14. Februar 2018, 12:05 Uhr

Fußball

Jochbeinbruch nach Prügel-Spiel in Homberg: Fall landet vor Zivilgericht

Ein Fußballspiel der Kreisliga B Alsfeld/Gießen in Homberg ist im August 2016 eskaliert: Ein Spieler landete mit Jochbeinbruch im Krankenhaus. Der Fall wurde nun am Zivilgericht verhandelt.
14. Februar 2018, 12:05 Uhr
Bei Kreisligaspielen immer wieder mal üblich: Die Gemüter sind so erhitzt, dass Konflikte nur noch mit Gewalt geregelt werden. Nicht selten endet das aber mit schweren Verletzungen. (Symbolbild: dpa)

Die Mühlen der Justiz mahlen langsam – und im Verborgenen. So hatte das Kirchhainer Amtsgericht vor wenigen Wochen in einem Strafverfahren zu verhandeln, ob es bei einem Fußballspiel der Kreisliga B Alsfeld/Gießen am 28. August 2016 zu einer gefährlichen Körperverletzung gekommen war. Darüber berichtete die »Oberhessische Presse« (»OP«). In der Begegnung zwischen der FSG Homberg/Ober-Ofleiden II und dem SV Ehringshausen (Endstand: 2:2) war ein Ehringshausener demnach so schwer zusammengeschlagen worden, dass er einen Jochbeinbruch und eine Gehirnerschütterung erlitt. Zudem wurden ihm Hämatome am Oberkörper und an den Beinen zugefügt.

 

350 Euro Schmerzensgeld

Nachdem schon das Kreis-Sportgericht unter Vorsitz von Gerhard Kuntz (Homberg) sein Urteil gefällt und die Beteiligten mit Spielsperren belegt hatte, ging es nun vor ein Zivilgericht. Der Anklagevorwurf der gefährlichen Körperverletzung gegen den Homberger Akteur konnte jedoch nicht aufrechterhalten werden. Am Ende einigten sich die Prozessbeteiligten auf eine Einstellung des Verfahrens. Der Angeklagte muss dennoch 350 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen. Er hatte einen Tritt gegen dessen Oberschenkel eingeräumt.

Aber was war genau passiert? In der 88. Minute der Partie soll der Geschädigte versucht haben, die schnelle Ausführung eines Freistoßes für Homberg zu verhindern, und geriet in einen Streit mit einem FSG-Akteur. Ein zweiter Spieler der Heimmannschaft, offensichtlich der Angeklagte, kam hinzu, um die beiden zu trennen. Er soll vom Ehringshausener mit den Worten »was willst du denn, du Scheiß-Türke« beleidigt worden sein. Daraufhin setzte der Homberger zum Tritt gegen den Oberschenkel an, den er auch einräumte. Der Schiedsrichter ahndete dies mit der Roten Karte. So weit die Faktenlage laut »OP«.

Wie so oft bei solchen Verhandlungen, brachten die Zeugenaussagen vor dem Amtsgericht wenig Licht ins Dunkel. Neben Spielern und Schiedsrichter waren auch Trainer und Zuschauer geladen. Das Opfer selbst trat als Nebenkläger auf. Auf Homberger Seite hatte man zur Rekonstruktion des Tatgeschehens kaum etwas beizutragen – das große Schweigen trat ein. Der Referee hatte zuvor im Spielbericht dokumentiert, dass der Homberger mit der Nummer sechs komplett die Kontrolle verlor und den SVE-Akteur mit der Nummer zwei mit Tritten, Kniestößen und Faustschlägen angriff. Bei der Polizei sprach der Unparteiische zudem von drei bis vier Schlägen ins Gesicht. All dies relativierte er aber vor Gericht, redete von versperrter Sicht und konnte sich nicht mehr an Kniestöße erinnern.

 

Angeklagter legt Chat-Protokoll vor

Der Angeklagte gab an, definitiv keine Tritte oder Schläge gegen den Kopf ausgeführt zu haben. Er legte dem Gericht sogar ein Chat-Protokoll vor, wonach ein anderer Homberger Spieler Verursacher der schweren Verletzungen gewesen sein könnte. Dieser Spieler räumte im Chat ein, den Geschädigten womöglich im Gesicht erwischt zu haben. Der Ehringshausener konnte seinen Widersacher bei der Tat nicht erkennen, da er sich selbst in einer gebeugten Abwehrhaltung befand. Keine ausreichende Beweislage für den Richter, um eine härtere Strafe zu verhängen.

Hombergs Fußball-Abteilungsleiter Reinhardt Metz äußerte sich auf Anfrage dieser Zeitung zu dem Fall: »Ich bin meistens bei der ersten Mannschaft mit dabei. Als ich zu diesem Spiel dazukam, konnte ich zwar Tumulte an der Eckfahne erkennen, aber etwas Genaueres habe ich nicht gesehen. Ich denke, das Thema wird etwas zu hoch gehängt.«

Vor dem Sportgericht war der Homberger Spieler, der immer noch zum Kader gehört, zu acht Wochen Sperre wegen einer Tätlichkeit verurteilt worden. Der Akteur des SV Ehringshausen – der Verein nimmt aktuell nicht mehr mit einer Männermannschaft am Spielbetrieb teil – wurde wegen Beleidigung mit einer Sperre von zwei Wochen belegt.

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