, die am Ende unbelohnt blieb.

Voraus ging ein Auftaktviertel, in dem der RSV zu viel Respekt vor dem Gegner zeigte, der wiederum von Beginn an hellwach war und seine Stärken eiskalt in die Waagschale warf. Schnell lag die Truppe von Trainer Michael Engel mit 7:2 (3.) und 12:5 (4.) in Front. Zwei Auszeiten benötigte die kanadische Cheftrainerin der Wetzlarer in der Folge, bis der 13-fache Meister wachgeküsst war. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Thüringer sich allerdings schon einen 31:15-Vorsprung (13.) erarbeitet, der am Ende zumindest mitentscheidend war.

Doch mit diesem Zwischenstand wollte sich Kapitän Michael Paye und Co. zunächst nicht abfinden, nahmen den Kampf an und stoppten in der Folge die mit Abstand beste Offensive der Liga mit einer bärenstarken Verteidigungsarbeit. Vor allem die Einwechslung von Center Jan Gans brachte nun auch mehr Durchschlagskraft in den Angriffsbemühungen. Seine sechs Punkte binnen drei Minuten sorgten für eine erste Aufholjagd, die Nico Dreimüller zum 29:37 (18.) abschloss. Doch in den letzten Sekunden vor der Pause sorgten zwei, drei leichte Fehler für die sofortige Strafe, die André Bienek mit zwei Körben zum 29:41-Halbzeitstand auf dem Fuße folgen ließ. Eine Situation, die sich im weiteren Verlauf der Partie noch zweimal wiederholen sollte.

Aus der Kabine kam aber zunächst ein wild um seine Chance kämpfender RSV. Mit einer extrem druckvollen Verteidigung erzwangen die Gastgeber in dieser Phase alleine fünf Ballverluste der Bulls, deren Vorsprung über 35:43 (22.) und 40:45 (26.) zusammenschmolz. Die 1450 Besucher wurden zum lautstarken sprichwörtlichen »sechsten Mann«, und als Thomas Böhme einen Dreier zum 46:49 (29.) in die Reuse der Gäste einschweben ließ, glich die August-Bebel-Sporthalle einem Tollhaus. Doch erneut war es eine kurze unaufmerksame Phase bei den Lahn-Dillern, die eine mögliche Wende in der Partie verhinderte. So lösten sich die Gäste über 55:46 (32.) und 60:48 (34.) urplötzlich wieder aus der Umklammerung der Hausherren und bestraften in Form einer Top-Mannschaft jeden Fehler ihres Kontrahenten eiskalt.

Den Kopf in den Sand stecken war an diesem Tag aber keine Alternative für die Wetzlarer Rollis, die sich mit viel Herz und unbändiger Kampfkraft noch ein letztes Mal zurückkämpften, als das Trio Gans, Hiroaki Kozai und Brian Bell das 54:60 (37.) erzwangen. Doch nun übernahm Williams die Verantwortung und avancierte in den Schlusssekunden zum Matchwinner. Mit zwei Mitteldistanzwürfen und einem Dreier zerstörte er die Hoffnungen der Gastgeber und erzielte dabei alleine im letzten Spielviertel seine Punkte 15 bis 26.

Auf der Gegenseite überzeugte der RSV Lahn-Dill mit viel Herz und wäre die zaghafte und unentschlossene Anfangsphase nicht gewesen, hätte das erste Aufeinandertreffen der beiden Platzhirsche in Deutschland durchaus einen anderen Ausgang haben können.

Lahn-Dill: Gans (14), Bell (10), Paye (10), Kozai (9), Böhme (7/1 Dreier), Häfeli (6), Dreimüller (2), Breuer, Huber, Möller (n.e.).

Thüringen: Williams (26/2), Halouski (17), Gholomazad (12), Bienek (8), Podnieks (4), Albrecht, Partanen, Visser, Beginskis (n.e.).

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